No God No War?

30. November 2017 12:06; Akt: 30.11.2017 14:02 Print

Kunst-Weihnachtsbaum provoziert Passanten

von Mira Weingartner - Eine Interlakner Künstlerin hat einen provokanten Christbaum geschaffen: Er stellt die Frage: «Kein Gott, kein Krieg?» Bereits gabs Vandalenakte.

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Während der Adventszeit verwandelt sich die Stadt Interlaken in ein Winterwunderland: Auf der Höhenmatte wird geschlöfelt, an winterlich dekorierten Marktständen Glühwein ausgeschenkt; der Duft von Zimt und Manderinli liegt in der kalten Oberländer Bergluft. Doch heuer ziert nebst klassischen Weihnachtssternen und hölzernen Finnenkerzen auch ein neongrüner Stahl-Weihnachtsbaum mit der Leuchtaufschrift «No God No War?» das vorweihnächtliche Städtchen.

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Darf Weihnachts-Deko provozieren?

Seit Ende letzter Woche steht der eher atypische Christbaum mit grell leuchtenden Lettern inmitten der Touristen-Metropole. Auftraggeber für das Kunstobjekt ist «Winterzauber Interlaken», ein Dachverein von Interlaken Tourismus, Jungfrau World Events und dem Hotelierverein Interlaken. Sie haben die einheimische Künstlerin Barbara Kiener mit der Gestaltung des Tannen-Gerüsts beauftragt. Ob die Verbände nun aber mit der eigenwilligen Umsetzung der Künstlerin zufrieden sind?

«Wenn man Künstler beauftragt, dann muss man auch mit solchen Ideen rechnen», sagt Sprecherin Jrène Küng gegenüber 20 Minuten. Der Verein habe der Künstlerin die gestalterische Freiheit gelassen. «Die Kreationen dürfen zum Gedankenaustausch unter den Betrachtern anregen», meint Küng.

Betrachter vor den Kopf gestossen

Doch die Künstlerin Barbara Kiener weiss, dass ihr Werk provoziert – gerade an einem Tourismusort, wo die unterschiedlichsten Weltregionen vertreten sind. «Meine Auftraggeber waren schon etwas überrascht.» Man haben ihre kritische Kunst schliesslich aber akzeptiert.

Eigentlich gebe ihr die Skepsis aber zu denken: «Es ist eigentlich eine harmlose Frage, die man sich in der heutigen Zeit im Hinblick auf die aktuelle Weltsituation sehr wohl stellen darf», meint Kiener.

Kunst wurde über Nacht zerstört

Diese Ansicht teilt offensichtlich aber nicht jedermann: Bereits in einer der ersten Nächte wurde die Tanne zerstört und musste neu aufgebaut werden. Auch habe die Künstlerin schon diverse negative Rückmeldungen aus der Bevölkerung und gar von Bekannten erhalten. Doch damit könne sie leben. Sie hoffe nun einfach sehr, dass sie mit ihrer provokanten Kunst Diskussionen vom Zaun breche.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Gnostikofer am 30.11.2017 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Sehr gute Aktion. Ohne Religion wäre die Welt eine bessere und friedlichere. Religion legitimiert Kulturchauvinismus und ist damit die Grundlage für etliche Konflikte weltweit. Endlich mal politisch sinnvolle und mutige Kunst, bravo!

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  • Nicole Lüthi am 30.11.2017 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kompliment

    besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Kompliment an die Künstlerin!

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  • Maew am 30.11.2017 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ethik

    "Ich glaube, dass die einzig wahre Religion darin besteht, ein gutes Herz zu haben." "Ethik ist wichtiger als Religion" Zitate von Dalai Lama wie Recht er damit hat.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schneidewind am 01.12.2017 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee.

    Vielleicht gibt es einige die darüber nachdenken. Bei vielen Interlakner Touristen könnte das sicher nicht schaden!

  • Joe SH am 30.11.2017 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Barbara Kiener

    Jede Gemeinde müsste einen solchen Weihnachtsbaum aufstellen.

  • Koko Lores am 30.11.2017 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gott vs. Religion

    Ich denke, man kann an Gott glauben, ohne religiös zu sein. Religion ist das, was den Menschen darin einschränkt, wirklich frei zu sein. Und nein, ohne Religion gäbe es nicht weniger Kriege. Die Hirnlosen, welche sich jetzt als "streng Religiös" bezeichnen, würden andere Gründe finden, um Krieg zu führen. Es geht ihnen gar nicht um die Religion oder ihren Glauben als solche, sondern lediglich darum, als einzige die Wahrheit für sich zu reklamieren. Auch wenn sie vollkommen auf dem Holzweg sind. Und das würden sie weiterhin Diejenigen spüren lassen, die sich Angst einjagen lassen.

  • Proart am 30.11.2017 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst? Ja klar...

    Das soll Kunst sein? Unglaublich was sich heutzutage alles "Kunst" nennt!

  • Katholikin am 30.11.2017 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    @Tom - Bern

    Ich kenne viele Katholiken, die ihren eigenen Glauben durchaus mit Humor nehmen. Seit wann entschuldigt das Fehlverhalten Anderer das Eigene? Fertigen Sie mal ein paar Allah-Karikaturen und dann gehen sie damit mal zu einem dieser Lies!-Stände. Mal sehen, wie lange Sie da NICHT dafür abgestraft werden... Und das meine ich nicht gegen Muslime, das meine ich als Beispiel.