Schulreisli extrem

10. April 2018 05:47; Akt: 10.04.2018 08:41 Print

Lehrer plant mit Schülern 24-Stunden-Marsch

Normale Schulreisen sind für Lehrer Steve Knuchel langweilig. Er unternimmt mit seinen Schülern bis zu 80 Kilometer lange Touren.

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Blasen und Tränen gehören zur Tagesordnung, wenn Steve Knuchel mit seinen Schülern auf Schulreise geht. Nicht verwunderlich – selbst erprobte Infanterie-Truppen hätten laut Knuchel Respekt vor den Gewaltmärschen. Letztes Jahr ging es 60 Kilometer nach Biel, um dort Lasertag zu spielen. Diesen Sommer sollen es innerhalb von 24 Stunden 80 Kilometer zum Aquaparc in Le Bouveret VS werden (siehe Box).

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Um gegen die grassierende Bequemlichkeit der «Generation Smartphone» vorzugehen, begann der Lehrer aus Wiedlisbach BE, seine Schulreisen extremer zu gestalten: Monster-Märsche sollten die Kids an ihre Grenzen bringen. Trotzdem: Die Schüler lieben laut dem früheren Grenadier die Schulreisen. «Schon jetzt fragen mich die Schüler, wann es endlich wieder losgeht», sagt Knuchel.

Besserer Zusammenhalt

«Alle gelangen an ihre körperlichen und psychischen Grenzen, das verbindet», sagt der Pädagoge. Es sei immer schön zu sehen, dass man nicht allein leidet. Der Zusammenhalt in der Gruppe sei nach einer solchen Wanderung ungleich grösser als zuvor.

Zwar sei es während der Wanderung immer wieder möglich, auszusteigen, doch die wenigsten würden es machen. «Der Kopf lässt es den meisten nicht zu, dieses Erlebnis zu verpassen.» So legten auch schon Schüler mit offenen Wunden an den Füssen teilweise nochmals bis zu 40 Kilometer zurück, erklärt er.

Aussteigen ist aber bei der Nachtwanderung im kommenden Sommer nicht möglich: «Wir werden Sanitätsbahren dabei haben; wenn jemand nicht mehr weitermachen kann, kann er getragen werden», sagt Knuchel. Die Planung halte sich aber sonst in Grenzen. So werde er die Strecke im Vorfeld nicht rekognoszieren. Knuchel: «Ich bin doch nicht wahnsinnig und mache diese Wanderung zweimal.»

«Einverständniserklärung der Eltern notwendig»

Und was sagen Ärzte dazu? Gérald Gremion, Sportmediziner am Universitätsspital Lausanne, sagt: «Hätten Sie vor 40 Jahren gefragt, ob es leichtsinnig sei, solche Strecken mit Jungen zu absolvieren, hätte man Sie ausgelacht.» Heute jedoch seien sich die Jugendlichen solche Strapazen weniger gewohnt. Eine gute Vorbereitung sei deshalb unerlässlich.

Jeden könne man natürlich nicht auf eine 80-km-Wanderung mitnehmen, gibt Knuchel zu. «Im Vorfeld wird bei einer normalen Wanderung jeweils geschaut, wer das Tempo mithalten kann.» Und auch wenn jemand imstande wäre, eine solche Wanderung zu absolvieren, ist sie keineswegs Pflicht, betont er.

Der 39-jährige Lehrer erklärt: «Die Schüler entscheiden selbst, ob sie sich das antun wollen oder nicht. Zudem müssen die Eltern eine Einverständniserklärung unterschreiben.» Probleme mit besorgten Müttern und Vätern habe es bisher aber kaum gegeben. «Die grössten Bedenken hat einmal eine Mutter geäussert, als sie erfuhr, dass ihr Kind draussen übernachten musste.»

So seien in den letzten drei Jahren jeweils um die 20 Schüler aus allen Parallelklassen zusammengekommen, die das Abenteuer gewagt haben. Der Rest absolvierte eine normale Wanderung. Knuchel: «Jene, die bei einer XXL-Wanderung dabei waren, kommen im darauffolgenden Jahr wieder mit.»

(ber)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rudi am 10.04.2018 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab -

    Und zwar vor dem Lehrer der in der heutigen Zeit noch solche Verantwortung übernimmt. Und Respekt vor den Schülern die das probieren. Es ist eine tolle Erfahrung, das wissen Alle die schon mal einen solchen Matsch absolviert haben.

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  • Sara G. am 10.04.2018 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Ich finde es eine tolle Sache. Die Eltern müssen halt einfach ihre Kids gut vorbereiten. Sonnencreme, Wasser Kopfbedeckung usw. Meine Jungs dürften auf alle Fälle mit wandern.

  • Es Mami am 10.04.2018 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Seetal - Venedig mit Bike

    Die Sportklasse (9. Schuljahr) meines Kindes fährt mit dem Velo vom Seetal nach Venedig. Mein Kind freut sich riesig und ich habe volles Vertrauen in die Lehrpersonen. Auch mein Kind freut sich auf die Herausforderung und die bevorstehenden schönen Erlebnisse. Finde es toll, dass es noch Lehrer gibt, die eine solche Verantwortung übernehmen - danke.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • John Doe am 10.04.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ich durfte auch mal 100km laufen in der

    Aspirantenschule 1964! Meine Ferse sah nach 20km so aus, wie auf Bild1. Ich wurde dann kurz behandelt und ging biz zum Ende. Wir brauchten 11 Stunden. Damals haben wir auch gelitten, aber bis heute habe ich es niemals vergessen.

  • Ally am 10.04.2018 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will auch!

    Ich bin selbst noch in der Schule und finde es echt eine geniale Idee! Und das normale Schulreisen langweilig sind, hat der Lehrer recht. Also ich wäre auch gleich dabei!!!

  • böbbl am 10.04.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    ..ja sooo spannend ..ohh man

    ja Wandern ist ja soo eine tolle Sache. Überhaupt nicht langweilig so da zu Fuss durch die Gegend laufen . Doch doch, ist echt ne tolle Erfahrung so mit vollbepacktem Rucksack. Auf einer Landstrasse so über Land zu laufen. Schon echt spannend, Wiesen, Blumen und Bäume zu begucken und Bienen und Fliegen. Man sieht auch Kühe. Und dann ein Feuer machen und die Würste darüber halten als würden sie frieren. Und dann etwas aus der Flasche trinken. Ja ja so eine Wanderung macht einen härter und man lernt seine Grenzen kennen. Ist ja soo wichtig, die Grenzen zu kennen. Hmmm...

  • Hobbysportler am 10.04.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildlich

    Das ist sicher besser und gesünder, als stundenlang vor dem Handy zu sitzen.

  • Kurt Zobrist am 10.04.2018 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Steve Knuchel

    Coole Initiative des Lehrers. Für unsere Tochter, die diese XXL Wanderung mitmacht und letztes Jahr bereits mit dabei war, eine eindrückliche Erfahrung, welche das Selbstbewusstsein aller Teilnehmenden stärkt. (Schule fürs Leben