Biel

02. Juli 2018 12:59; Akt: 11.07.2018 09:35 Print

Menschenhändlerin muss über zehn Jahre in Haft

Sie zwang dutzende Landsleute in der Schweiz zur Prostitution: Eine 58-jährige Thailänderin ist in Biel zu einer Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren verurteilt worden.

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Es ist einer der grössten Menschenhandels-Fälle der Schweizer Geschichte: Wegen Menschenhandels in 75 Fällen ist eine 58-jährige Thailänderin am Mittwoch in Biel zu einer Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren verurteilt worden. Sie ist auch der Förderung der Prostitution und weiterer Delikte schuldig gesprochen worden.

Die Frau soll 88 arme Landsleute zur Prostitution in die Schweiz gelockt haben. In Etablissements in den Kantonen Bern, Solothurn, Luzern, Basel-Stadt, Thurgau, St. Gallen und Zürich mussten die Frauen und Transsexuellen ihren Körper verkaufen, um ihre «Reiseschulden» abzubezahlen. Die Strafverfahren gegen die Bordell-Betreiberinnen sind Sache der zuständigen kantonalen Behörden.

Notlage der Opfer ausgenützt

Die Thailänderin war teilweise geständig. Vorgeworfen wurde ihr nebst qualifiziertem Menschenhandel auch Förderung der Prostitution und Geldwäscherei im Zeitraum von Anfang 2009 bis Oktober 2014.

Laut Staatsanwaltschaft nützte die Frau die Notlage der aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Opfer aus. Sie versprach ihnen Arbeit in der Schweiz, organisierte trickreich die nötigen Visa und übernahm vorerst einmal die Flugkosten. Den Opfern sei durchaus bewusst gewesen, dass sie sich in der Schweiz prostituieren mussten. Nicht klar waren ihnen aber die konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen.

Völlig isoliert

Einmal in der Schweiz angekommen, mussten die Opfer einen Betrag von bis zu 30'000 Franken durch Prostitution abbezahlen. Dazu kamen Kosten zum Beispiel fürs Essen und für Inserate. Für die Sexarbeiterinnen selber blieb praktisch kein Geld übrig, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Eine Alternative zur Prostitution hatten sie nicht, sie lebten völlig isoliert von der Aussenwelt und in Abhängigkeit von den Drahtzieherinnen. Den Gehorsam der Opfer erklärt die Staatsanwaltschaft auch damit, dass der Respekt vor älteren Personen in der thailändischen Kultur tief verankert ist.
Nach dem Prozessauftakt am Montagmorgen wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil mehrere Opfer befragt wurden.

Viele Fälle

Ähnlich gelagerte Fälle mit ausgebeuteten Frauen werden immer wieder bekannt. Allein im Kanton Bern sind in den letzten Jahren mehr als 20 Verfahren abgeschlossen worden, wie der Regierungsrat kürzlich bekannt gab.

Nach seinen Angaben nehmen die Kantone Bern und Zürich im Kampf gegen den Menschenhandel eine führende Position ein. Trotz der Bemühungen gehen Fachleute nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer aus.

(cho/sda)