Freiburger Sensebezirk

05. April 2018 13:42; Akt: 05.04.2018 14:05 Print

Forscher wollen Rätsel um Rotmilan-Zunahme lösen

von Simon Ulrich - Während die Bestände im Ausland rückläufig sind, verbreitet sich der Rotmilan in der Schweiz rasant. Besonders hoch ist die Dichte im Freiburger Sensebezirk. Wie kommt das?

Patrick Scherler von der Vogelwarte Sempach spricht über das Rotmilanprojekt.
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Die Schweiz ist eine Rotmilan-Hochburg: Seit den 1970er-Jahren hat sich der drittgrösste einheimische Greifvogel (siehe Box) im ganzen Mittelland rasant ausgebreitet. Und der Bestand nimmt weiterhin zu: Während die letzte Schätzung der Vogelwarte Sempach aus dem Jahr 2009 bei 1200 bis 1500 Brutpaaren lag, geht man heute von 2800 bis 3200 Paaren aus. Das sind rund zehn Prozent der Weltpopulation.

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Füttern Sie im Winter Vögel?

Dass der hiesige «Milan-Boom» alles andere als selbstverständlich ist, zeigt ein Blick ins Ausland: Vielerorts in Deutschland, Frankreich und Spanien – den traditionellen Hauptverbreitungsgebieten des Rotmilans – nehmen die Bestände nur leicht zu oder gehen sogar zurück. «Gerade wegen dieser ungleichen Entwicklung hat die Schweiz eine grosse internationale Verantwortung, die Art zu schützen», sagt Biologe Patrick Scherler.

Solarbetriebene GPS-Sender und Kameras

Dazu muss man aber erst einmal die Gründe kennen, warum es dem Rotmilan in der Schweiz so vögeliwohl ist. Ein Forschungsprojekt der Vogelwarte Sempach soll dem ornithologischen Rätsel auf den Grund gehen. Seit 2015 wurden 285 Jung- und 55 Adultvögel mit solarbetriebenen GPS-Sendern ausgerüstet. Einmal pro Stunde übermitteln die Geräte per Handynetz den exakten Standort der Vögel. «So können wir die Tiere ihr ganzes Leben lang verfolgen», sagt Scherler, der in den letzten drei Jahren für die Feldarbeit verantwortlich war.

Rotmilane

Die 22 Gramm leichten GPS-Logger scheinen die Vögel nicht zu stören, sagt Scherler. «Sie putzen die Sender sogar wie ihre eigenen Federn.» 1500 Euro kostet eines der Geräte, die den Rotmilanen auf den Rücken geschnallt werden. «Plus Roaming-Gebühren, wenn sich die Vögel im Ausland aufhalten», fügt der Ornithologe an. Neben den Sendern überwachen Nestkameras das Brutgeschäft.

Scherler will herausfinden, unter welchen Bedingungen die Rotmilane neue Reviere erobern: Welche Landschaften locken die Vögel an? Wie wirkt sich das Vorkommen von Beutetieren auf den Bruterfolg aus? Wann ziehen Rotmilane im Winter nicht nach Spanien?

In Spanien werden sie abgeschossen

Antworten auf diese Fragen gibt es zwar noch nicht, dafür aber Hypothesen. Etwa diese: Weil der Schnee im Mittelland immer seltener über längere Zeit liegen bleibt, finden Rotmilane im Winter genügend Futter und sehen darum von einer Reise in den Süden ab.

Aber auch die Fütterung durch Private mit Kompost und Fleischresten dürfte in den letzten Jahren mehr Vögel zum Verbleib in der Schweiz bewogen haben. Dadurch wiederum könnte ihre Überlebensrate gestiegen sein: «Sie setzen sich nicht den Gefahren einer langen Wanderung und denen im Winterquartier aus», erklärt der Freiburger Rotmilan-Experte Adrian Aebischer. In Frankreich und Spanien fallen Rotmilane nämlich immer wieder Vergiftungen durch Köder oder illegalen Abschüssen zum Opfer.

Landwirtschaft dürfte ein Faktor sein

In der Schweiz, wo ihm der Bund eine hohe nationale Priorität einräumt, kann sich der Rotmilan weitaus sicherer fühlen. Zu den am dichtesten bevölkerten Gebieten gehört der Kanton Freiburg. Dort leben etwa 250 bis 300 Brutpaare – rund ein Zehntel des nationalen Bestandes. Warum es den Rotmilanen hier so gut gefällt, ist nicht geklärt. Laut Scherler könnte dies auch mit der kleinstrukturierten Landwirtschaft in der Region zusammenhängen. «Hat es viele kleinere Nutzflächen, werden diese nicht alle gleichzeitig gemäht», sagt er. «Für die Vögel hat es so immer irgendwo im Revier etwas zu fressen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seislerbueb am 05.04.2018 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfache Erklärung

    Weil der Sensebezirk die wohl schönste und friedlichste Region der Welt ist. Rotmilane wissen das und lassen sich bei uns nieder.

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  • Beat, ZH am 05.04.2018 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Tiere als der Mensch

    Da verbreitet sich der Rotmilan in der Schweiz rasant. Ist doch schön oder? Der Mensch verbreitet sich auch rasant und keiner fragt sich warum, ist ja logisch, Mensch darf sich unkontrolliert vermehren und die Welt verschmutzen, ausbeuten.

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  • Leo Leu am 05.04.2018 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Verdrängunswettbewerb

    .... dafür sind die Mäusebussarde verschwunden ...?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Basta am 05.04.2018 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich liebe Rotmilane

    Super ich liebe Rotmilane und wie zierlich die fliegen. Majestätisch. Auch Schwarzmilane seht man oft. Sind die weniger speziell?

    • Gianni Milano am 06.04.2018 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Basta

      Ich bin ein Grünmilan und bin froh wenn die roten weg sind

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  • El Aleman am 05.04.2018 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Windräder

    Im Ausland, insbesondere in Deutschland, werden die Rotmilane massiv durch Windräder dezimiert. In der Schweiz ist das zum Glück nicht der Fall.

    • Klaus am 05.04.2018 17:25 Report Diesen Beitrag melden

      Ende und aus

      Genau und in einigen Regionen sind sie ausgestorben. Wie auch Habicht und andere wunderbare Tiere. Das wollen genau die Grünen nicht hören

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  • ledini kraft am 05.04.2018 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rotmilane

    ich finde diese Vögel wunderbar. Schön ihnen zuzusehn. Hoffentlich bleiben sie

  • Rotmilansichter am 05.04.2018 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Treffen

    Am Wochenende ca. 20 Stück auf einer Wiese in Oberglatt ZH gesehen. War ein traumhaftes Bild so viele Rotmilane zu sehen. Keine Ahnung was da lief...

    • Sueinka am 05.04.2018 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Fütterung

      Gemäss Freunden, die in Neerach wohnen, gibt es dort jemanden, der dutzende Milane gezielt füttert. Wahrscheinlich ziehen diese auch gelegentlich nach Oberglatt.

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  • Anna, Ag am 05.04.2018 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    bei uns sind die Greifvögel geschützt

    In anderen Ländern werden diese und andere Greifvögel noch erschossen! Leider, darum geht der Bestand zurück. In der Schweiz sind sie geschützt, zum Glück. Frage ist nur wie lange.