Milben und Fadenwürmer

08. Januar 2018 18:25; Akt: 08.01.2018 18:42 Print

Berner identifizieren mysteriöse Wald-Leiche

«CSI» in Bern: Forscherteams untersuchten an der Uni menschliche Überreste, die im Wald lagen. Sie konnten die Leiche identifizieren und den Fall teilweise lösen.

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Frau Dr. Sandra Loesch des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Bern. (Bild: Uni Bern)

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In einem Schweizer Wald fand ein Spaziergänger kürzlich Überreste eines menschlichen Körpers. Daraufhin wurden neben Polizei und Staatsanwaltschaft verschiedene internationale Forscherteams für Untersuchungen eingeschaltet. Diesen gelang es nun, mit Hilfe der sogenannten Milbenanalyse festzustellen, wie lange der verweste Körper bereits am Fundort lag. Beteiligt war auch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern (IRM).

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Leiche lag über zwei Jahre im Wald

Ein Spaziergänger hatte die Leichenteile zufällig im Wald entdeckt. Neben teilverbrannten Knochen wurden wenig Haare und ein paar Schmuckstücke gefunden, erklärt Sandra Lösch vom IRM. Schliesslich ermöglichten es die Analyse des Skeletts und ein DNA-Abgleich sogar, das Opfer eindeutig zu identifizieren. Bei den Überresten handelt es sich um Knochenteile eines jungen Mannes, der 22 Monate vor der Entdeckung zum letzen Mal lebend gesehen wurde. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus

Zum Zeitpunkt des Fundes war die Leiche bereits vollständig verwest. «Deshalb war rasch klar, dass es sich um menschliche Überreste handelt, die schon einen gewissen Zeitraum im Wald gelegen haben mussten», sagt Sandra Lösch.

Methode an Schweinekadavern angewendet

Mit der sogenannten Milbenanalyse konnten die Spezialisten anhand von Knochen und Haaren sowie Bodenchemie und Mikro-Organismen den Zeitraum ab dem Todeszeitpunkt dann auf rund zwei Jahre bestimmt werden. «Wir haben diese Methode entwickelt, indem wir die Verwesungsprozesse von im Wald liegenden Schweinekadavern untersucht haben», sagt Professor Edward Mitchell, Direktor des Biodiversitätslabors der Universität Neuenburg. «Es war für uns nun die erste Gelegenheit, unsere Forschungen in der Praxis anzuwenden.» Aus der Analyse ging auch hervor, dass der Körper zunächst in einer abgedichteten Umgebung gelagert worden war – er muss also in den Wald gebracht worden sein.

Zum ersten Mal wurden bei der Untersuchung eines mutmasslichen Verbrechens zusätzlich Analysen von Fadenwürmern und die Vielfalt der im Boden lebenden Pilze herbeigezogen. Die Organismen werden mit verschiedenen Stadien der Zersetzung eines Leichnams assoziiert und können somit Hinweise auf den Todeszeitpunkt liefern.

Todesursache nicht mehr feststellbar

«Die Tatsache, dass mehrere Methoden übereinstimmende Ergebnisse im Hinblick auf das Alter des Leichnams ergeben haben, bestärkt uns in unseren Schlussfolgerungen und wird durch Zeugenaussagen noch unterstützt», so Mitchell. Die Todesursache sicher zu bestimmen, war allerdings nicht mehr möglich.

(nla)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • interessant am 08.01.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    vor 22 Monaten zuletzt lebendig gesehen und seit mehr als 2 Jahren tot im Wald?

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  • SD1980 am 08.01.2018 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teilweise gelöst?

    Spannender Artikel, aber wenn der Fall teilweise gelöst wäre, müsste dann nicht auch ein Tatverdächtiger vorhanden sein? Mit der Identifikation des Opfers und Bestimmung des Todeszeitpunkts ist der Fall noch lange nicht gelöst

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  • Alexander Lörtscher am 08.01.2018 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Love Myri.

    UniBe Gute arbeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 09.01.2018 05:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So schwierig ...

    Ist es so schwierig in dieser Gegeng einen vermissten 22 ig jährigen zu eruieren? Wird nicht viele vermisste geben .....

  • Aebi Reto am 09.01.2018 02:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso

    Wieso so lange unentdeckt?? Hatte er keine Angehörigen??

  • Jamesbond am 08.01.2018 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Positive Sicht

    Sind wir dich einfach stolz über diese Leistung und der Möglichkeit zur Aufklärung des Falls.

    • Primarlehrerin am 09.01.2018 00:22 Report Diesen Beitrag melden

      Das "Sind wir!" tut mir weh in den Ohren

      Ich meines es nicht böse, aber wenn wir andere zu einem bestimmten Handeln oder Denken veranlassen wollen, beginnt der Satz mit "Seien wir..." und nicht mit "Sind wir".

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  • Metzger am 08.01.2018 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cavalli/Flint

    Cavalli und Flint können nun übernehmen und den Täter dingfest machen!

  • Schmittener am 08.01.2018 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wisst Ihr noch, was im letzten Bericht stand?

    IRM, sie haben zum Glück nicht nur CSI geschaut. Aber das Beherrschen des Grundrechnens vom Verfasser des Artikel wäre wünschenswert oder? Was meint Ihr?