Gürbetal

02. März 2018 11:59; Akt: 02.03.2018 13:55 Print

Hier rutscht ein ganzer Wald ab

Im Gürbetal kommt eine Fläche von 90 Fussballfeldern ins Rutschen. Um das betroffene Waldstück zu retten, ergreifen die Behörden nun Massnahmen.

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Die Naturereignisse der letzten Monate haben im oberen Gürbetal ein übles Nachspiel: Nach den intensiven Regenfällen von Dezember und Januar sind bis zu 60 Hektaren Schutzwald ins Rutschen geraten. Das entspricht der Fläche von etwa 90 Fussballfeldern. Die Lage spitzt sich weiter zu: Die Gemeinden Wattenwil und Blumenstein haben einen Krisenstab gebildet und raten dringend davon ab, das Gebiet zu betreten.

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Das Gelände, die Bäume und Wege hätten sich um bis zu 15 Meter verschoben, teilten die beiden Gemeinden und der Regierungsstatthalter von Thun mit. Da das Gebiet weiterhin rutsche, könnten jederzeit Bäume umstürzen. Die Wanderwege sind gesperrt.

Auch ins Bachbett der Gürbe solle sich niemand begeben und das Naherholungsgebiet «Ausschütte» sei zu meiden. Die Sicherheit der Dörfer Wattenwil und Blumenstein sei aber nicht beeinträchtigt.

Schäden von bis zu 12 Millionen Franken

Im Januar dieses Jahres hatten die beiden Gemeinden sowie Förster Hinweise darauf erhalten, dass eine grössere Waldfläche am Oberlauf der Gürbe ins Rutschen geraten sei. Analysen zeigten nun auch, dass auch die Gewässerverbauungen auf einer Länge von rund 800 Metern beschädigt wurden.

Der Schaden an diesen Verbauungen wird auf 9 bis 12 Millionen Franken geschätzt. Genauere Untersuchungen und Massnahmen sind erst nach der Schneeschmelze voraussichtlich Ende Mai möglich.

Die beiden Gemeinden und der Regierungsstatthalter schreiben, trotz der Schäden gewährleisteten die Verbauungen nach wie vor den Schutz der Siedlungsgebiete. Die Geländeveränderungen würden weiter beobachtet.

Die Gürbe entwässert das Gantrischgebiet. Im Oberlauf überwindet das Flüsschen auf 6,5 Kilometern Länge eine Höhendifferenz von fast 1000 Höhenmetern. Nach dem Unwetter vom 29. Juli 1990, bei dem Schäden von rund 40 Millionen entstanden waren, wurden die Gürbe und ihre Nebenbäche mit fast 100 Verbauungen stabilisiert.

Aktuelle Rutschung schlimmer denn je

Wie der Website der betroffenen Seite zu entnehmen ist, stufen Geologen den Wald als «ein altbekanntes Rutschgebiet» ein: Schon 1951, 1987 und 1999 sei es dort zu Geländebewegungen gekommen.«Allerdings lag die Rutschfront bisher immer in gebührlichem Abstand zum Gürbegerinne.» Nach jeder früheren Rutschung seien jeweils bauliche Massnahmen ergriffen worden, worauf sich die Rutschungen beruhigten.

Die neue Rutschung sei im Vergleich zu früheren breiter, tangiere nun auch das Bett der Bürge und verlaufe vielerorts viel tiefer im Boden als früher. «Unter der Annahme einer mittleren Rutschmächtigkeit von durchschnittlich 8 Metern bedeutet dies, dass die gesamte sich in Bewegung befindende Rutschmasse rund 5 Millionen Kubikmeter beträgt.»

(miw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bierkönig am 02.03.2018 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur überlassen

    Warum wird das Gebiet nicht einfach der Natur überlassen und es wird nur im Notfall einegriffen? Lasst den Hang rutschen, dass ist der Lauf der Zeit. Der Bach wird sein Bachbett wiederfinden.

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  • i znark am 02.03.2018 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    ja weniger Menschen = Umweltschutz!?!?

    Ja mit immer alle diesen doch etwas grösseren Naturgewalten werden wir leben müssen, denn der Mensch macht das alles. Klimaschutz heisste weniger Menschen!! also überlegst euch bevor.... Ich musste das auch schon vor 40 Jahren....!?!?

  • Stefan am 02.03.2018 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    tja..

    Das Dorf ist nicht in Gefahr (somit auch keine Menschen), also lasst den Hang rutschen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Largo am 07.03.2018 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Forstwirtschaft

    Die Wurzeln von Nadelbäumen sind nicht so tief, auf den Bildern sieht man nur Nadelbäume. Bei einem Mischwald mit Laubbäumen wäre das höchstwahrscheinlich nicht passiert.

  • magowa am 04.03.2018 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spezialisten werden nicht gehört!

    Ich frage mich warum Spezialisten vor Ort, die die Situation und das Gebiet sehr gut kennen, nicht im Krisenstab sind und nicht gehört werden? Ungeheuerlich sowas!

  • ChriguBern am 04.03.2018 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    1.5 mal Bondo

    Nur so zur Information: Beim Bergsturz von Bondo am 23. August 2017 rutschten gemäss Wikipedia etwa 3 Millionen Kubikmeter Gestein ins Tal, über der Gürbe sind mehr als 5 Mio Kubikmeter in Bewegung. Also kein harmloser Rutsch, sondern ein Vielfaches von dem was vor dem heftigen Gürbe-Hochwasser 1990 für Verwüstung sorgte.

  • ein Wattenwiler am 04.03.2018 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schadenpotential

    Einfach die Natur "machen lassen" ist keine Option. Bei einem Hochwasser wie 1990, als die Gürbe soviel Wasser führte wie am Rheinfall bei Normalabfluss, reicht der Geschiebesammler (="Ausschütte") bei der Forstsäge mit einem Fassungsvermögen von bestenfalls einigen Zehntausend m3 bei weitem nicht bei einem geschätzten Volumen des Rutsches von 5 Mio m3. Das hätte Auswirkungen bis in die Stadt Bern, nicht nur für Wattenwil. Ich weiss nicht mehr, wie gross der Felssturz/Murgang von Bondo letztes Jahr war, aber die Auswirkungen/Schäden für das ganze Gürbetal dürften um ein vielfaches grösser sein

  • Claude am 03.03.2018 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch gegen Natur

    Es scheint ganz dramatisch zu sein. Wir müssen uns, als Menschen, immer wieder zusehen, dass die Natur stärker ist. Jetzt sind die Alarmglocken am Leuten. Also kann noch etwas unternommen werden. Was mich jedoch erstaunt, ist das besitzergreifende nichts Tun. Nach meiner Meinung haben wir gar nicht das Recht Besitzansprüche an die Natur zu richten, da wir allenfalls vorübergehende Pächter sind. Aber jedem das seine. Wer jetzt nicht abgeben kann, dem wird genommen.