Boltigen BE

14. März 2018 05:51; Akt: 14.03.2018 05:51 Print

Privater «Polizist» stellt eigenen Radar auf

Ein Rentner aus Boltigen BE stört sich an den Rasern auf der Hauptstrasse vor seinem Haus. Als das Engagement in einer Arbeitsgruppe scheiterte, griff er zu seinen eigenen Methoden.

Rentner Hans Matti (76) erklärt, was ihn an der Hauptstrasse vor seinem Haus stört. (Video: ber)
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Eigentlich wäre es eine 50er-Zone und doch brettern einige mit 120 km/h durch Reidenbach BE. Hans Matti (76) lebt schon sein ganzes Leben lang im Simmental, direkt an der Strasse. So engagierte er sich denn auch in einer Arbeitsgruppe, als es um die Sanierung der Kantonsstrasse ging. Letzten Dezember quittierte der Rentner nach sieben Jahren sein Ehrenamt. Der Grund: Keiner seiner über zehn Vorschläge, die Strasse sicherer zu machen, war umgesetzt worden.

Er forderte unter anderem Bremsschwellen und eine Umfahrungsstrasse. Beides abgelehnt. Bereits zu Beginn seines Engagements traute der pensionierte Landmaschinenhändler den von den Behörden erhobenen Zahlen bezüglich Geschwindigkeitsübertretungen nicht. So stellte der Rentner seinen eigenen Radarkasten auf. «Einen Blitzer aufstellen darf man privat nicht, einen Radar zur Messung der Geschwindigkeit aber sehr wohl», sagt Hans Matti, der sehr genau Bescheid zu wissen scheint und ruhig argumentiert. Einzig als er davon erzählt, wie ein Teil der Arbeitsgruppe das 50er-Schild statt vor dem Dorf im Dorf aufstellen wollte, wird sein Ton giftig: «Es geht darum, die Geschwindigkeit zu drosseln, und die wollen den Autofahrern noch Bremsweg wegnehmen», sagt er kopfschüttelnd.

«Vier Unfälle innert 30 Tagen»

Und die Erhebungen bestärkten Matti: Ungefähr 50 Prozent der wöchentlich 60'000 Autofahrer seien auf der Simmentalstrasse zu schnell unterwegs. Die Zahlen der Behörden liegen ungefähr bei 30 Prozent von 45'000 Lenkern. «Dies liegt aber daran, dass sie erst nach der Abzweigung auf den Jaunpass messen», ist Matti überzeugt. Die hohen Geschwindigkeiten wirken sich aus: «Anfang dieses Jahres hat es innert 30 Tagen vier Unfälle gegeben, unter anderem einen schweren.» Laut dem Geoportal des Bundes kam es auf der Kantonsstrasse zwischen Boltigen und Weissenbach zwischen 2011 und 2016 zu 17 teils schweren Unfällen.


Die Simmentalstrasse bei Boltigen BE sorgt nicht nur lokal für Gesprächsstoff.

«Das kurzfristig Machbare ist aber schon jetzt realisiert»

Etliche Briefe an die zuständige Regierungsrätin, den Kreisoberingenieur und die Gemeinde blieben erfolglos. Die Sicherheit auf der Kantonsstrasse im Simmental wurde in Mattis Augen nicht verbessert. Das stimme nicht, wehrt sich Gemeinderatspräsident Fred Stocker: «Dass die Gemeinde nichts verbessern wolle, dementiere ich energisch. Teils sind seine Forderungen aber unerfüllbar.» Sowohl Matti als auch Stocker bestätigen, dass zeitweise TCS-Smiley-Tafeln an der Strasse aufgestellt wurden, die dem Fahrer digital dessen Geschwindigkeit anzeigen. Jedoch sei Matti auch selbst schuld, das vor seinem Haus besonders schnell gefahren werde: «Solange Hans einen Radarkasten aufgestellt hat, ist es für Junglenker verlockend, dort schneller zu fahren als erlaubt.»

Der Oberländer Kreisoberingenieur Markus Wyss sagt: «Herrn Matti wurden sehr wohl Zugeständnisse gemacht, doch natürlich können wegen der unterschiedlichen Interessen, die in einer Arbeitsgruppe eingebracht werden, nicht alle restlos zufrieden sein.» Im Sommer werde das Sanierungsprojekt aufgelegt und das Baubewilligungsverfahren eingeleitet, sagt Wyss. «Das kurzfristig Machbare ist aber schon jetzt realisiert.»

Bis es aber soweit ist, werden wohl noch einige Autofahrer zu schnell durchs Simmental blochen. Auch Hans Matti, der dazu steht, die Geschwindigkeitsbegrenzung auch nicht immer penibel einzuhalten. «Aber 120 in der 50er-Zone, das ist einfach nur noch gefährlich.»

(ber)