Vogelwarte schlägt Alarm

18. April 2018 05:51; Akt: 18.04.2018 05:51 Print

Schweizer Rotmilan in Spanien vergiftet?

In Spanien wurde ein mit einem GPS-Sender ausgerüsteter Rotmilan der Schweizerischen Vogelwarte tot geborgen. Er könnte einer Vergiftung zum Opfer gefallen sein.

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Der tote Rotmilan wurde in einem Bewässerungsteich im Nordwesten Spaniens gefunden. Die Schweiz ist eine Rotmilan-Hochburg: Seit den 1970er-Jahren hat sich der Greifvogel im ganzen Mittelland rasant ausgebreitet. Das ist ein Phänomen: Denn der Bestand geht andernorts in Europa zurück. Um das Rätsel zu lösen haben Forscher der Vogelwarte Sempach (im Bild Adrian Aebischer) rund 350 Tiere mit Sendern versehen. So können die Forscher die Routen der Rotmilane verfolgen. Zudem montierten sie Nestkameras. Die Rotmilane stören sich offenbar nicht an den 22 Gramm leichten Sendern. Sie putzen sie sogar genauso wie ihr Federkleid. Um an die Jungvögel in ihren Nestern zu gelangen, mussten die Mitarbeiter des Projekts hoch in die Bäume steigen. Dank den Sendern stellten sie fest, dass immer mehr Rotmilane auch im Winter in der Schweiz bleiben. Das erspart ihnen die risikoreiche Wanderung nach Südfrankreich bzw. Spanien. Dort lauerten viele Todesfallen: Teilweise werden Rotmilane gezielt vergiftet, manchmal auch illegal geschossen. In der Schweiz sind die Rotmilane hingegen eine geschützte Tierart. Auch kommt den Tieren zugute, dass viele Privatpersonen in der Schweiz sie mit Kompost und Fleischabfällen füttern. Auch ein Faktor dürfte die kleinstrukturierten Landwirtschaft sein. Hat es viele kleinere Nutzflächen, werden diese nicht alle gleichzeitig gemäht und finden die Tiere immer irgendwo Futter. Mit einer Spannweite von bis zu 1.70 Meter ist der Rotmilan nach dem Bartgeier und dem Steinadler der drittgrösste einheimische Greifvogel.

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Es war ein trauriger Anblick, der sich Angehörigen des Naturschutzdienstes der spanischen Polizei vor einigen Tagen bot: In Zamora, im Nordwesten des Landes, stiessen sie auf einen toten Rotmilan, der reglos in einem Bewässerungsteich trieb. Dies berichtet das Nachrichtenportal «La Vanguardia».

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Den entscheidenden Hinweis zum Kadaverfund erhielten die Beamten von der Schweizerischen Vogelwarte, die im Rahmen eines laufenden Forschungsprojektes rund 300 Rotmilane mit GPS-Sendern bestückt hat. «Wir kontrollieren täglich die Bewegungen unserer Vögel und bemerken daher schnell, wenn sich einer nicht mehr bewegt», erklärt Patrick Scherler, der in den letzten drei Jahren für die Feldarbeit verantwortlich war.

Jäger und Bauern gehen Rotmilanen an Kragen

Auch der tot geborgene Vogel in Zamora gehörte zum Rotmilan-Projekt der Vogelwarte. Das Tier wies laut der spanischen Polizei mögliche Symptome einer Vergiftung auf. Sein Kadaver wurde daher zur Untersuchung ins Erholungszentrum für Wildtiere in Zamora gebracht.

Dass der Milan womöglich vergiftet wurde, erstaunt Scherler wenig. «In Spanien, aber auch in Frankreich, fallen Rotmilane immer wieder gezielten Vergiftungen durch Reizköder zum Opfer», sagt der Biologe. Von den besenderten Vögeln seien schon einige auf diese Weise umgekommen. Auch illegale Abschüsse seien ein grosses Problem in den beiden Ländern. Kleinwild-Jäger, so Scherler, sähen im Rotmilan einen Konkurrenten. «Dabei ist er eher ein schlechter Jäger und zum grössten Teil ein Aas- und Mäusefresser.» Auch Bauern würden dem Greifvogel aus Angst um ihr Vieh an den Kragen gehen.

Todesursachen erforschen

Häufig sterben Rotmilane, die zu den europäisch geschützten Arten zählen, aber auch an sogenannten «sekundären Vergiftungen». Hierbei wird das Gift eigentlich zur Bekämpfung von Nagetieren eingesetzt. «Die Greifvögel fressen dann die vergifteten Tiere und kommen ihrerseits um», sagt der Freiburger Rotmilan-Experte Adrian Aebischer. Gemäss einer Schätzung des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) sterben in Spanien mehr als die Hälfte der Rotmilane durch Vergiftungen und Abschüsse.

Indem die Vogelwarte die toten Vögel untersuchen lässt, will sie mehr über deren Todesursachen auf den Zugrouten erfahren: Wo kommen die meisten Vögel ums Leben? Wie viele werden vergiftet, wie viele abgeschossen, wie viele sterben durch Stromleitungen? «Wir wollen herausfinden, in welchem Verhältnis Todesursachen durch Menschenhand zu den natürlichen Todesursachen stehen», sagt Scherler. Nur wenn man die genauen Todesursachen kenne, könne man auch etwas für den Erhalt der Art tun.

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trollgeflüster am 18.04.2018 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rotmilan

    Wunderschönes Tier... Ich könnte stundenlang zusegen, wie sie am Himmel über den Felder kreisen... Schön zu lesen, dass es ihnen hier so fut gefällt...

  • Josy am 18.04.2018 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz greift nicht

    Wenn man sieht wie in Spanien mit der Umwelt umgeht, wundert mich das nicht. In der Schweizer Landwirtschaft war das Umweltverständnis der Menschen schon vor 40 Jahren weiter als in Spanien heute. Da kann man nur noch auf das Verständnis der jungen Leute hoffen. Z.B. an der ganzen Küste von Barcelona bis runter an die Portugiesische Küste selber erlebt

  • Gewagter Gedanke am 18.04.2018 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Vogelsterben

    Dann könnte das massive Vogelsterben bei uns seine Ursachen v.a. in den Zugrouten haben? Wie haben schon in den 80ern gelernt, das Zugvögel unterwegs im Süden gefangen, geschossen und vergiftet werden... Wobei die Insektizid die hier ausgebracht werden, nicht zu vernachlässigen sind...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sina Anis am 18.04.2018 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pestizide

    Und dann untersucht doch gleich das Wasser im Bewässerungsteich. Als er Durst hatte wurde er durch Wasser vergiftet....ich weiss, weshalb ich nichts im Frühjahr aus Spanien kaufe.

  • Captain Hindsight am 18.04.2018 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft

    Schade, das mit der Vergiftung. Aber um festzustellen, dass Rotmilane im Winter in der Schweiz bleiben, reicht es, aus dem Fenster zu schauen. Es braucht dazu kein GPS. Bekommen die Vögel eigentlich nur GPS oder auch gleich Bluetooth? Mit Bluetooth ist einfach alles besser.

  • Herz am 18.04.2018 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rotmilan

    Die Menschheit ist teilweise so unsäglich grauenhaft und egoistisch mit Tieren wie auch hier...Rotmilan vergiftet...zum Glück sind diese hier geschützt und gibt es die Vogelwarte ! Noch eine Frage...weshalb werden Rotmilane, Mäusebussarde oft von Krähen beim Flug verfolgt, angegriffen...weiss das jemand ?

  • peter am 18.04.2018 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naturbelassene hecke

    habe eine wildhecke belassen da sich dort drin vögel weinbergschnecken blindschleichen und igel tummeln. lieber vogelgezwitscher als thujahecke. sieht zwar verwildert aus aber wir lassen es so. mein nachbar vergiftet jedes nicht gras und hängt dann nistplätze auf. gtotesk.

  • Gewagter Gedanke am 18.04.2018 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Vogelsterben

    Dann könnte das massive Vogelsterben bei uns seine Ursachen v.a. in den Zugrouten haben? Wie haben schon in den 80ern gelernt, das Zugvögel unterwegs im Süden gefangen, geschossen und vergiftet werden... Wobei die Insektizid die hier ausgebracht werden, nicht zu vernachlässigen sind...

    • Captain Hindsight am 18.04.2018 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gewagter Gedanke

      Wir mähen nicht mehr mit Sägissen, sondern mit Mulcher. Dazu hängen wir eine Walze dran, welche das Gras aufbricht, damit es schneller trocknet. Beides hat zur Folge, dass es den Vögel schlechter geht. Wenn der Bauer mit 50 Km/h übers Feld fährt, Sieht er keinen einzigen Bodenbrüter. Deren Gelege ist dann flach. Die Walzen bewirken, dass die Insekten, welche die Vögel ernähren, dem Mähvorgang nicht entkommen. Nur wenige Bauern lassen sich von den modernen Arbeitsmethoden abbringen, obwohl mit viel Subventionsgeld darum geworben wird.

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