Wallis

06. März 2018 05:48; Akt: 06.03.2018 05:48 Print

Private sollen via App Schwarzarbeit melden

Walliser Baumeister haben eine App entwickelt, mit der Privatpersonen verdächtige Baustellen den Behörden melden können. Datenschützer melden Bedenken an.

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Das Walliser Baugewerbe rüstet auf im Kampf gegen die Schwarzarbeit: Mit einer neuen App, die der Verband zur Verstärkung der Baustellenkontrollen (VVBK) entwickelt hat und die in den nächsten Tagen verfügbar sein wird, sollen den Behörden künftig noch mehr Fehlbare ins Netz gehen, wie der «Walliser Bote» berichtet.

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Die Anwendung ist simpel: Wer auf einer Baustelle unlautere Machenschaften vermutet, kann diese via App lokalisieren und den Inspektoren des VVBK mittels Fotos melden. Weiter kann auch die Art des Verstosses angegeben werden: Wird abends oder am Wochenende gearbeitet? Gibt es Zweifel im Hinblick auf die Unterbringung und die Gesundheit der Arbeitnehmer? Liegen Sicherheitsmängel vor, ist die Lärmbelästigung zu gross oder sind ausländische Unternehmen anwesend? Wird ein Verdacht gemeldet, gehen die VVBK-Inspektoren diesem nach.

«Wir erhoffen uns mehr Effizienz»

Gemäss Schätzungen des Walliser Baumeisterverbandes (WBV) verursacht Schwarzarbeit allein im Kanton jährlich Verluste von 1,2 Milliarden Franken bei Steuereinnahmen und den Sozialversicherungen. «Und weil die Arbeitsqualität oft mangelhaft ist und die Sicherheitsnormen nicht eingehalten werden, schadet Schwarzarbeit den qualifizierten Arbeitskräften und dem Ruf der Branche», erklärt WBV-Präsident Alain Métrailler gegenüber 20 Minuten.

Zwar könnten sich Privatpersonen schon jetzt telefonisch an den VVBK wenden, wenn sie auf einer Baustelle Verdacht schöpften. «Mit der App erhoffen wir uns diesbezüglich aber noch mehr Effizienz», sagt Métrailler. Eine Schwarzarbeits-App gebe es hierzulande bislang erst im Tessin: «Wir fanden die Idee toll und wollten sie unbedingt übernehmen.»

Weiterleiten der Fotos kann strafbar sein

Alles andere als begeistert ist der kantonale Datenschützer Sébastien Fanti. «Wenn wir damit beginnen, kann ich irgendwann vielleicht ein Foto eines falsch parkierten Autos an die Polizei weiterleiten und erhalte dafür einen Teil des Bussgelds», warnt er im «Walliser Boten». Aus welchen Gründen jemand seinen Nachbarn denunziere, könne man nicht wissen. Daher seien Baustellenkontrollen ganz klar Aufgabe der Behörden und nicht von Privaten, so Fanti.

Der stv. eidgenössische Datenschützer Jean-Philippe Walter fügt an, dass das Weiterleiten heimlich geknipster Baustellenfotos ohne Einverständnis des Bauherrn sogar strafbar sein könne. Da das Entwickeln und Anbieten eines solchen Programms aber nicht illegal sei, könne er es als Datenschützer nicht verbieten.

Bern setzt auf ISAB

Alfred Zimmermann, Präsident des Bernisch-Kantonalen Baumeisterverbandes (KBB), war die Schwarzarbeits-App bislang nicht bekannt. Im Kanton Bern sei eine solche Anwendung, mit der Private verdächtige Baustellen melden können, aktuell kein Thema. Vielmehr setze man auf das vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) entwickelte Informationssystem Allianz Bau (ISAB), das in Kürze landesweit eingeführt werde und mit dem die Einhaltung von Lohn- und Arbeitsbedingungen effizient überprüft werden könne. Auch Zimmermann findet: «Die Arbeitsmarktkontrolle ist ausschliesslich Sache von ausgewiesenen Kontrolleuren und nicht von Privatpersonen.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CH am 06.03.2018 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PKZ zum Beispiel

    Wenn ich so viele ausländischen Mitarbeiter (Autos) beim Umabu vom PKZ in Aarau sehe, würde ich gerne so ein App testen.... Der Laden wird von mir nie mehr besucht

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  • Denkpause am 06.03.2018 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann doch nicht sein ...

    ... dass Schwarzarbeiter gesetzlichen Schutz erhalten. Manchmal geht der Datenschutz zu weit. Kriminelle sollen nur ein Recht haben, nämlich das Recht auf Bestrafung.

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  • Sven Moser am 06.03.2018 06:34 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    So wie bei der Delta AG auf deren Baustellen, Polen, Deutsche, Italiener, Spanier, alle sind sind, ausser Schweizer nicht. Hab mal gehört, dass die Delta AG auf die Hand zahlt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Transparento am 07.03.2018 00:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkliche Probleme aufdecken

    Ausgerechnet im Wallis, wo bereits seit Jahren die Arbeitslosenkasse offziell betrogen wird (Bauarbeiter ziehen AlV von November bis März, dann dürfen wieder arbeiten bei der gleichen Firma. Und niemand, nicht einmal die Event-Gewerkschaft UNiA hat sich da je dagegen gewehrt. Da sind ein paar Schwarzarbeiter schon fast belanglos.

  • Gruss aus Bern am 06.03.2018 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in der DDR 2.0

    Wehret den Anfängen, es gibt Behörden - bezahlt aus Steuergeldern - die dafür zuständig sind, schwarze Schafe in der Baubranche ausfindig zu machen und ihnen das Handwerk zu legen. Der Überwachungsstaat reicht mir, auch ohne zusätzliche Miliz-Spione.

    • Ein Leser am 06.03.2018 19:15 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist einfach unfair

      Man will einfach nicht das einige vermögend werden. Es soll jeder arme Bürger seine Steuern brav bezahlen. Beim Geld kennt man keinen Spass. Das was hier in der Schweiz läuft ist eine frechheit. Ich finde jeder sollte selber entscheiden können wie er sein Geld verdient. Beim Autohandel unter den Kosovaren wird auch viel Schwarzgeld eingenommen, nur interessiert es dort niemanden.

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  • Leser am 06.03.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widerlich!!

    Schwarzarbeit ist nicht in Ordnung, genau so wie Denunziantentum!!

  • BigBen am 06.03.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichheit

    Dann sollte ich aber all die Eikauftouristen auch anzeigen dürfen. Die unterwandern die CH Preise wie Schwarzarbeiter die CH Löhne!!!!

  • M.Gerber am 06.03.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Denuzianten tretet vor

    Gott sieht alles mein Nachbar 100 mal mehr ! Volkssport Nr.1 in der Schweiz ! Frööööde herrsscht !

    • walter ulbricht am 06.03.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      DDR 2.0

      kam mir auch gerade in den sinn... denunziantentum in der schweiz à la "wie wische ich dem am besten eins aus?"... folgen sicher noch IM's à la DDR.

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