Walter und Silvia Frei (90)

03. Januar 2018 19:00; Akt: 03.01.2018 19:00 Print

Dieses Paar liebt sich seit 86 Jahren

Der Fotograf Rolf Neeser hat eine Foto-Reportage über ein Bieler Ehepaar (beide 90) gemacht, das sich bereits mit vier Jahren die Liebe versprochen hat.

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Das Bieler Ehepaar Walter und Silvia Frei feierte kürzlich die eiserne Hochzeit – sie sind 65 Jahre verheiratet. Zum ersten Mal «geheiratet» haben sie als Vierjährige. Sie banden sich gegenseitig Blumenkränze und spielten Hochzeit. Die Mütter der beiden waren Freundinnen. Walter Freis Mutter ist die Gotte von Silvia Frei, Silvia Freis Vater ist der Götti von Walter. Sie kamen sich näher, als Walter Frei in Bern Theologie studierte. Der erste Kuss folgte in einer Gartenlaube nach einem gemeinsam besuchten Konzert. Richtig gehiratet haben sie 1952. Seither meistern sie ihr Leben gemeinsam – mit 91 Jahren führen sie noch immer ihren Haushalt ohne fremde Hilfe. Das Ehepaar wohnt in einer Bieler Altstadtwohnung im vierten Stock – ohne Lift. Täglich machen sie zusammen ihre Kommissionen in der Neumarkt-Migros in Biel. Dort legen sie oft auf dem «AHV-Bänkli» einen Rast ein und plaudern mit den Leuten. Gemeinsam teilen die beiden mehrere Leidenschaften. Zum Beispiel die für Kunst, für Flohmärkte, für mittelalterliche Musik oder für Philosophie. Walter Frei förderte seine Silvia auch bei der Kunstmalerei. Gemeinsam stellten sie ihre Bilder aus. Nach einem erfüllten gemeinsamen Leben sind sich die beiden immer noch sehr nah: Auch Zärtlichkeiten kommen nicht zu kurz. Die beiden haben ihr Leben aufeinander abgestimmt: Er hilft ihr in den Mantel und sie richtet ihm den Kragen. Alle Handgriffe meistern sie zusammen. «Wir sind mit 91 Jahren nun halt alte, rasch ermüdende Leute. Jetzt helfen wir einander einfach, dass es noch geht, um möglichst lange einem Pflegeheim auszuweichen», sagt Walter Frei. Der Bieler Fotograf Rolf Neeser hat das Ehepaar begleitet und ihren Alltag abgelichtet. Er sagt: «Es gibt im Leben eines Reportagefotografen viele spannende Geschichten, aber diese hier, die hat mich tief berührt.» Die Bilder von Rolf Neeser wurden in Biel ausgestellt, in Zürich-Oerlikon an der Photo18 gezeigt und am Swiss Press Award mit dem 2. Platz in der Kategorie «Alltag» ausgezeichnet.

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«Es ist eine Herzensgeschichte», erzählt der Bieler Fotograf Rolf Neeser. «Ich kenne das Paar schon lange und ich dachte, dass man in Zeiten von Terror und täglich schlechten News doch einfach mal das gewöhnliche Leben zeigen soll.»

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Doch so ganz gewöhnlich ist die Geschichte von Walter und Silvia Frei auch wieder nicht. Sie handelt nämlich von der ewigen Liebe. «Die wird ja immer besungen oder darüber geschrieben, aber hier haben sie zwei Menschen offenbar gefunden», sagt Neeser. Denn Walter und Silvia Frei lernten sich kennen, als beide erst vier Jahre alt waren. Sofort war klar: Sie werden Freunde. Und wie das Kinder manchmal tun, spielten sie zusammen «Hochzeit» und banden einander Blumenkränze.

Harmonie bei jedem Handgriff

Heute sind die zwei 90 Jahre alt – und immer noch ein Liebespaar. «Sie sagt ihm manchmal Schätzli, er ihr Silveli», erzählt der Fotograf. Als er ihren Alltag ablichtete, wurde ihm bewusst, wie sehr diese beiden Menschen ihr Leben aufeinander abgestimmt haben. «Er hilft ihr in den Mantel und sie richtet ihm den Kragen – sie spüren einander einfach, das ist so eine Harmonie bei jedem Handgriff. Es ist einfach bewegend», sagt Neeser. «Es gibt im Leben eines Reportagefotografen viele spannende Geschichten, aber diese hier, die hat mich einfach tief berührt.»

Auch faszinierte ihn, wie die beiden in einer Art Zeitkapsel leben.
Denn Walter und Silvia Frei haben keinen Fernseher, kein Radio, nur ein altes, analoges Telefon. Sie gehen täglich ihre alte Wendeltreppe hinunter – vier Stockwerke –, um ihre Einkäufe zu tätigen in der Bieler Neumarkt-Migros. «Dort führen sie Gespräche mit den Leuten, dann gehen sie zurück in die Altstadt und schleppen die Kommissionen in ihre Wohnung», so Neeser. «Und wenn jemand läutet, geht einer von beiden zu Fuss hinunter, um die Türe zu öffnen.»

Erster Kuss nach Konzert

Die Bildreportage von Rolf Neeser wurde schon in der «Illustrée» und weiteren Zeitrschriften veröffentlicht. Der Fotograf zeigt sie demnächst auch an der Photo18. Walter und Silvia Frei haben nach der Publikation ihrer Bilder zahlreiche Rückmeldungen erhalten, erzählen sie 20 Minuten. «Wir waren vielen Bielern wohl bekannter, als wir selber wussten», sagt Walter Frei. Auch haben sie Briefe von Unbekannten bekommen.

Walter Frei erzählt gern, wie das mit Silvia angefangen hat. «Unsere Mütter waren Freundinnen, aber da ich in Luzern und sie in Bern aufwuchs, sahen wir uns nicht so oft.» Erst als Walter Frei dann in Bern zu studieren begann, sei er regelmässig bei Silvias Familie Essen gegangen. «So führte ich mit Silvia viele Gespräche, denn wir hatten viele gemeinsame Interessen wie zum Beispiel die Kunst.»

Zum ersten Kuss sei es in der Gartenlaube bei Freunden gekommen, bei denen sie nach einem Konzert noch auf ein Glas Wein eingeladen waren. Die Hochzeit fand am 1. November 1952 statt, als sie 25-jährig waren. Nach der Hochzeit vertieften sich beide in die Kunstmalerei und machten gemeinsam mittelalterliche Musik. «Ich habe 15 verschiedene Instrumente gespielt», erzählt Walter Frei stolz. «Das gemeinsame Musizieren hatte auch auf unser Zusammensein eine unglaubliche Wirkung.» Denn er ist überzeugt: Glück müsse man sich auch gemeinsam erarbeiten.

Noch nicht ins Pflegeheim

Er habe in seiner Lehrtätigkeit als Professor auch nie etwas gemacht, ohne dies mit seiner Frau besprochen zu haben. «Silvia hat an allem, was ich gearbeitet oder künstlerisch erschaffen habe, einen unheimlichen Anteil genommen.» Sie haben auch zusammen die Werke von verschiedenen Philosophen gelesen. Er sei im Gegenzug für seine Frau auch mal auf den Boden gelegen und habe sich angesehen, ob der Rock, den sie selber genäht hatte, schön gerade ist.

«Und ich koche auch für meine Silvia. Ich frage sie, worauf sie Lust hat, und bereite ihr das zu.» Obwohl seine Frau ebenfalls eine sehr gute Köchin sei. «Wir sind mit bald 91 Jahren nun halt alte, rasch ermüdende Leute. Jetzt helfen wir einander einfach, dass es noch geht, um möglichst lange einem Pflegeheim auszuweichen.»

Auch Zärtlichkeiten würden dabei nicht zu kurz kommen. «Sie gehören zum Alltag, vom Aufstehen bis ins Bett gehen. Öppedie gibts ein Müntschi. Warum sollen das alte Leute nicht mehr tun?»

(ct)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ilop am 03.01.2018 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Süss die beiden..

    Sie strahlen eine bedingungslose und schöne Liebe aus. Im Verlauf der Jahre ist aus zwei Menschen eine einzige Person geworden. Diese Verbundenheit erreichen nur ganz wenige. Einfach herzerwärmend!

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  • @Achtsamkeit am 03.01.2018 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbar...

    ... das ist doch mal was positives. Es bedeutet viel Arbeit, ein stetes aufeinander zugehen, den Lieblingsmenschen so zu akzeptieren und zu lieben wie er ist. Und sich selbst nicht zu vergessen. Wir sind erst 33 Jahre auf dem gemeinsamen Lebensweg, aber ich liebe meinen Mann täglich mehr und bin dankbar für unsere Liebe. Es freut mich von Herzen für die Beiden.

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  • Te Rasse am 03.01.2018 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön

    Dass es das noch gibt. Liegt es an der wahren Liebe oder an der Generation?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • privilegé am 04.01.2018 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so schön

    Heißt ja auch nicht jede/r "Frei". Ein Leben frei von Verantwortung in schöngeistigen Berufen, das gefällt auch mir ausgezeichnet! (:

  • Romina am 04.01.2018 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Langweilig

    Schade. In im text wiederholt sich nur noch das, was in der bildstrecke steht. 1: 1.

  • Chocaholic2112 am 04.01.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Herzerwärmend. Einfach schön.

  • G.Don am 04.01.2018 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wie schön die zwei.

    Heute gibt so was nicht mehr. Wenn Jemand nicht mehr passt mit seiner/seinem Partnerin/Partner gibt es nur eine Nachricht und die Beziehung ist vorbei. Verheiratet gehen sofort zum Anwalt, wenn ein Problem auftaucht. Sieht doch die zwei... habt hier gedacht dass nur schönen Wetter bei ihnen wahr/ist? In einer Beziehung gibt es Tiefe und Höhe Zeit. Und die Zeit zu überwinden ist viel stärker als nur eine Nachricht/Anwalt. Gemeinsam ist stärker als alleine.

    • Dina am 04.01.2018 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G.Don

      Warum sollte es das heute nicht mehr geben? Die von heute haben einfach noch etwas mehr Zeit vor sich...

    • G.Don am 04.01.2018 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo Dina

      Unrecht hast du nicht. Heute wird einfach schneller getrennt als Früher. Darum so was ist seltenheit bis gar nix.

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  • Wiesotutsweh am 04.01.2018 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Herz

    Wow danke für den Artikel. Meinem Liebeskummer hat das sehr gut getan! :(