Littering an Festivals

12. Juli 2018 18:42; Akt: 12.07.2018 18:43 Print

Darum bleibt der Gurten von Müllbergen verschont

Nach dem Gurtenfestival bleiben keine Abfallberge zurück. Das liegt unter anderem an einem psychologischen Trick der Veranstalter.

Gurtengänger berichten über ihren Umgang mit Abfall und Zelten (Video: cho).
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«Die Bilder vom Openair Frauenfeld haben mich schockiert. Ich verstehe nicht, wie man seinen Zeltplatz so zurücklassen kann», sagt Tamara (23). Die Gurtenfestival-Besucherin entsorgte am Donnerstagmittag ihren Abfall bei der Recycling-Stelle in der Sleeping Zone. Die Trennstelle auf dem Hausberg wird rege benutzt, viele der Behälter sind gut gefüllt. «Auf dem Gelände liegt ohnehin kaum Müll rum. Ich finde es eines der saubersten, wenn nicht gar das sauberste Festival der Schweiz», sagt Lara (27) aus Zofingen, die heuer bereits an drei Festivals war.

Littering an Festivals: Ein zunehmendes Problem

In der Tat schreiben andere Schweizer Festivals oft Schlagzeilen mit der zurückgelassenen Abfallmenge der Besucher. Nebst dem Openair Frauenfeld kämpfen auch das Openair St.Gallen oder das Greenfield gegen das Littering ihrer Besucher.

Auch auf fremde Hilfe wird dafür zurückgegriffen: «In St.Gallen waren wir dieses Jahr mit Botschaftern vertreten. Diese haben die versucht, die Besucher zu sensibilisieren», sagt Nora Steimer, Geschäftsleiterin der IG saubere Umwelt IGSU. Die Organisation hat ihr Auge normalerweise auf Littering in der Öffentlichkeit gerichtet, aber: «Weil Littering an Festivals zunehmend zum Problem wird, können wir uns vorstellen, in Zukunft vermehrt an Openairs aktiv zu sein.»

Wenig Abfall auf dem Gurten

Am Gurtenfestival dürfte dies jedoch nicht nötig sein. 2017 verzeichnete das Festival gerade einmal 700 Gramm Abfall pro Besucher – über alle vier Tage. Insgesamt waren es 56 Tonnen bei 80'000 Besuchern. Was auffällt: Weder auf dem Festivalgelände noch in der Sleeping Zone liegt Abfall am Boden. «Vor zehn Jahren haben wir das Trash-Hero-Konzept eingeführt. Das hat sich extrem bewährt», sagt Simon Haldemann, Sprecher des Gurtenfestivals.

So sorgen nun 60 Mitarbeiter im Schichtbetrieb dafür, dass der Boden frei von Abfall bleibt: Mit Müllzange und Abfallsack streifen sie durchs Areal und sammeln Liegengebliebenes ein. Haldemann: «Wenn der Boden sauber ist, lassen die Besucher auch weniger eigenen Abfall liegen.» Die 20 Meter zum nächsten Mülleimer würden sie so eher in Kauf nehmen. Die Veranstalter machen sich somit die sogenannte «Broken-Window-Theorie» zu nutze. Dieser besagt, dass bei einem Haus etwa eine zerbrochene Fensterscheibe schnell repariert werden muss, damit weitere Zerstörungen verhindert werden kann.

«Wir gelten bei manchen als bünzlig»

Auch nach dem Festival bleibt dank den Taktiken der Veranstalter nur wenig Abfall liegen, es werden kaum Zelte zurückgelassen. Laut Haldemann bleiben pro Festival nur 15 bis 20 Zelte auf dem Berg stehen. «Das liegt wohl auch an unseren strikten Zeltplatz-Regeln», so Haldemann. Denn im Gegensatz zu anderen Festivals, sind beim Gurtenfestival nur Zweierzelte erlaubt. Auch könne man keine Sofas oder tonnenweise Dosenbier in die Sleeping Zone nehmen. Haldemann: «Weil wir da so streng sind, gelten wir dafür bei manchen halt auch als bünzlig.»

(cho)