Bestellung im Darknet

15. Dezember 2017 05:43; Akt: 15.12.2017 13:11 Print

Hausdurchsuchung wegen fünf Ecstasy-Pillen

Thomas* (25) bestellte sich im Darknet Ecstasy. Doch statt des Postboten kam die Polizei mit Durchsuchungsbefehl und rund zehn Beamten vorbei.

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Bis vor wenigen Wochen hatte Thomas* noch nichts mit Drogen am Hut, sagt er – doch im Spätsommer entdeckte er psychoaktive Substanzen wie etwa LSD. Die Erfahrungen gefielen ihm und er wollte weiter experimentieren: «Also habe ich mir im Darknet fünf Ecstasy-Pillen aus den Niederlanden bestellt.»

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Die Tage vergingen, doch die Pillen landeten nicht im Briefkasten. Thomas kontaktierte den Dealer erneut und dieser schickte nochmals fünf Pillen – kostenlos. Doch anstelle des ersehnten Pakets trat die Polizei auf den Plan.

Kritik am Einsatz

«Fast zehn Polizisten standen plötzlich mit einem Durchsuchungsbefehl vor meiner Türe», sagt der 25-Jährige. Das Papier wurde wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ausgestellt.

Der Mann aus dem Schwarzenburgerland kritisiert das Grossaufgebot: «So viele Beamte, weil ich fünf Pillen bestellt habe, ist völlig übertrieben.» Er sei sehr kooperativ gewesen und habe den Beamten sofort alle Drogen überreicht, die er im Haus hatte – fünf Gramm Marihuana und fünf Gramm psychoaktive Pilze. Zwei Polizisten hätten seiner Ansicht nach längstens gereicht.

Polizeisprecher Christoph Gnägi erklärt: «Bei einer Hausdurchsuchung braucht es eine gewisse Anzahl Einsatzkräfte, um sämtliche Arbeiten zu erledigen. Zu zweit geht das nicht.» So müssten die Bewohner bewacht werden, während andere Beamte die Räume durchsuchten. Der Ablauf müsse auch auf Protokoll festgehalten werden. «Das Ganze soll auch möglichst rasch und effizient erledigt werden», so Gnägi.

Angstzustände und Dorfgeschnurr

Für Thomas war der Einsatz trotzdem «mit Kanonen auf Spatzen geschossen». Für ihn sei die ganze Razzia inklusive der anschliessenden Fahrt auf den Posten sehr nervenaufreibend gewesen. Er leide seit mehreren Jahren unter psychischen Problemen – das Erlebnis belaste ihn enorm. «Ich habe die ganze Zeit Angst zu Hause und zucke bei jedem Klingeln zusammen.»

Auch wenn er aus dem Haus gehe, fühle er sich nicht viel besser. Weil während der Durchsuchung mehrere Kasten- und Polizeiwagen vor dem Haus gestanden hätten, hätten alle im kleinen Dorf den Vorfall mitgekriegt. «Ich fühle mich scheisse. Im Dorf denken sicherlich alle, ich sei ein Schwerverbrecher», so Thomas. Doch das sei er keinesfalls. Der Besitz solcher Substanzen werde in der Schweiz ohnehin viel zu streng geahndet.

Er hoffe, dass bald Gras über die Sache wachse. Das Erlebnis sei ihm eine Lehre, aber: «Ich konsumiere äusserst selten und werde mir das nicht von der Polizei verbieten lassen.» Das nächste Mal werde er die Pillen einfach bei einem Schweizer Anbieter bestellen.

*Name geändert

(cho)