«Nicht rassistisch gemeint»

12. September 2014 13:18; Akt: 17.09.2014 11:02 Print

Polizeidirektor nennt Flüchtlinge «Negerbubli»

Der Berner FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser hat Asylsuchende bei einem Anlass als «Negerbubli» bezeichnet. Er verteidigt seine Wortwahl.

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Im neuen Durchgangszentrum für Asylbewerber in Burgdorf fand am Donnerstag ein Anlass statt, bei dem Anwohner die Anlage besichtigen konnten. Vor Ort war auch Hans-Jürg Käser, Berner FDP-Regierungsrat und Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren. In seiner Rede sagte er er laut dem «Bund» unter anderem: «Europa ist das Paradies, die Schweiz das Schlaraffenland. Das wissen nicht nur wir, sondern auch die Negerbubli.»

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Käser: «Ich habe nichts gegen Schwarze»

Auf Twitter sorgt die Verwendung des Worts «Negerbubli» für Empörung. Käser verteidigt sich: «Ich habe das Wort nur in Anführungszeichen verwendet», sagte er zu 20 Minuten.

Im Publikum hätten sich viele ältere Menschen zwischen 60 und 90 Jahren befunden, und er habe in einer Sprache sprechen wollen, die diese verstehen. «Das war absolut nicht rassistisch gemeint. Ich habe überhaupt nichts gegen Schwarze.»

Seine Wortwahl sei aber «vielleicht ungeschickt» gewesen, und er bitte dafür um Entschuldigung, so Käser.

Martine Brunschwig Graf, Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR, ist verärgert über Käser: «Es ist peinlich, dass er als Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren ein solches Wort verwendet – er zeigt damit einen Mangel an Sensibilität und Respekt.»

EKR-Präsidentin fordert Entschuldigung

Zwar glaube sie nicht, dass Käser Rassist sei, doch mit dieser Wortwahl demonstriere er ein «kolonialistisches Weltbild». Mit seiner Erklärung, er habe die Sprache seines älteren Publikums sprechen wollen, mache Käser alles noch schlimmer: «Ich bin auch 64 Jahre alt und finde trotzdem nicht, dass solche Wörter verwendet werden dürfen», so Brunschwig Graf. Käser habe einen Fehler gemacht: «Dafür sollte er sich entschuldigen.»

Käser habe mit seiner Aussage aber nicht gegen die Antirassismus-Strafnorm verstossen. Gemäss EKR-Juristen setze er die Betroffenen nicht in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herab. Dies könne vorliegen, wenn das Wort «Neger» mit Wörtern wie Affe oder Schwein, oder mit einem anderen Unwerturteil verbunden werde.




(lüs)