Kleidervorschriften am Gymi

12. Juni 2018 11:21; Akt: 12.06.2018 11:56 Print

Jungpolitikerinnen finden es «nur noch peinlich»

Die einseitigen Kleidervorschriften am Gymnasium im Oberaargau stossen bei der Jungen SVP ebenso auf Kritik wie bei der Juso.

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Camille Lothe (JSVP ZH) hält nichts von Kleidervorschriften: «Gymischülerinnen wissen selber, wie sie sich anziehen sollen!» Tamara Funiciello (Juso) ist sich mit ihrer politischen Gegnerin einig: «Als wären Männer hormongesteuerte Monster, die sich bei drei Zentimetern nackter Haut nicht mehr beherrschen können!» Camille Lothe zeigt sich in sozialen Medien selber gerne freizügig. «Ich sehe mich nicht als Feministin», sagt die 24-Jährige. «Aber wir Frauen können selber entscheiden, was wir anziehen.» Für Selbstbestimmung setzt sich auch die Jungsozialistin Funiciello (links) ein. Mit der Verbrennung von BHs sorgte sie im März 2017 für Aufsehen. Dieses Merkblatt erhielten die Schülerinnen des Gymnasiums Oberaargau vor wenigen Tagen. An die Buben verschickte die Schulleitung keine Kleiderempfehlungen. Zum «eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber anderen» werden die Mädchen aufgefordert, bestimmte Aspekte bei der Kleiderwahl zu berücksichtigen. Pikant: Die Schulleitung hat die Grafik von einem deutschen Gymnasium kopiert, wie eine einfache Google-Suche zeigt. Diese sieht Regeln für beide Geschlechter vor. Den Teil für die Buben hat die Schulleitung jedoch herausgeschnitten. An den Wänden der Damen-WCs hängt eine Protestschrift mit der Botschaft: «Instead of shaming girls for their bodies, teach boys that girls are not sexual objects.» (Anstatt Mädchen wegen ihres Körpers anzuprangern/zu beschämen, solltet ihr den Jungs beibringen, dass Mädchen keine Sexobjekte sind.)

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Camille Lothe und Tamara Funiciello sind sich selten einig. Die Präsidentin der Jungen SVP Kanton Zürich und die Juso-Chefin stehen sich politisch als Gegnerinnen gegenüber.

Im Falle der Kleidervorschriften am Gymnasium Oberaargau sind die Reaktionen aber gleich: «Das ist nur noch peinlich», sagt Lothe (24), eine «Schande für die Gesellschaft», doppelt Funiciello (28) nach.

Genau gleichzeitig machten sie auf Twitter ihrem Unmut über die die Richtlinien der Schulleitung Luft, die den jungen Frauen züchtigere Kleidung empfiehlt.



Die junge SVP-Politikerin stört sich vor allem an der Begründung zum neuen Reglement: Mit ihrem Kleidungsstil würden die Schüler ohne Worte eine Aussage machen, schreibt die Schulleitung. «Das heisst also, Frauen, die sich freizügig kleiden, senden eine Einladung an Männer, sich respektlos zu verhalten.» Die Schulleitung degradiere so Mädchen und junge Frauen zum Objekt sexueller Begierde, sagt Lothe.

«Hormongesteuerte Monster»

Funiciello findet das auch eine Beleidung für die «Giele». «Das klingt so, als wären Männer hormongesteuerte Monster, die sich bei drei Zentimetern nackter Haut nicht mehr beherrschen können», sagt die Jungsozialistin. Für sie ist klar: «Wir sollen tragen können, was wir wollen, ohne dass wir angeglotzt oder betatscht werden!»

Beide Jungpolitikerinnen betonen die Eigenverantwortung der Schüler und Schülerinnen, was ihre Kleidung anbelangt. «Der Sinn des Gymnasiums ist ja gerade, junge Menschen zu mündigen Bürgern zu erziehen», sagt Funiciello.

Sind die beiden überrascht, dass sich rechts und links für einmal einig sind? In diesem Fall nicht, sagt die Zürcher JSVP-Präsidentin. Und die Juso-Chefin meint: «Sexismus erleben alle Frauen, unabhängig von ihrer politischen Einstellung.»

(hvw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elmar M am 12.06.2018 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh Mann

    Meine Güte regt euch noch mehr auf. Ist doch nichts verwerfliches an dieser Kleiderordnung. Ein Banker kann auch nicht in Badeschlarpen auftauchen oder ein Postbote ohne Postbekleidung. Was würden die Leute tun, wenn Schulkleidung eingeführt würde? Das wäre vielleicht sogar ganz gut. Etwas weniger Individualismus, Egozentrismus, Zurschaustellung.. dafür Gemeinschaftssinn. Das wär doch mal Schule..

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  • Batisa am 12.06.2018 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleider machen Leute

    Als vater einer tochter muss ich ehrlich sagen, ja ich mache meiner tochter vorschriften wie sie sich anzieht für die schule. meiner meinung ist schule nicht gleich zu setzen mit ausgang. da sollte man schon schauen wie man sich anzieht, das gilt aber auch für jungs.

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  • Lector262 am 12.06.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Und ich...

    finde Politiker nur noch peinlich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepia am 12.06.2018 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sexsistisch

    Zwar ist es ok zu sagen das Mädchen nicht zu viel zeigen in der Schule, denn es ist wirklich nicht der Ausgang, was ich völlg falsch finde ist das nur die Mädchen angesprochen werden. Ich finde das extrem sexsistisch und diskriminierend junger Frauen gegenüber. Ich finde KEINE Schule sollte einseitige Vorschriften machen, was Kleidung angeht. Vorallem auch die Aussage das die Kleidung der Grund für Vergewaltigungen sei stimmt nur bedingt! Viel korrekter wäre es jungen Männern zu zeigen das Frauen genauso wertvoll und Menschen sind.

  • Jacqueline W. am 12.06.2018 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, echt peinlich... Frauen! 

    Ich finde die Statements der JungPolitikerinnen peinlich.

  • Gegenseitig Peinlich am 12.06.2018 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Overlord

    Ich selber finde die Jungpolitiker schon lange nur peinlich!

  • Reto am 12.06.2018 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber nicht

    Hauptsache, die Funiciello läuft nicht bauchfrei oder mit Hot Pants rum.

  • leonie am 12.06.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cccc

    leider ist nicht alles so schön was wir da zu sehen bekommen vieles sollte wirklich mehr bedeckt sein