Bern

03. Februar 2015 06:15; Akt: 03.02.2015 08:51 Print

Kunstprojekt will Kinder an Fremde abgeben

von Albina Muhtari - Sein Kind für 48 Stunden in die Obhut wildfremder Leute geben: Was wie der Albtraum aller Eltern tönt, ist ein Experiment des Kunstprojekts Transform im Berner Bollwerk.

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Sollen hier in Kontakt treten: Kinder und fremde Erwachsene im Kulturprojekt «Fremdbetreuung». (Bild: mub)

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Ein ungewöhnliches Projekt startet am 6. Februar im Berner Bollwerk. Dort dürfen Eltern ihre Kinder im Alter zwischen einem und zwölf Jahren in die Obhut möglichst vieler, wildfremder Menschen geben. Ziel ist es, Kindern zu vermitteln, dass von Fremden nicht gleich Gefahr ausgeht.

Das Experiment findet im Rahmen des Kunstprojekts Transform statt, das von der Stadt Bern subventioniert wird. «Die Eltern können ihre Kinder während 48 Stunden jederzeit in unserem Atelier abgeben», erklärt Mitinitiantin Lian Stähelin. «Gleichzeitig können sich Fremde melden, die gerne Kontakt zu Kindern hätten.»

Fremde bekommen Kind per Nummer zugeteilt

Eine Kinderkrippe soll das Projekt jedoch nicht werden – ablaufen solle es «eher wie bei der SBB», sagt Stähelin. So würden die «Fremden» eine Nummer ziehen und müssten dann auf einer Bank sitzend auf «ihr» Kind warten. Wird ihnen ein Kind zugeteilt, könnten sie sich mit ihm beschäftigen.

Viele Hilfsmittel stehen den Teilnehmern dabei nicht zur Verfügung. «Es ist primär ein Raum, wo es um die Beziehung gegenüber einer fremden Person geht», sagt Mitinitiant San Keller. Ob ein Kind dann primär Geschichten hören, singen oder raufen wolle, würde man dann sehen. «Da der Raum ein grosses Schaufenster hat, läuft alles sehr transparent ab. Zudem sind wir drei Initanten stets vor Ort», fügt Stähelin hinzu. «Sollten wir eine Situation beobachten, die uns unangebracht erscheint, schreiten wir natürlich ein.»

«Wir hoffen, dass die negative Grundeinstellung, wonach der Fremde immer gefährlich ist, irgendwann verschwindet und die Kinder davon profitieren können», so Stählin. «Natürlich können Fremde gefährlich sein, doch die Gefahr sollte stets in einen realistischen Rahmen gesetzt werden.»

«Kinder verbringen die meiste Zeit im Kinderzimmer»

Dass Kinder im Vergleich zu früher stärker behütet werden, kann Urs Kiener, Jugendpsychologe der Pro Juventute, bestätigen: «Es ist nachgewiesen, dass Kinder heute die meiste Zeit in ihrem Kinderzimmer verbringen. Das hat tatsächlich etwas mit einem starken Sicherheitsbedürfnis der Eltern zu tun, andererseits aber auch damit, dass die Verfügbarkeit des öffentlichen Raums immer kleiner und stärker reglementiert wird.»

Im Kunstprojekt sieht Kiener eine Analogie an etwas, das früher ganz natürlich gewesen sei: «Früher war es selbstverständlich, Kinder in die Obhut von Jugendlichen zu geben, etwa von Jugendverbänden.»

Grösseres Misstrauen

Zudem würde das Projekt eine weitere Problematik ansprechen, die häufig an Schulen oder in Sportvereinen zu beobachten sei: «Die öffentliche Atmosphäre ist stark von Misstrauen geprägt», sagt Kiener. Dies sei vor allem bei Schul- und Sportpersonal ein Problem. «Heute darf man als Erwachsener einem Jugendlichen oder Kind des anderen Geschlechts beim Sportunterricht kaum helfen, ohne in Verdacht zu kommen, pädophil zu sein. Es ist heute bereits verdächtig, wenn ein Trainer vor dem Trampolin steht, um den Kindern zu helfen», so Kiener gegenüber 20 Minuten.

«Wir sind uns bewusst, dass das Projekt an die Grenzen der Realisierbarkeit stösst», sagt San Keller. «In unserem Projekt geht es darum, Eltern konkret mit solchen Grenzen zu konfrontieren. Ob sie sich darauf einlassen, ist eine andere Frage.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.M. am 03.02.2015 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goots no ?

    Gehts noch????? Einjährige Kinder wildfremden Leuten abgeben!!! Wer tut denn so was? Gesundes Misstrauen ist heute leider angebracht und das müssen unsere Kinder schon in jungen Jahren lernen.......und überhaupt wer fragt die Kinder ob sie Lust haben mit wildfremden Menschen zu spielen?

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  • Junge-Bürgerin am 03.02.2015 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na toll...!

    Super Idee! Man kann auch gleich noch den kleinen beibringen in fremde Autos einzusteigen...! Bin kein KESB-Fan, aber dies wäre doch deren Aufgabe solch eine Scheissidee zu beenden?!

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  • susi am 03.02.2015 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kinder sind keine Versuchsobijekte

    Dass gibt es doch schon! Was sind denn Krippen und Horts Angestellte, doch auch Fremde Personen!? Niemals würde ich meinem Kind sowas antun, weder in Fremde Hände noch in schmudeligen Krippen abschieben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ch. S. am 04.02.2015 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenvertrauen

    Ein sehr guterTest, um zu sehen, wie viel zwischenmenschliches Vertrauen in der schweizerischen heilen Welt überhaupt noch exisitiert!

  • Eliane am 04.02.2015 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grössere Kids ja/Kleinkinder nein

    Wenn meine 12-jährige Tochter -gut informiert und im Wissen um ein Experiment - an diesem Projekt teilnehmen möchte, darf sie das. Trotzdem ist es doch unerlässlich ein gesundes Misstrauen gegen Mitmenschen aufzubauen. Das gilt nicht nur für Fremde, ebenso für Verwandte, Nachbarn und Freunde. Das man der Grosstante auch mal sagen darf, nicht ständig geküsst werden zu müssen. So entsteht eine gesunde Einstellung für Nähe und Distanz im Privaten, wie in der Geschäftswelt. Nach dem Motto: Aufklären, wo nötig schützen, aber nicht überbehüten!

  • Ramses am 04.02.2015 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total unnötiges Kuns(?)projekt

    Denkt ihr wirklich mit diesem Projekt etwas zu bewirken? Startet besser ein Kunstprojekt für Eltern in Sachen "wie erziehe ich meine Kinder?" Tschüssi ihr komischen Künstler

  • Suseli am 04.02.2015 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst?

    Hallo, mögt ihr euch denn selbst gar nicht an eure eigene kindheit erinnern? Ich habe es verabscheut und gehasst von wildfremden grossis und müttern abgeknutscht zu werden. Einmal wurde es so schlimm und alle wollten mal, dass meine mutter den buggy mit einem tuch bedeckte. Nein danke, das möchte ich definitiv meinem Kind ersparen!

  • Aline Meier am 04.02.2015 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    "Ahnungslose" Kunstliebhaberin

    Was nicht alles unter Kunst läuft... Heisst man nicht alles gut, wird man als Kunstbanause verschrien oder kleinlicher Geizhals. Öffentliche Gelder werden hoffentlich nicht verbraucht, auch nicht zur Raummiete usw. Kinder brauchen so ein Projekt nicht, vielleicht gelangweilte Erwachsene? Sollen diese ihre Energie, Zeit, Geld doch besser nützlicher einsetzen. > Abfälle einsammeln, bei bestehenden Projekten zugunsten Benachteiligter mitmachen, Tierschutz, Naturschutz usw. Aber es muss nicht gleich unter Kunst laufen...