Sexuelle Beleidigung

10. September 2017 15:07; Akt: 11.09.2017 16:10 Print

Rickli-Song – Staatsanwalt zieht Urteil weiter

Wegen Beleidigung wurden fünf Rapper aus Bern für ihren Song «Natalie Rikkli» verurteilt. Das reicht der Staatsanwaltschaft jedoch nicht.

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Nationalrätin Natalie Rickli (SVP) wurde Ziel eines beleidigenden und sexistischen Raps. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

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Die zuständige Staatsanwaltschaft zieht das Urteil gegen die Berner Rapper weiter, die die SVP-Nationalrätin Natalie Rickli in einem Lied beschimpft und gravierend sexuell beleidigt hatten. Die Musiker sind wegen Beschimpfung verurteilt worden, nicht aber wegen sexueller Belästigung.

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Dieser Entscheid ist der regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland zu lasch, sie sei «mit dem Urteil nicht einverstanden», so der Informationsbeauftragte Christof Scheurer. Der Fall soll also von einer höheren Instanz nochmals überprüft werden.

Frau unter Veruteilten

Derweil hat sich das 14-köpfige Berner Rap-Kollektiv am Samstag über Facebook zum Fall geäussert. Die Musiker schreiben dort, dass der Song «Natalie Rikkli» weder von der Chaostruppe produziert noch veröffentlicht wurde: «Das betreffende Lied wurde 2014 auf dem Gratis-Mixtape ‹Focalin und Hüttächäs› von Tilt und 200BPM über deren eigene Homepage veröffentlicht.» Drei von fünf der beteiligten und angeklagten Musiker seien Mitglieder des Kollektivs Chaostruppe, unter den angeklagten soll sich auch eine Frau befinden. Es sei unwahr, dass das Kollektiv ein dazugehöriges Video produziert oder den Song jemals in der Reitschule performt habe.

Dennoch sei ein Shitstorm auf das Kollektiv niedergeprasselt: «Die komplette Chaostruppe wurde durch Schlagzeilen und Berichte öffentlich als üble Sexisten angeprangert.» Diese Behauptung sei absurd, schreiben die Musiker. Sie seien gegen jegliche Diskriminierung von Menschen. Sobald der Prozess um den Rickli-Song beendet sei, wollen sich die linken Rapper weiter dazu äussern.

Der Song war bis Anfang September auf Youtube zu hören. Mittlerweile wurde das Video jedoch gelöscht. Als Grund nennt Youtube «Belästigung» und «Mobbing».

Mehrere hundert Franken Busse

Neben dem Regionalgericht wird sich nun also auch das Berner Obergericht in zweiter Instanz mit dem Fall befassen müssen. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft die fünf beteiligten Rapper per Strafbefehl wegen Verleumdung, Beschimpfung und sexueller Belästigung schuldig gesprochen, wie der «SonntagsBlick» berichtete.

Die Musiker zogen das Urteil jedoch weiter und wurden in der vergangenen Woche vom Regionalgericht Bern-Mittelland wegen Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von einigen hundert Franken verurteilt. Von den Vorwürfen der Verleumdung und sexuellen Belästigung wurden die Rapper hingegen freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hat nun Berufung angemeldet. Sobald das schriftliche Urteil vorliegt, entscheidet die Generalstaatsanwaltschaft, ob das Urteil ganz oder nur in Teilen angefochten wird.

(20m/sda)