Schwindel aufgeflogen

17. Juli 2017 17:59; Akt: 17.07.2017 18:49 Print

Staatsanwalt ermittelt gegen Tickethändler P. B.

von Mira Weingartner - Internet-Schwindler P. B.* wird ein Fall für die Justiz: Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann, weil er Dutzenden Gurtenfestival-Gängern Geld abgeknöpft hat.

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Die Deals mit Ticketverkäufer P. B.* sind definitiv geplatzt: Das viertägige Gurtenfestival ist vorbei, doch die Festivalpässe, die der Onlinehändler im Internet verkauft hatte, sind bis heute nicht ausgeliefert worden. Auch von versprochenen Rückzahlungen haben viele Käufer noch keinen müden Rappen gesehen.

Die Zürcher Strafverfolgungsbehörden ermitteln nun gegen den Berner, der heute im Kanton Zürich lebt. «Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat ein Verfahren eröffnet. Die Ermittlungen sind im Gange», gibt Marc Besson, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei, auf Anfrage bekannt.

Schweizweit sollen rund 150 Personen auf die Geschäfte des Händlers reingefallen sein, weiss eine Betroffene. Wie ihr die Polizei mitteilte, seien allein bei der Zürcher Kantonspolizei über 70 Meldungen eingegangen. Auch in Bern ist die Zahl der Anzeigen und Meldungen laut Polizeisprecherin Jolanda Egger in den letzten Tagen auf über 20 angestiegen. «Sämtliche Anzeigen leiten wir an unsere Zürcher Kollegen weiter, die für die Ermittlungen zuständig sind», sagt sie.

Geprellte verabredeten sich während Festival

Auch die verärgerten Kunden von P. B.* bleiben weiterhin aktiv: «Wir wollen B. in den nächsten Tagen gemeinsam betreiben», sagt eine Geschädigte. Via Whatsapp-Gruppenchat, dem mittlerweile über 50 Geprellte beigetreten sind, organisiere man sich. «Es ist unglaublich, wie viel Zeit wir alle in diese Sache investieren müssen», ärgert sich die junge Frau. Einziger Trost sei der grosse Zusammenhalt der Gruppe. «Wir sind durch diesen Vorfall eine richtige Community geworden», sagt eine weitere Betroffene.

Gruppenmitglieder, die sich andernorts noch ein Ticket ergattern konnten, trafen sich während des Gurtenfestivals zum Anstossen. Gemeinsam habe man den Frust über das verlorene Geld mit einem Shot hinuntergespült.

Was P. B. selbst vom aktuellen Stand der Dinge hält, ist unklar: Die Anrufe von 20 Minuten hat er nicht mehr entgegengenommen.