Knöchel gebrochen

14. Februar 2018 13:25; Akt: 14.02.2018 13:25 Print

Fussballer für Foul strafrechtlich verurteilt

Ein Junior des FC Richemond wurde letzte Woche wegen Körperverletzung verurteilt. Er hatte bei einem Foul seinem Gegner den Knöchel gebrochen.

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Ein Hobby-Fussballer wurde für ein Foul strafrechtlich belangt. Der Chefjurist des Fussballverbands meint: Wer auf den Platz geht, gibt gewissermassen die Zustimmung, verletzt werden zu können. (Bild: Google Maps)

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Ein ganz normales, hartes Foul, der Schiri pfeift und der Übeltäter sieht die Gelbe Karte. Solche Szenen ereignen sich jedes Wochenende tausendfach im Breitenfussball. Dass ein derartiges Foul eine Verletzung nach sich zieht, ist auch nicht ausserordentlich. Ausserordentlich ist aber, dass der Gefoulte zwei Monate nach dem Vorfall Anzeige gegen den Sünder erstattet.

Es geschah im Mai 2016 in einer Partie zwischen dem FC Richemond und dem SC Düdingen. Beim angesprochenen Foul
brach der angegangene Spieler den Knöchel, verbrachte zehn Tage im Spital und war 14 Wochen arbeitsunfähig. Daraufhin zeigte der Spieler des SC Düdingen den Foul-Sünder vom FC Richemond wegen fahrlässiger Körperverletzung an, wie die «Freiburger Nachrichten» berichten.

5000 Franken Verfahrenskosten

Zuerst wurde der Übeltäter zu 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Busse von 300 Franken verurteilt. Auf den Rekurs des FCR-Spielers hin wurden zwar die Arbeitsstunden auf 40 reduziert, doch hinzu kamen 5000 Franken Verfahrenskosten. Einzelrichter Benoît Chassot sprach von einer Sorgfaltspflichtverletzung: «Der Spieler wusste um die Risiken seines zu spät angesetzten Tacklings.»

Die Verurteilung für ein normales Tackling ist für Benoît Spicher, Präsident des Freiburger Fussballverbandes, eine beunruhigende Entwicklung. «Strafrechtliche Konsequenzen für Freiburger Fussballspieler gab es zwar bereits, das betraf aber klare Tätlichkeiten wie Faustschläge. Für ein Foul im Rahmen einer normalen Spielaktion ist es aber eine Premiere»

Er könne zwar verstehen, dass die Folgen für den verletzten Spieler schwerwiegend und ärgerlich gewesen seien, «Trotzdem wissen doch alle, die eine Sportart wie Fussball, Basketball oder Eishockey betreiben, um das Risiko, Verletzungen davontragen zu können.»

«Einwilligung zum Verletztwerden»

Robert Breiter, Chefjurist im Schweizer Fussballverband sieht dies ähnlich: «Wenn ein Spieler auf den Fussballplatz geht, willigt er gewissermassen dazu ein, verletzt werden zu können. Es kann niemand dafür verantwortlich gemacht werden, insofern man sich an die Spielregeln hält», führt Breiter aus. Dennoch: In seinen 16 Jahren beim SFV seien ihm nur gerade plus/minus fünf Fälle von strafrechtlichen Klagen bekannt, so Breiter. Bedenken, dass es in Zukunft eine Flut von Klagen geben könnte, hat er deshalb keine.

Die Affäre um das Foulspiel des Richemond-Spielers wird sich derweil wohl noch weiter ziehen. Sein Anwalt lässt verlauten, voraussichtlich beim Kantonsgericht Rekurs einlegen zu wollen. Ausserdem könnten noch Schadenersatz-Zahlungen auf den FCR-Akteur zukommen, wenn der Düdinger ein zivilrechtliches Verfahren anstrengen sollte.

(ber)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sportler am 14.02.2018 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abwarten

    Bald klagen wohl auch die Kampfsportler ihre Verletzungen ein. Durch solche Verfahren wird der Fussball zerstört.

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  • Mirco am 14.02.2018 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    finde ich voll daneben

    Der Schweiz ist nicht mehr zu helfen. Immer kränker und dreister diese Rechtsverdreher. Im Sport geschehen immer Unfälle. Verbietet doch gleich jede Sportart. Dieser Fussballer soll doch mit Wattestäbchen spielen. Nein echt. Soweit sind wir schon. Darum haben die Gerichte keine Zeit mehr richtige Verbrechen aufzuklären und richtige Strafen zu sprechen. Ein Gewaltverbrecher und Pädophiler kommt besser Weg!

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  • Didi Weidmann am 14.02.2018 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Krasser Fehlentscheid

    Dieses Urteil ist komplett weltfremd und ein krasser Fehlentscheid. Eine strafrechtliche Verfolgung von Verletzungen beim Sport ist nur dann angebracht, wenn diese in böser Absicht oder unter grober Missachtung von Sorgfaltspflichten erfolgt ist. Die Richter, die dieses Urteil gesprochen haben, beweisen, dass sie für ihren Job ungeeignet sind. Da hilft nur eines: Bei der nächsten Richterwahl die Namen dieser Richter publik machen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • eine Spieler des SC Düdingens am 17.02.2018 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon noch spannend...

    Ist schon noch spannend wie sich einige Menschen ohne jegliches Vorwissen eine eigene Meinung zu dieser Angelegenheit bilden. Ausserdem finde ich es sehr schade, dass die Medien (bereits in den Freiburger Nachrichten) von einem normalen Foul sprechen. Keiner der Autoren war an diesem Spiel anwesend und kann sich auch nur im entferntesten vorstellen wie grob das Foul war und mit welcher Absicht der Spieler des FC Richemonds handelte.

  • DNA am 16.02.2018 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein typisches CH Gerichtsurteil.

    Wer verweichlicht ist sollte nicht Fussball spielen. Schach oder Mikado würden dem Jungen besser tun. Das unsere Gerichte so urteilen wundert hingegen kaum noch jemanden. Da kann man weiterziehen wie man will, unsere Gerichte leben in einer andere Schweiz.

  • Creco am 15.02.2018 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doofes Urteil

    Ich glaub ich fange an zu Boxen, damit ich immer klagen kann. Sind die Richter doof, das kann doch nicht sein und der Spieler wo das Verfahren eingeleitet hat sollte man für jede Sportart sperren. So ein Doofmann brauchte ich nicht in meinem Kollegenkreis

  • longterm fan am 15.02.2018 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urteil ok

    ein Tackling anzusetzen ohne Chance den Ball zu treffen ist eine gosse Grobfahrlässigkeit. Ist man technisch dem Gegenspieler unterlegen sollte man sich dies eingestehen können und nicht zu solchen Mitteln greifen.

  • juventino am 14.02.2018 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    das foul war absicht und er hat dem jungen die karriere beendet nur so als zusatz zum artikel. deswegen schon ok die verurteilung.

    • Budoka am 14.02.2018 20:27 Report Diesen Beitrag melden

      In Ordnung

      Vielen Dank, dass hier mal jemand die Hintergrundinformationen bekanntgibt. Absichtliche harte Fouls mit Verletzungsfolge gehören auf jeden Fall gerichtlich verfolgt.

    • Sportpapi am 15.02.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wirklich?

      Er ist nicht der erste, dem sowas passiert. Profispieler haben das auch schon erlebt. Dann kann man von Karriereende sprechen. Bei einem jungen Nachwuchsspieler ist das ein grosses Wort. In einem normalen Beruf hat er eh mehr Chancen auf ein erfolgreiches Erwerbsleben.

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