Berner Missbrauchsprozess

21. März 2014 14:39; Akt: 21.03.2014 16:39 Print

Pädophiler Betreuer wird nicht verwahrt

von Nora Camenisch - Im Berner Missbrauchsprozess ist der pädophile Betreuer zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und einer stationären Massnahme verurteilt worden.

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Erhielt am Freitag sein Urteil: Der Pädophile H.S. (Bild: Keystone)

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Das mit Spannung erwartete Urteil gegen den 57-jährigen Betreuer H.S. ist gefällt: Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilt den Angeklagten unter anderem wegen Schändung und sexueller Handlungen mit Kindern, Abhängigen und Anstaltszöglingen zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren – aufgeschoben zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme. Von einer Verwahrung sah das Gericht ab.

Die Einzelfälle befänden sich im oberen, aber nicht im obersten Bereich des Strafrahmens, da dem Angeklagten kein Beischlaf mit den Opfern nachgewiesen werden konnte, so Gerichtspräsident Urs Herren. Dennoch attestiert ihm das Gericht eine hohe kriminelle Energie aufgrund der grossen Anzahl Übergriffe. Die Voraussetzungen für eine Verwahrung sah das Gericht als nicht gegeben an. So widerlich die Verbrechen auch seien, H.S. habe Anspruch auf ein faires Verfahren und müsse die Chance erhalten, sich in einer Massnahme zu beweisen. H.S. nahm das Urteil fast regungslos zur Kenntnis, bei anwesenden Angehörigen flossen Tränen.

Berufung noch offen

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren und eine Verwahrung gefordert. Die Verteidigung plädierte für maximal zehn Jahre Haft, welche zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden sollen. Staatsanwältin Erika Marti konnte nach der Urteilsverkündung noch nicht sagen, ob sie das Urteil weiterziehen wird: «Ich werde mir in den nächsten Tagen Gedanken machen.» Auch H.S. amtlicher Verteidiger John Wyss wusste noch nicht, ob sein Mandant das Urteil akzeptieren werde, «ich gehe jedoch davon aus.»

Rund 100 Opfer

H.S. befindet sich bereits seit 2011 im vorzeitigen Massnahmenvollzug, nachdem er 2010 in einem Heim in Zofingen aufgeflogen war. Seine Taten wiegen schwer: Während 29 Jahren missbrauchte der Betreuer über 100 Buben und Mädchen. Der Grossteil der Delikte ist jedoch bereits verjährt, S. musste sich deshalb noch in 33 Fällen verantworten. Er missbrauchte die teils wehrlosen Kinder und Jugendlichen unter anderem bei der Intimpflege oder legte sich nackt zu ihnen ins Bett, wo er sie zu Oral- und Analverkehr zwang. 15 von S. gedrehte Videos zeigen zudem, wie sich die meist männlichen Opfer trotz ihrer Einschränkungen zur Wehr zu setzen versuchten.

Der 57-Jährige sagte diese Woche vor Gericht aus, dass ihm die Schwere seiner Taten erst durch die Anklageschrift bewusst geworden sei: «Es hat mich betroffen gemacht.» Seine pädophilen Triebe seien jedoch stärker gewesen als das schlechte Gewissen. Im Prozess zeigte sich auch der Beginn seiner Taten. S. erzählte, dass er den ersten Missbrauch im Alter von 15 Jahren an seinem kleinen Bruder begangen habe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sethless am 21.03.2014 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Empörend

    Ein Hohn und Schlag ins Gesicht aller Opfer!

    einklappen einklappen
  • Ohje am 21.03.2014 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verständniss

    Wenn so einer nicht verwahrt wird, wer dann?

  • Hans Häusler am 21.03.2014 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missachtung des schweizervolkes

    Wie kann das sein! Für was haben wir abgestummen das solche personen verwart werden müssen??

Die neusten Leser-Kommentare

  • Morgan Schwab am 22.03.2014 01:24 Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Urteil ist unfassbar !

    Wie bitte ? Keine Verwahrung ? Das ist etwas, was ich absolut nicht verstehe. Bei all diesen Taten.. unfassbar. Ich wüsste nicht, was ich machen würde, aber eine Bestie wie diese.. was ich denke... Gefängnis ist definitiv zu mild. Bei solchen Taten sollte der lebenslang nie mehr aus dem Gefängnis kommen. Schlüssel wegwerfen, und das wars. Und zwar für immer. Dass die Opfer nur "behindert" waren.. Hey, das sind Kinder ! Und sie leiden nicht weniger als nichtbehinderte !!! Wie kann man nur so urteilen ? Die Opfer haben es lebenslang ! Das ist nicht nach 15 Jahren vorbei, sondern tief eingebrannt

  • Pesche Müller am 21.03.2014 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    No way!

    Wofür haben wir das Gesetz eigentlich? Was muss man tun, um verwahrt zu werden? Unglaublich diese Kuscheljustiz!

  • Nicki am 21.03.2014 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Die behinderten Opfer waren wehrlos und

    mussten ES über sich ergehen lassen. Sie hätten gewimmert und geweint, während den Vergewaltigungen. - Diese Schilderungen gehen mir nicht so schnell aus dem Kopf....

  • Anna am 21.03.2014 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteh einer die Justiz

    Hallo Richter Reichen denn all diese Opfer nicht? Dass dieser (was auch immer er sein mag) nie mehr für Kinder eine Gefahr ist!

  • Alain am 21.03.2014 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Nachfahren werden diese Zeit

    nicht begreifen können, als man die Opfer links hat liegen lassen. Sogar das Wort "Opfer" ist gesellschaftlich zum Schimpfwort verkommen. Unser Rechtsverständnis scheint zu einem oberflächlichen, intellektuellen Wettbewerb zwischen Rechtsgelehrten verkommen zu sein.