Umstritten

19. März 2014 15:53; Akt: 19.03.2014 15:53 Print

Kanton Bern verbietet das Fracking

Mehrere Parteien forderten im Grossen Rat, dass im Kanton kein Fracking betrieben werden darf. Diese Art der Erdgasgewinnung schädige die Umwelt. Das Verbot wurde angenommen.

storybild

In den USA wird das Fracking besonders zur Gewinnung von Erdöl eingesetzt. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Fracking-Verbot sorgte am Mittwoch im bernischen Grossen Rat für eine animierte Debatte. Die Grünen, die EVP und die SP forderten in einem gemeinsamen Vorstoss von der Regierung eine Gesetzesänderung, die Förderung von Erdgas mit der umstrittenen Methode im Kanton Bern verbietet. Er tut dies allerdings nicht sofort, sondern bei der nächsten Revision des sogenannten Bergregalgesetzes.

Der Kanton Bern setze auf erneuerbare Energien, gab Antonio Bauen von den Grünen zu bedenken. Investitionen in nicht erneuerbare Energien wären ein Rückfall – das müsse verhindert werden.Fracking gefährde die Umwelt und verschleisse Land, gab Martin Aeschlimann von der EVP zu bedenken. Niemand habe ein Interesse, dass solche Fördermethoden auch in der Schweiz praktiziert würden.

Chemikalien in Boden leiten

In den USA sei Fracking ein regelrechter Boom. «Wenn in Amerika ein Unfug im Schwang ist, dann kommt er meist ein paar Jahre später auch zu uns», konstatierte Andreas Hofmann von der SP. Dies gelte es beim Fracking zu verhindern, und zwar per Gesetz.

Fracking ist eine umstrittene Methode zur Förderung von Erdgas und Erdöl in tieferen und dichteren Gesteinsschichten. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepumpt, um die Bodenschätze an die Oberfläche zu transportieren.

Unnötiger Vorstoss für SVP und FDP

Die meisten Fraktionen stellten sich - zumindest mehrheitlich - hinter den Vorstoss. Die SVP äusserte Bedenken, mit der Motion ein Technologieverbot auszusprechen. Vielleicht gebe es ja eines Tages umweltverträglichere Methoden, sagte Willy Marti im Namen der Partei.

Der Vorstoss sei auch gar nicht nötig, weil die bestehende Gesetzgebung Fracking im Kanton Bern bereits heute verunmögliche, führte Marti aus.

In dieselbe Kerbe hieb auch Ruedi Sutter von der FDP. Er geisselte den Vorstoss als «Wahlkampfklamauk» und «Paranoia-Politik». Es brauche im Kanton Bern ja auch keine Gesetze, die das Auswildern von Elefanten verböten, polterte Sutter. «Wo bleibt denn das Vertrauen in unsere Umweltgesetzgebung?»

Für Regierung nicht dringlich

Die Regierung empfahl die Annahme des Vorstosses. Allerdings hält sie ein gesetzliches Verbot nicht für dringlich, da das geltende Recht schon sehr hohe Anforderungen stelle, betonte Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger im Parlament.

Es sei nicht nötig, das erst kürzlich revidierte Bergregalgesetz gleich wieder zu ändern. Das Fracking-Verbot könne bei einer nächsten Revision eingebracht werden. Fracking sei aber für den Kanton Bern in Zukunft keine Option. Die Schweiz sei nicht die USA: Die ökologischen Auswirkungen, die die Amerikaner in ihrem weitläufigen Land nun schmerzhaft feststellten, wären in der dicht besiedelten Schweiz noch wesentlich schlimmer.

Der Grosse Rat überwies den Vorstoss schliesslich mit 93 zu 47 Stimmen bei 8 Enthaltungen.

Grüne wollen weiter Unterschriften sammeln

Obwohl sich der bernische Grosse Rat nun also für ein Fracking-Verbot ausgesprochen hat, wollen die Grünen des Kantons Bern weiterhin Unterschriften für ihre im November lancierte Stopp-Fracking-Initiative sammeln. Das teilten sie am Mittwoch nach dem Grossratsentscheid mit.

Frankreich habe im Jahr 2011 das Fracking verboten. Doch wegen erteilter und nachträglich entzogener Bohrgenehmigungen drohten dort Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe. Deshalb brauche es ein rasches Fracking-Verbot im Kanton Bern.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 19.03.2014 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top entscheidung

    Beste entscheidung

    einklappen einklappen
  • Sini am 19.03.2014 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umstritten?

    An alle Befürworter des Fracking. Schaut euch mal ein paar Dokus oder holt euch die Infos im Internet was Fracking für gravierende Schäden anrichtet. Da bin ich als AKW Gegner für den sofortigen Bau weiterer AKW's sofern das Feacking unterbunden wird. Die Folgen für unsere Umwelt währen katastrophal und sofort spürbar.

  • Linksdenker am 19.03.2014 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig!

    Gute Entscheidung! Liebe SVP: Es ist KEIN Technologie-verbot! Es geht um unsere geliebte Schweiz, dass sie nicht so abgenützt wird. Lieber Augen öffnen, anstatt immer reden!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabian Kuster am 20.03.2014 01:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Fracking in der Schweiz und Welt!

    Diese Entscheidung ist absolut richtig! Fracking ist die grösste Gefahr für unsere Umwelt, vor allem indirekt: Werden damit z.B.in den USA alte Ölquellen reaktiviert, ist es für alternative Energien schwer bis unmöglich konkurrenzfähig zu werden. Technologie, Forschung und Gesetzgebung müssen unbedingt die "Nachhaltigen" fördern, und die "Fossilen" bremsen wenn wir wirklich einen Schritt in eine bessere Zukunft machen wollen.

  • David am 19.03.2014 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizweit!

    Wieso nur für Bern? Bitte schweizweit ! Ich verstehe solche Sachen nicht. Wie z.B. Thema Trinkwasserfluoridierung die 2003 auch nur in Basel abgeschafft wurde. Alle anderen Kantone machen seit 10Jahren friedlich damit weiter.

  • Oliver Krebs am 19.03.2014 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorrausdenken

    Eine sehr weise Entscheidung von Bern. Auch wenn kurzfristig ein paar Milliönchen verlorengehen , wenn wir das Fracking verbieten, so gewinnen wir doch langfristig. Indem wir auf unsere Umwelt schauen und in denn kommenden Jahrzehnten denn wichtigsten Rohstoff der Welt schützen, sauberes Trinkwasser, das ÖL der Zukunft.

  • Terri am 19.03.2014 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Landestweit

    So ein Gesetz braucht es Landesweit. Fracking verseucht sämtliches Grundwasser. Schaut euch die doku "Gasland" an. Ist wirklich wieder sehr dumm was die amis da angefangen haben.

  • stef am 19.03.2014 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Super! Aber..

    Warum wird das nicht gleich schweizweit verboten?!