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30. September 2013 13:29; Akt: 30.09.2013 15:20 Print

Wohnung verloren wegen Airbnb

Einem Zürcher wurde die Wohnung gekündigt, weil er seine vier Wände über Airbnb an Touristen untervermietet hat. Das hätte er dem Vermieter melden müssen.

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Das Portal Airbnb kann einem Wohnungsmieter zum Verhängnis werden. (Bild: Screenshot www.airbnb.ch)

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Wer seine gemietete Bleibe über Airbnb oder ähnliche Portale an Dritte vermittelt, der geht ein Untermietverhältnis ein. So lautet die generelle Meinung der Juristen. Laut Gesetz ist ein solches Angebot dem Hausbesitzer zu melden, auch wenn dieser eine Untermiete im Normalfall nicht verbieten kann. Wichtig sei, dass der Preis stimme, wie der «Tages-Anzeiger» am Montag schreibt. So dürfe der Vermieter die Aktion unterbinden, falls der Gastgeber zu viel für die Wohnung verlangt. Ohne Zustimmung des Besitzers dürfe mit einer Unterkunft kein Gewinn erzielt werden.

Einem Zürcher wurde dieser Umstand jetzt zum Verhängnis. Seine Zweitwohnung in Bern, die er als Wochenaufenthalter benutzte, hat er letztes Jahr an den Wochenenden immer wieder an Freunde und Touristen untervermietet. Die Lage der Wohnung war top, die Leute waren begeistert. Die rechtliche Situation war für ihn nie ein Thema. Allerdings nur, bis er sich dazu entschied, professionelle, von Airbnb finanzierte Fotografien seiner Wohnung anfertigen und ins Netz stellen zu lassen. So wollte der Zürcher seine Wohnung vertrauenswürdiger rüberbringen.

Die Rechnung ging nicht auf: Nachdem die Fotos online gestellt worden waren, flatterte die Kündigung ins Haus. Weil er die Wohnung wiederholt und ohne den Hauseigentümer zu informieren untervermietet hat, musste er per Ende Mai raus. Dem «Tages-Anzeiger» gegenüber gab er an, nichts von dieser Vorschrift gewusst zu haben. Auch bei Airbnb sei nie die Rede davon gewesen.

Unklare Verhältnisse

Die rechtliche Situation der Untervermietung ist schwierig zu beurteilen: Die Experten sind sich zwar zu einem grossen Teil einig, dass der Vermieter informiert werden muss und ohne Zustimmung kein Gewinn erzielt werden darf. Trotzdem herrscht Klärungsbedarf: Wie hoch der Preis für die Untermiete sein darf, ist nirgends geregelt. Der Zürcher bezahlte für seine Berner Wohnung im Monat 1300 Franken, demnach kostet eine Nacht 45 Franken. Verlangt hat er von den Gästen mehr als das Doppelte, nämlich 100 Franken pro Nacht. Auch wenn er die Kosten für Umtriebe und Aufwand abziehen kann, ist der Preis deutlich höher als 45 Franken. Viele Juristen sind der Meinung, dass der Zuschlag für die Gäste rund 20 Prozent betragen darf. Für die Wohnung in Bern hätten also höchstens fünfzig Franken verlangt werden dürfen. Es verwundert deshalb nicht, dass unter den Experten befürchtet wird, dass die Leute die Lage der Wohnungsknappheit ausnutzen und mit einer Untervermietung Profit machen.

Der Zürcher Gastgeber hat nun seine Kündigung akzeptiert. Was passiert aber mit den rund 2000 anderen Anbietern, die ihre Wohnung auf Airbnb zur Verfügung stellen? Gemäss Recherchen des «Tages-Anzeigers» haben grosse Liegenschaftsverwaltungen bisher keine Kenntnisse von Untermietverhältnissen, die über Airbnb angeboten werden. Das könne auch damit zu tun haben, dass über das Portal keine genaue Wohnadresse bekannt gegeben wird, sondern nur eine ungefähre Umgebung.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chipsy am 30.09.2013 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau

    das gleiche macht hier einer in opfikon! lebt vom sozialamt und vermietet seine wohnung an importierte landsleute! kassiert die volle miete vom sozi,und miete von der wohnung!

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  • Mieterin am 30.09.2013 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mietrecht

    Er wusste nichts von der Vorschrift... Da kann ich nur lachen! Wie wärs mit Mietvertrag studieren oder für wenig Geld ein Buch über das Mietrecht kaufen (das übrigens äusserst zu empfehlen ist)? Wer halt zu faul ist, sich zu informieren, der soll auch die Konsequenzen tragen. Selber schuld!

  • Kuno am 30.09.2013 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Die Gesetzeslage ist klar - und in diesem Fall sogar noch einleuchtend.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Olaf Dierich am 02.10.2013 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Airbnb ist eine Jobvernichtungsmaschine

    Und bitte mal bedenken, dass diese "Hobby-Vermieter" den Pensionen, offiziellen Ferienwohnung und Hotels die Gäste wegnehmen und somit viele Arbeitsplätze gefährden. Dabei müsse diese Leute nicht mal irgendwelche Sicherheitsbestimmung einhalten, haben keine Lebensmittelkontrollen, usw., usw.. Ich kenne auch persönlich Leute, die bei ihrer/ihrem Freundin/Freund wohnen, wenn sie an Touristen vermieten. Und das ist bei dem Wohnungsnotstand, den es in Hamburg gibt eine Katastrophe.

  • anna am 01.10.2013 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    und Genf ???

    Aber in Genf ist das doch schon lange üblich....Warum passiert denn dort nichts???

  • Roger Senn am 01.10.2013 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialwohnungen

    Wird eigentlich bei von der Stadt vergebenen Sozialwohnungen überprüft ob diese untervermietet werden? Ich hab da auch schon Geschichten gehört, wo z.B. Verwandte oder geschiedene Ehepartner zusammenziehen und die Sozialwohnung untervermieten.

  • Urs L. am 30.09.2013 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Miete ist immer fremdes Eigentum

    Als Kleinvermieter verstehe ich die Kündigung und würde auch so handeln, aber aus anderen Gründen. Ich vermiete meine Altersvorsorge. Einen Mieter suche ich daher sorgfältig aus da ich mir wünsche das meinem Eigentum sorge getragen wird. Wenn ich nun Dutzende immer wieder andere Leute in der Wohnung habe unterliegt die Wohnung einer vielgrösseren Abnutzung und der ursprüngliche Vertragsgrund ist nicht mehr gegeben. Zudem ist im Mietvertrag vermerkt an wieviele Personen die Wohnung vermietet ist und da steht nicht unbeschränkt x beliebige.

  • N. am 30.09.2013 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisches Gesetz

    Jeder clevere Vermieter/in würde das nicht dulden...ich verstehe nicht wieso,das gesetzlich nur mit Einwilligung erlaubt sein soll...dem Vermieter kann es ja egal sein woher das Geld kommt...

    • jasmin am 02.10.2013 06:44 Report Diesen Beitrag melden

      nein....

      nein N. es gehört ihm und nicht ihnen uns somit müssen sie die erlaubnis holen ein ganz klare sache worübe man gar nicht diskutieren muss.

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