In Bern angezeigt

30. Mai 2018 13:25; Akt: 30.05.2018 14:57 Print

Pädophiler drei Monate nach Freilassung rückfällig

Ein heute 57-jähriger Mann kam nach elfjähriger Therapie frei. Nach drei Monaten hatte er schon wieder viele Kinderpornos auf seinem PC. Zudem suchte er in der Badi nach Opfern.

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Die Berner Vollzugsbehörden wollten den Pädophilen nicht freilassen, mussten dies aber wegen eines Gerichtsentscheids tun. Nun sitzt der Mann, der sofort wieder rückfällig wurde, in Basel in U-Haft. (Bild: basel.com)

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Ein heute 57-jähriger Pädophiler wurde im Mai 2017 bedingt aus der Haft entlassen. Er hatte eine elfjährige Therapie hinter sich – doch diese hatte offenbar wenig gefruchtet: Nur drei Monate später wurde erneut ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Er sitzt schon wieder in Untersuchungshaft, zur Zeit in Basel wie die «Berner Zeitung» berichtet.

Der Bewährungs- und Vollzugsdienst des Kantons Bern zeigte ihn kurz nach seiner Entlassung wegen Verdachts auf Kinderpornografie an. Es folgte eine Hausdurchsuchung. Dabei zeigte sich, dass der Mann schon wieder im Besitz von hunderten von Kinderpornos war. Zudem soll er in einem Schwimmbad den Kontakt mit Kindern gesucht und möglicherweise auch gefunden haben. Auch in Pädophilen-Chats, wo entsprechendes Bildmaterial ausgetauscht wird, war er aktiv.

Notorischer Wiederholungstäter

Wie die «Berner Zeitung» berichtete, war der 57-Jährige bereits 1997 wegen sexuellen Handlungen mit Kindern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. 2008 sprach schliesslich das Obergericht des Kantons Bern wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern und mehrfacher sexueller Nötigung eine Freiheitsstrafe von 35 Monaten gegen ihn aus.

Das Gericht ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme beziehungsweise eine kleine Verwahrung an. Die Therapie wurde mehrmals verlängert, sodass er elf Jahre hinter Gittern blieb. Wäre es nach dem Willen der Vollzugsbehörden gegangen, wäre er auch nach diesen vielen Jahren noch nicht freigekommen, doch das Regionalgericht verfügte seine Freilassung.

Erhielt der Täter falsche oder keine Therapie?

Hat das Gericht also die Gefährdung von Kindern in Kauf genommen? Im «Bund» kritisiert Strafrechtsprofessor Jonas Weber von der Uni Bern auch den Massnahmenvollzug. Auch der Anwalt des Pädophilen gab an, dass der Beschuldigte teils falsch und teils gar nicht therapiert worden sei und eine Zeitlang in einem normalen Gefängnis ohne Therapiemöglichkeit sass.

Der Gerichtsprozess zu den neuen Schandtaten des Mannes dauert noch bis Freitag. Bei einem Schuldspruch droht ihm nun eine Verwahrung.

(ct)