Berner Galerie

01. Dezember 2014 06:12; Akt: 01.12.2014 13:29 Print

Meisterfälscher zeigt Matisse und Picasso

von Albina Muhtari - Werke von Matisse, Beckmann und Picasso hängen in der Galerie Christine Brügger – gemalt von Wolfgang Beltracchi. Per Skype gab der Meisterfälscher aus der Haft Auskunft.

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Wolfgang Beltracchi wirkt gelassen, scherzt mit den Besuchern. Per Skype-Übertragung ist der in Vollzugshaft sitzende Meisterfälscher in der Galerie Christine Brügger zugeschaltet und beantwortet Fragen des Publikums. «Werden Sie jemals aufdecken, welche Werke grosser Meister tatsächlich von Ihnen sind?», möchte ein Herr in schwarzer Jacke wissen. Beltracchi zögert. «Das kann ich nicht machen», sagt er dann. «Diejenigen, die es nicht wissen, wären geschädigt. Wenn mich allerdings jemand fragt, ob ein Werk nicht tatsächlich von mir ist, gebe ich ehrliche Antwort», fügt er hinzu.

Nach der Fragerunde verabschiedet sich der Künstler dann. Schliesslich wolle er noch etwas essen, bevor er um 17 Uhr wieder ins Gefängnis müsse. Zur Demonstration hält Beltracchi ein Laufgitter aus Holz in die Kamera. Das Publikum lacht. «Er ist einfach ein Lebenskünstler», flüstert eine Besucherin.

«Endlich steht die Kunst im Vordergrund»

Zur Eröffnung der Vernissage ist auch Beltracchis Ehefrau Helene aus Deutschland angereist. Mit ihrer Unterstützung malte der Meisterfälscher jahrzehntelang Bilder, die er als verschollene oder unbekannte Werke grosser Meister verkaufte – darunter etwa Picasso, Matisse oder van Dongen. 2008 wurden die Beltracchis überführt – Helene erhielt vier Jahre Haft im offenen Vollzug, Wolfgang Beltracchi sechs. Mittlerweile hat die Frau mit den langen, blonden Haaren ihre Strafe abgesessen und freut sich über die Ausstellung: «Es ist schön, dass Christine Brügger uns die Gelegenheit gab, die Werke meines Mannes hier zu zeigen. Bisher stand das Verbrechen im Zentrum, nun steht endlich die Kunst im Vordergrund.»

Trotzdem wird das Paar wohl nie gänzlich mit der Vergangenheit abschliessen können. Ihre Erfahrungen im Gefängnis haben sie in Form von Briefen in einem Buch veröffentlicht. «Das kann man sich als Aussenstehender gar nicht vorstellen», sagt Helene Beltracchi. «Mein Mann und ich waren früher jeden Tag 24 Stunden zusammen. Im Gefängnis kamen wir schliesslich in getrennte Zellen und durften uns erst nach vier Monaten zum ersten Mal sehen. Irgendwie mussten wir allerdings kommunizieren und haben dies in Form von Briefen gemacht. Die haben wir in einem Buch veröffentlicht.»

Fälschung ja, Kopie nein

Anfang des nächsten Jahres darf auch Wolfgang Beltracchi das Gefängnis verlassen. Seine Werke wurden seit seiner Inhaftierung im Jahr 2008 gestern zum ersten Mal in einer Galerie ausgestellt. «Ich habe einen Film über Beltracchi gesehen und er hat mich sehr inspiriert. Deshalb habe ich ihn angerufen und gefragt, ob er seine Werke nicht bei mir ausstellen wolle», sagt Galeristin Christine Brügger. Dass der Meisterfälscher im Gefängnis sitzt, sieht sie nicht als Hindernis: «Beltracchi ist für seine Vergangenheit im Gefängnis und hat seine Strafe bald abgebüsst.»

Ausserdem sei es wichtig zu betonen, dass Beltracchi die Bilder zwar als die Werke anderer verkauft, diese jedoch nicht kopiert habe. «Es sind Bilder, die in ihrer Handschrift jemandem nachempfunden wurden, jedoch keine Kopien sind. Diese Gemälde hat es so noch nicht gegeben. Deshalb sind sie aus einer künstlerischen Perspektive aus betrachtet sehr interessant.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nobody am 01.12.2014 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Cooler Künstler

    Der ist einfach nur Cool. Zum einen ist er sicherlich top Talentiert und diese Ausstellung hat er mehr als verdient. Anderseits zeigt er mit seinem Schaffen auf, wie pervers die Kunstszene den prominenten Namen hinterher rennt und die eigentliche Kunst vergisst. Das gefällt mir. So sieht es zumindest von meiner "Kunstbanausenperspektive" her aus.

  • Max T. Krüger am 01.12.2014 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MALTALENT

    Es ist ja sehr schade, dass der Fälscher von bedeutenden Gemälden seine Fähigkeiten nicht anderweitig nutzbringend einzusetzen weiss! Immerhin setzt es schon ein erhebliches Maltalent voraus, ein Bild so zu fälschen, dass dies erst anhand einer chemischen Analyse festzustellen ist.

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  • Patrick Matter am 01.12.2014 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hat zuviele Egos angekratzt

    Ich finde es lustig. Und ich vermuthe das viele dieser Menschen die das Geld haben um solche Preise für ein Bild zu bezahlen wohl eher inden Knast gehören als er der ja nur nicht warten wollte bis zu seinemn Tod das die Bilder als Kunst anerkannt warden und er Geld verdient.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Formantor am 01.12.2014 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Effekthascherei-soap?

    Nur schade, dass offener Vollzug und gelbgefärbte Stangen vor dem Gesicht eher als "gekünstelte effekthascherei" wirkt.

    • Sue am 01.12.2014 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stangen ?

      Immerhin, er ist tatsächlich ein Talent ! Sind sie etwa neidisch "Formantor" ?

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  • Neil caffrey am 01.12.2014 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    White Collar

    Der Schweizer Neil Caffrey ;)

  • Patrick Matter am 01.12.2014 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hat zuviele Egos angekratzt

    Ich finde es lustig. Und ich vermuthe das viele dieser Menschen die das Geld haben um solche Preise für ein Bild zu bezahlen wohl eher inden Knast gehören als er der ja nur nicht warten wollte bis zu seinemn Tod das die Bilder als Kunst anerkannt warden und er Geld verdient.

    • Kunsthändler am 01.12.2014 10:27 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht

      Damit er als Künstler anerkannt werden kann, braucht er seinen eigenen unverkennbaren Stil. Sonst wie will man denn erkennen könenn, das ein Gemälde von ihm ist? Was nützt mir ein Ferrari-Nachbau wenn das Auto nicht von Ferrari ist sondern irgendwo aus China, wenn auch fast perfekt nachgebaut? Es stimmt, dass er keine Kopien macht sondern Fälschungen, aber er muss sich nochmals eine Stufe weiterentwickeln und zum selbstständigen Künstler werden. Dafür braucht es Originalität.

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  • Nobody am 01.12.2014 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Cooler Künstler

    Der ist einfach nur Cool. Zum einen ist er sicherlich top Talentiert und diese Ausstellung hat er mehr als verdient. Anderseits zeigt er mit seinem Schaffen auf, wie pervers die Kunstszene den prominenten Namen hinterher rennt und die eigentliche Kunst vergisst. Das gefällt mir. So sieht es zumindest von meiner "Kunstbanausenperspektive" her aus.

  • Max T. Krüger am 01.12.2014 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MALTALENT

    Es ist ja sehr schade, dass der Fälscher von bedeutenden Gemälden seine Fähigkeiten nicht anderweitig nutzbringend einzusetzen weiss! Immerhin setzt es schon ein erhebliches Maltalent voraus, ein Bild so zu fälschen, dass dies erst anhand einer chemischen Analyse festzustellen ist.

    • Sarkas Mus am 01.12.2014 07:08 Report Diesen Beitrag melden

      Qualitätsbeweis

      Er ist ein echter Künstler und lebt nun hinter Gittern auf Staatskosten. Das unterscheidet und veredelt seine Leistung gegenüber all den Möchtegern-Künstlern, die nur auf Staatskosten leben.

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