Mobility Pricing

03. Dezember 2012 15:32; Akt: 03.12.2012 15:46 Print

«Das GA ist ein Unsinn auf Kosten der Allgemeinheit»

von Olaf Kunz - Das General-Abo ist in der Schweiz eine Institution. Doch neue Pläne rütteln an der Flatrate für Zugpendler. Unter unseren Lesern ist darum ein heftiger Streit entflammt.

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«Als Autofahrer muss ich auch für jeden Kilometer zahlen» - viele Autofahrer begrüssen die neuen Gedankenspiele des Astra zur Abschaffung des GA. (Bild: Keystone)

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Beim Bundesamt für Strassen (Astra) gibt es laut Medienberichten Pläne zur Einführung eines sogenannten Mobility Pricings für Pendler (20 Minuten Online berichtete). In diesem Zusammenhang sollen auch Mengenrabatte für Vielfahrer bei der Bahn wegfallen. Mit anderen Worten: Das GA soll es dann nicht mehr geben. Das sorgt in der Schweiz für helle Aufregung, wie die über 200 Leser-Kommentare zeigen.

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Was halten Sie von Mobility Pricing? Sollen auch Fahrten mit der Bahn verursachergerecht bezahlt werden?
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Schon am zugrunde liegenden Konzept gibt es heftige Kritik. So zum Beispiel von Marc: «Zuerst fahren wir zu viel Auto = Benzin- und Autobahn-Preise rauf. Jetzt fahren wir zuviel ÖV = Billet-Preise rauf. Bald müssen wir Kilometergeld fürs Spazieren zahlen. Und weil wir durchs Spazieren gesünder Leben kommen wieder die Krankenkassen.» Doch es gibt durchaus auch positive Stimmen.

«Für 100 Franken gibts in der Migros auch nicht unbegrenzt viele Bratwürste»

«Das GA abzuschaffen ist eine gute Idee, da es ein Unsinn auf Kosten der Allgemeinheit ist. Auf der einen Seite soll der Verkehr reduziert werden (was sicher sinnvoll ist) und auf der anderen Seite soll er mit dem GA ‹gefördert› werden. Wieso eigentlich? Damit man zum Mittagessen ins Tessin rösselt und unnötig Energie verschwendet, Lärm und Feinstaub produziert? Weg mit dem alten Zopf GA!», enerviert sich Roli.

Applaus gibt es auch von einem User mit dem Pseudonym «Auto»: «Das ist das einzig Richtige, denn als Autofahrer muss ich auch für jeden Kilometer bezahlen und kann kein GA für mein Auto kaufen.» Darüber kann MB nur den Kopf schütteln: «Ich hab gar nicht gewusst, dass man pro Kilometer Versicherung, Strassenverkehrsabgabe und Autobahnvignette bezahlen muss.» Doch der Vergleich hinke, findet Nico: «Mengenrabatt ist okay, aber ich bekomme in der Migros doch auch nicht für 100 Franken unbegrenzt viele Bratwürste. Solange kein Kostendruck da ist überlegen sich die Leute gar nicht ob eine Bahnfahrt wirklich nötig ist. Jeder Zug der mehr fährt als wirklich nötig verbraucht auch Energie.»

Auch hinter die bisherige Preisstruktur machen viele ein grosses Fragezeichen. Einer von ihnen ist User «Pendler»: «Ich fahre immer die gleiche Strecke, 200-mal im Jahr. Es ist mir völlig unklar, warum jetzt ein Streckenabo teurer ist als das GA, welches ja die ganze CH abdeckt, was eigentlich ja die wenigsten brauchen.»

Ironie des Service Public

Aus dem Lager der Bahnfahrer bläst dem Astra erwartungsgemäss ein schärferer Wind entgegen. So zum Beispiel von Sabine Z.: «Personalabbau, unbediente Bahnhöfe, null Service, Preise hoch und nun noch etwas Praktisches abschaffen?» Und mit ironischem Unterton fragt Paesc: «Das Verursacherprinzip in allen Ehren - die Bahn ist ein Staatsbetrieb und hat somit einen Service Publique zu erfüllen. Man redet bereits davon, Bahnstrecken zu schliessen, die unrentabel sind. Nun eventuell auch die Abschaffung des GAs. Entspricht das dem modernen Service Publique?» Basta, ruft auch Peschä: «Wenn man einen halben bis einen ganzen Monatslohn allein dafür ausgeben muss, dass man zur Arbeit gehen kann, ist das bereits mehr als genug.»

Vor der Einführung eines Mobility Pricings müsste erst einmal an anderen Stellschrauben gedreht werden, findet W.T.: «Wann lernt es unsere Regierung endlich: Soll die Wirtschaft laufen muss die Infrastruktur stimmen. Besteuert endlich die Reichen und schafft Steuerungerechtigkeit ab. Holt bei Organisationen wie Fifa, WWF und Olympia-Komitee das Steuergeld und schon füllt sich der Staatssäckel so, dass die Pendler nicht noch mehr gemolken werden müssen.»

Christian Tschümperlin befürchtet, dass damit eine ungewollte Verlagerung einhergehen könnte: «Höhere Ticketpreise zu Stosszeiten, das schreckt ab und belastet die Strassen. Funktioniert vielleicht in der Theorie, hat aber in der Praxis Nebenwirkungen.»

Verursacherprinzip infrage gestellt

«Je mehr Pendler den Zug benutzen umso ausgelasteter ist dieser und somit müssten die Kosten zu diesem Zeitpunkt gedeckt sein. Wer also nicht zu den Stosszeiten fährt, müsste mehr bezahlen da die Nutzung tiefer ist», schreibt Einer Reichenberger. Die Retourkutsche kommt sogleich von Marc Flueli: «Der Sitz im Zug soll als Produkt verkauft werden. Der Wert erschliesst sich aus der Nachfrage kann also zeitlich oder geografisch bedingt sein. Dies bei gleichbleibendem Mengen-Angebot. Das Problem: Die Umsetzung gestaltet sich beim ÖV sehr schwierig.»

Hier setzt auch die Kritik von Silvan S. an: «Haben Sie dabei auch bedacht das 90 Prozent der Arbeitnehmer 1. ihre Arbeitszeiten nicht selber bestimmen können 2. der ÖV als günstige Alternative zum teuren Auto gewählt wird 3. mal wieder der umweltschonende Vollzeitarbeiter geschröpft wird...?!» Einen Vorschlag zur Güte hat Mr. Smith: «Die SBB könnte ja zum normalen GA noch ein Pendler-GA einführen.» Dieses erhalten seinen Vorstellungen nach nur Personen, die einen Nachweis erbringen, dass Wohn- und Arbeitsort auseinander liegen. «Die stark ausgelasteten Verbindungen zum Beispiel morgens um 7 Uhr, können dann nur mit einem Pendler-GA benützt werden.»

Doch Verursacherprinzip hin, neue Preisstrukturen her, zumindest bei der Polemik in Richtung Bundesrat gibt es virtuelles Schulterklopfen. Zum Beispiel zum Kommentar von Xaver: «Das Erste was abgeschafft werden sollte, sind die kostenlosen GAs für Parlamentarier und Bundesräte. Die sollen auch für die Dienstleistung bezahlen.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Grundsätzlich bin ich zwar für das GA, aber wenn die Kosten mittels Mobility Pricing gerechter verteilt werden können, warum auch nicht. Heute finanzieren GA-Wenignutzer die GA-Vielnutzer. Man könnte ja trotzdem Vielfahrer noch einen Rabatt gewähren und ebenso jenen, die ausserhalb der Stosszeiten fahren. Aber dann muss das Gleiche auch für Autofahrer gelten und Road Pricing eingeführt werden. Wer die Strasse öfters benützt, muss mehr bezahlen. Auch hier Rabatte für Vielfahrer, aber nur ausserhalb der Stauzeiten. Dann haben wir wieder gleichlange Spiesse für alle. – Marc

Zitat: «Jeder Benutzer soll die Kosten bezahlen, die er verursacht egal wie viel er fährt. So müssten die Ticketpreise gerade zu Stosszeiten höher ausfallen.» Ich bezweifle, dass eine gestopfte S-Bahn am Morgen pro Fahrgast teurer ist als eine leere am Mittag. – Stefan

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pia Willi am 07.12.2012 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Horrorszenario

    Was noch? Der Kunde ist König! Leistung am Kunden! Sind dies nur noch veraltete Schlagwörter?

  • ein Visionär am 04.12.2012 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    die Schweiz schafft sich ab...

    Seit wann gibt es das Problem der überfüllten Züge - ja genau - seit es die Personenfreizügigkeit gibt. Also, wieder ein Indiz, dass die PFZ gescheitert ist und eine Menge Ärger verursacht hat und noch mehr bringen wird. Ob es um Mieten, Lohn oder Sicherheit geht - alles die gleiche Ursache. Also, dringen die PFZ zurücknehmen - die Konsequenzen wäre ein Witz gegen die momentanen Zustände. Es ist fünf nach zwölf.....

  • Markus W. am 04.12.2012 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bahn selbsttragend machen

    genau, Road Pricing muss neben den Strassenverkehrsgebühren und der Vignette auch noch kommen. NEIN, wenn die Gebühren die wir Autofahrer heute schon bezahlen endlich mal voll und ganz für die Strasse verwendet würden, dann bräuchte es wohl kein Road Pricing mehr und der Autofahrer bezahlt ja auch schon nach dem Verursacherprinzip: mehr Benzin = mehr Steuern. NUR der Bahnfahrer wird seit Jahren vom Autofahrer subventioniert und genau DAS darf nicht mehr sein. Ob es nun ein GA gibt oder nicht ist eigentlich unwichtig, dann gibt es halt nur noch die Strecken(monats)abos.

  • Kawtham Sinnathamby am 04.12.2012 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Als Student...

    ...bin ich auf mein GA angewiesen. Ich fahre täglich 3h mit dem Zug zur Uni und wieder zurück, ohne ein GA könnt ich mir das gar nicht leisten und eine Wohnung/Zimmer in der Nähe zu mieten ist viel zu teuer!

  • Walter R am 04.12.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    GA abschaffen-Totaler Unsinn...

    Etwas gutes und bewährtes, das auch für Normalverdiener erschwinglich ist, soll abgeschafft oder so verteuert werden dass es sich nur noch Millionäre leisten können - Typisch Schweiz!