Schillernde Karriere

12. Februar 2018 17:34; Akt: 12.02.2018 17:34 Print

Topmodel, Partykönig, Pflegefall und Buchautor

von Felicia Hofmann - Florian Burkhardt war in den 90er Jahren ein erfolgreiches Model – bis ihn eine Angststörung einholte. Jetzt veröffentlicht er sein zweites Buch und erholt sich im ruhigen Bern.

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So erwartungsvoll und neugierig wie Florian Burkhardt schaut, könnte man fast vergessen, dass er an sozialer Phobie und Angststörungen leidet. Krankheiten, die seine rasante Karriere abrupt beendet haben. 20 Minuten traf ihn im Café Sattler in Bern, wo auch sein neues Buch zu Ende geht.

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Der 43-Jährige war bereits 2014 mit dem Dokumentarfilm «Electroboy» und vergangenes Jahr mit seinem Buch «Das Kind meiner Mutter» erfolgreich. Jetzt erzählt der ehemalige Snowboard-Profi, Internetpionier, Zürcher Partykönig und internationales Topmodel den zweiten Teil seiner Lebensgeschichte «Das Gewicht der Freiheit», das soeben im Wörtersee-Verlag erschien.

«Du stehst auf einer Brücke und musst springen»

Burkhardt ist Anfang zwanzig, als er sich mit nur 500 Franken und einer Tasche nach Hollywood aufmacht, um Schauspieler zu werden. In einer Zeit vor dem Internet scheint der Karriere mit gefälschtem Portfolio und fast kindlicher Beharrlichkeit nichts mehr im Weg zu stehen.

Statt Schauspieler wird er allerdings schnell ein gefeiertes Model. Prada und Gucci streiten sich um ihn, er sagt: «Ich fühlte mich wie ein König.» Es kam der Grössenwahn: «In den Neunzigern war alles so riesig und neu, jeder war ein bisschen grössenwahnsinnig» – und mittendrin Florian Burkhardt, der brannte. Und verbrannte.

Mit 27 Jahren holt ihn plötzlich eine Angststörung ein. «Stell dir vor, du stehst auf einer Brücke und musst springen. Der sichere Tod erwartet dich. So fühlte ich mich, wenn ich vor die Tür sollte», schildert Burkhardt. Der Höhenflug endet nach Los Angeles, Paris und Tokio in einer Zürcher Psychiatrie. Er selbst nennt es bloss «das Irrenhaus» – das Gewicht seiner Freiheit hat ihn erschlagen.

Vom «Irrenhaus» nach Bern

Nur Schritt für Schritt wagt er sich nach drei Monaten wieder aus der Klinik – «zuerst drei Schritte, am nächsten Tag zwanzig, dann sogar ohne Begleitung.» Irgendwann ist Burkhardt wieder soweit, dass er die Klinik verlassen kann. Er zieht nach Bern.

«Bern ist ein Ruhepol und trotzdem voller Energie. Ein kreativer Ort und die Hauptstadt der Schweizer Musik.» Am liebsten sitzt er im Café Sattler in der Länggasse. Hier wird sein Leben ruhiger.

Der «Electroboy»

Er lebte ein Leben, das war, wie eine atemlose Jagd nach Freiheit, die er als Kind seiner Mutter nie hatte. Ein Leben auf der ständigen Suche, und schliesslich der völligen Überforderung. Und das ist auch sein neues Buch: Unruhig, schillernd, echt:«Ich habe mich in den Florian zurück versetzt, der ich damals war. Es gibt keine Analysen, keine Wertung. Ich erzähle einfach die Geschichte. Ich wurde zur Figur.»

So konnte sich Burkhardt auch von der tragischen Figur «Electroboy» aus Marcel Gislers Dokumentarfilm abgrenzen: «Jeder sieht seine eigene Projektion in meiner Figur. Das nehme ich nicht persönlich.»

Diese Woche berichtete 20 Minuten bereits über ein austrebendes Berner Model: Der 17-jährige Janusz Kuhlmann aus Zollbrück BE steht noch ganz am Anfang seiner Karriere auf dem Laufsteg. Welche Tipps Burkhardt für Kuhlmann auf Lager hat, sehen Sie im Video unten. (Video: ber)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R2-D2 am 12.02.2018 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Spanndes Leben muss er gehabt haben und immer noch haben. Würde trotzdem nicht tauschen wollen.

  • Belinda am 12.02.2018 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schreibstil

    Ich mag seine Artikel im Surprise. Auch wenn sie manchmal düster sind. Er spiegelt das Leben in seinen Worten. Alles Liebe auf seinem weiteren Weg!

  • Silversurfer am 12.02.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz normal

    Wenn man die Dokumentation gesehen hat, kommt man unweigerlich zum Schluss: Nicht er ist "irre", sondern der Rest seiner Familie! Er hat wohl nur "normal" auf seine Kindheit reagiert!

Die neusten Leser-Kommentare

  • viceroy am 13.02.2018 03:50 Report Diesen Beitrag melden

    falsch abgebogen

    Er und ich haben vor gut 20 Jahren mal gemailt. Leider ist es nie zu einem Treffen gekommen. Sein Leben wäre sonst wohl anders verlaufen.

    • Exodusol am 13.02.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      keine sorge

      mach dir keinen kopf es gibt genug andere menschen die deiner bedürfen..3

    einklappen einklappen
  • Meni am 12.02.2018 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überfluss

    Ich denke, wenn einem alles vor die Füsse gelegt wird, spezielle Freunde einem neue, spannende IN-Freizeitbeschäftigungen zeigen und vorstellen, (gesunde und nicht gesunde), muss man sehr stark und in sich gefestigt sein um nicht alles meinen mitmachen zu müssen um dazuzugehören, dabei zu sein und vor allem, gemocht zu werden.....Man muss wissen wann es Zuviel und genug ist und Disziplin darin haben. Wenn man Instabil ist, sich selber nicht spürt, kann das eben für die Seele sehr gefährlich werden.

  • Silversurfer am 12.02.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz normal

    Wenn man die Dokumentation gesehen hat, kommt man unweigerlich zum Schluss: Nicht er ist "irre", sondern der Rest seiner Familie! Er hat wohl nur "normal" auf seine Kindheit reagiert!

  • Thonas am 12.02.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    Ein Pflegefall.... da stelle ich mir was anderes vor!

  • Jürg am 12.02.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerungen

    Hej Flo, denke an unsere Zeit bei der X-Art zurück und wünsche dir alles Gute für deinen Weg.