Warum das klare Nein?

23. September 2012 18:26; Akt: 23.11.2012 13:35 Print

«Zwängerei» hat auch Nicht-Raucher erreicht

von J. Pfister - Das klare Nein zur Initiative zum Schutz vor Passivrauchen überrascht selbst die Gegner. Für Politologe Lukas Golder hat das Reizwort «Zwängerei» eine entscheidende Rolle gespielt.

storybild

«Gegner haben die Schwachstelle der Initiative gefunden», sagt Politologe Lukas Golder vom GFS in Bern.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Radikal», «Einschnitt in die persönliche Freiheit», «Zwängerei»: Mit diesen und anderen Schlagworten haben die Gegner der Passivrauch-Initiative in der Öffentlichkeit für ein Nein zum Volksbegehren der Lungenliga geweibelt. Mit Erfolg: Das Schweizer Stimmvolk hat das Anliegen mit über 65 Prozent Nein-Stimmen deutlich abgelehnt. «Der Nein-Seite ist es über die letzten Monate gelungen, die Schwachstelle der Volksinitative aus Sicht der Bevölkerung zu finden und im Abstimmungskampf als wirksame Botschaft anzuwenden», sagt Lukas Golder, Politologe beim Forschungsinstitut gfs.bern.

Die Schwachstelle sei in diesem Fall der Fakt gewesen, dass man gerade erst vor zwei Jahren mit dem Bundesgesetz einen Kompromiss gefunden habe. «Mit dem Reizwort ‹Zwängerei› haben die Gegner den Nagel auf den Kopf getroffen und konnten so auch Nichtraucher, Linke und Teile der Romands abholen», so Golder. Diese Fokussierung auf den Schwachpunkt sei das klassische Erfolgsrezept für den Gewinn eines Abstimmungskampfes - gerade wenn es um eine Nein-Kampagne zu einer Initiative gehe.

«National war der falsche Weg»

Bei den Initianten der Lungenliga schreibt man die klare Niederlage ebenfalls diesen Reizworten zu. «Statt um die Gesundheit der Gastromitarbeiter ging es in der öffentlichen Diskussion auf einmal nur noch um Freiheit und Verbote», sagt Barbara Weber. Ihnen sei es nicht gelungen, den gesundheitlichen Schutz von bis zu 30 000 Gastromitarbeiter in den Vordergrund zu stellen. Dieser Meinung ist auch die Grüne Nationalrätin Yvonne GilliYvonne
Gilli

GPS, SG
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
IG pro Stadtbus, Wil (SG)
weitere Verbindungen anzeigen
. «Wir haben es nicht geschafft, den Leuten zu kommunizieren, was die Initiative für positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen gehabt hätte.» Die Bevölkerung habe die Vorlage am Schluss vielmehr als weitere Bevormundung angesehen.

Rückblickend glaubt Gilli, dass der Weg über eine nationale Initiative sowieso falsch war. «National ist es unglaublich schwierig, gegen die starke Lobby der Tabak- und Alkoholindustrie zu bestehen», so die Ärztin. Womöglich wäre es deutlich einfacher gewesen, das Anliegen in den einzelnen Kantone zum Erfolg zu bringen. «Allerdings wäre es jetzt wohl der falsche Zeitpunkt, kantonale Initiativen zu starten.»

In Kantonen waren Stimmende wohlgesinnt

Für die Aussage, dass die Lungenliga wohl über den kantonalen Weg mehr erreicht hätte, sprechen die bisherigen Abstimmungsresultate. So waren die Stimmenden in den Kantonen den Rauchverboten bisher durchaus wohlgesinnt. Als erster Kanton führte das Tessin 2007 ein Rauchverbot in Restaurants und Bars ein, nachdem das Volk im Frühjahr 2006 dazu mit 79 Prozent Ja gesagt hatte. Es folgten weitere 15 Kantone, in denen das Volk an der Urne über das Rauchverbot entschied, in einigen auch mehrmals. Die Mehrheit für ein Rauchverbot fiel in der Regel solide aus.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jackmans am 24.09.2012 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das nicht schön?

    Dieser Raucherkrieg ist wie ein Religionskrieg. Als die ersten Tabakpflanzen nach Europa kamen wurde Rauchen zum gesellschaftlichen Bild, ohne die Gefahren wirklich zu kennen. Heute kennt man sie u lebt trotzdem davon u zwar beide Seiten. Ich bin ein Raucher unter vielen Nichtrauchern u fühle seltsamerweise kein Gruppenzwang, aber als Nichtraucher unter vielen Rauchern wurde dieser Gruppenzwang mein Verhängnis. Muss doch schön sein im Cafe ohne Raucher, während die Autos ungehindert ihre Abgase verpesten, der Feinstaub auf die Kleider niederrieselt, die Gerüche der Menschen herrlich riechen...

  • CH-Bürger am 24.09.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitsdiktatur

    Interessant wie hier immer wieder von Eigenverantwortung die Rede ist. Wenn diese wirklich so wichtig ist, dann muss ich mich fragen, warum man sie nicht auch für Opiophile, Kokainisten, Speed-Freaks, Psychonauten und Kiffern gelten lässt? Komischerweise hört hier das Eigenverantwortungsgeschwafel nämlich auf und praktisch jedermann bläst ins gleiche Prohibitionshorn. Leute, wenn ihr wirklich gegen Bevormundung und für Eigenverantwortung seid, dann lasst das doch bitteschön auch für andere Drogenkonsumenten gelten und nicht nur für Raucher und Trinker.

    • T.G. am 24.09.2012 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      @CH-Bürger

      Habe noch nie was anderes vertreten.

    einklappen einklappen
  • Nichtraucher am 24.09.2012 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Gesund für den Menschen ist:

    Seine freie Entscheidung, seine freiwillige Rücksichtnahme, ohne Verbote, ohne staatliches Eingreifen mit Gesetzen und Bussen.

    • auch nichtraucher am 25.09.2012 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Freiwillige Rücksichtnahme

      dass ich nicht lache... schau dir doch die schwangeren rauchenden, kinderwagenstossenden väter an. soviel zu rücksichtnahme.

    einklappen einklappen
  • fruitcamper am 24.09.2012 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Völliger Schwachsinn!

    Wieso geben alle den Rauchern die Schuld? Der Smog der Autos und der Industrie ist doch viel verbreiteter und Schädlicher als wenn 1 Mal pro Woche jemand neben einem eine Zigarette anzünded und man 1% davon einatmet! Aber das will ja niemand wahrhaben!

    • Meatballs am 24.09.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      Mit den

      Rauchern kann man's ja machen, wenn sich die Politik gegen die Industrie stellen würde, würden diese ja aus den Verwaltungsräten der Firmen geworfen, von denen unsere Politiker ja so herrliche Gehälter beziehen ;-) Ist mit den pösen, pösen Autofahrern übrigends genau das selbe... Wir zahlen CO2 abgaben, dass unsere BR auf die Idee kommen können Gas und Kohlekraftwerke zu bauen! Genial, od'r?

    einklappen einklappen
  • Ricardo P. am 24.09.2012 00:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitskultur

    Wenn die Linken doch bloss mal merken würden, dass durch ihre Bevormundung und vergötterung der Gesundheit, die Gesundheitskosten erst so richtig stark angestiegen sind, sodass sie nun die Existenz eines jeden schweizer Normalbürgers bedrohen (Reiche ausgeschlossen, Geld vermehrt sich ja...). Denn erst dank diesem streben nach langem Leben gehen die meisten bei jedem Wehweh'chen zum Arzt, wobei dies in 95% der Fälle sinnlos ist. Und jedes muss muss die Krankenkasse für sinnlose (kaum wirkende), eher schädliche Medikamente a la Paracetamol (Dafalgan, stark Leberschädigend, und Wirkung beruht zu 90% auf Placebo Effekt)...

    • M.LEONE am 24.09.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      So nicht

      So ein Quatsch ! Tatsache ist das die Einnahemen der Tabaksteuer 2 MIA betragen, die Folgekosten der Krankenkassen aber 12 MIA Franken .

    • Thomas Eisenhut am 24.09.2012 10:07 Report Diesen Beitrag melden

      Götzen

      ... da bringts jemand auf den Punkt. Gesunheit ist zu einem Götzen geworden... uns macht vorallem die Angst vor Krankheit erst so richtig krank.

    • Kusi am 24.09.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      Wahre Worte

      Kinder können unter diesen Umständen auch niemals ein gesundes Immunsystem aufbauen. Was man manchmal zu Gesicht bekommt, ist schon erschreckend. Eltern schauen, dass die Kinder möglichst nie mit Dreck in Berührung kommen. Kinder sind halt mit arbeit verbunden, aber man steckt einem 4 jährigen lieber ein Smartphone in die Hände, dann ist es ruhig. Alles schon erlebt ... Ah, ich freue mich auf unsere Zukunft, es könnte noch spannend werden.

    einklappen einklappen