Kanton Frbourg

14. Februar 2018 05:39; Akt: 14.02.2018 05:39 Print

«Puff-Charta» soll Prostituierte schützen

Der Kanton Freiburg führt ab sofort eine Ethik-Charta in Bordellen ein. So darf etwa nur noch Safer Sex praktiziert werden, zu Alkohol zu animieren ist tabu. Eine Puff-Mitarbeiterin übt Kritik.

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Auf Empfehlung des Bundesrats setzt Freiburg als erster Kanton eine Ethik-Charta in Bordellen um. Ab sofort darf etwa nur noch geschützter Sex praktiziert werden, Prostituierte sollen nicht zum Alkoholkonsum animiert werden. Auch Zwang wird in keiner Weise toleriert, dafür wird Respekt gefordert.

Doch schon kurz nach der Einführung regt sich Kritik an der «Puff-Charta». Madame Nadia vom Night Club Revolver in Flamatt moniert: «Das meiste davon ist weder kontrollier- noch umsetzbar.»

Die Behörden verfolgen mit der Charta das Ziel, präventiv zu wirken und Menschenrechte zu schützen. Alles gut und recht, findet Mitarbeiterin Madame Nadia, aber dafür brauche es keine Charta. «Ich bin auch dafür, nur Safer Sex zu haben, aber das kann man schlecht kontrollieren. Wenn eine Frau von hinten penetriert wird und der Mann das Kondom abstreift, ist man machtlos.» Ein staatlicher Zwang bringe gar nichts, ist sie überzeugt. Wenn eine Prostituierte ungeschützten Sex akzeptiere, könne man ihr das nicht verbieten.

«Kunden mit Drogenproblem unerwünscht»

Auch dass kein Anreiz zum Alkoholkonsum stattfinden darf, findet sie übertrieben: «Wenn ein Kunde einer Prostituierten ein Getränk spendiert, soll sie trinken können was sie will.» Madame Nadia stellt sich aber klar gegen illegale Drogen: «Im Night Club Revolver gibt es keine Frauen mit Drogenproblem und auch Kunden mit einem solchen sind unerwünscht.»

Mit der Charta an sich ist sie zwar einverstanden, stellt sich aber gegen staatliche Eingriffe: «Ein Bordellbesitzer muss diverse Bewilligungen einholen und hängt sofort, wenn etwas schief läuft. Heute müssen wir sauberer sein als der Papst», empört sich Nadia, die seit 20 Jahren in der Szene arbeitet. Dabei sei Prostitution eine ganz normale Arbeit, nur mit grösseren Risiken. Zudem ist Nadia der Überzeugung, dass Prostitution einen Anstieg der Vergewaltigungs-Zahl verhindere.

«Nur 20 Prozent werden gezwungen»

Auch für den Charta-Punkt «keinerlei Formen von Zwang werden toleriert» hat Madame Nadia nur ein müdes Lächeln übrig: «Alle Welt denkt, dass jede Prostituierte dazu gezwungen wird, mit Männern Sex zu haben, das ist aber nur in etwa 20 Prozent der Fälle wahr.» Und in ihrem Etablissement überhaupt nicht.

Obwohl die Mitarbeiterin des Night Club Revolver die Ethik-Charta nicht aufhängen möchte, ist sie bereit, die wichtigsten Regeln davon auf einen gut einsehbaren Spiegel zu schreiben. Mehr Handlungsbedarf bestehe nicht.

(ber)