Wie in Japan

05. Dezember 2012 21:49; Akt: 05.12.2012 22:34 Print

SBB will Pendler auf die rechte Bahn bringen

Die SBB wollen Pendler mit Markierungen an Perrons zu geordnetem Einsteigen disziplinieren. Inspiriert dazu hat sie die U-Bahn in Tokio.

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Verstopfte Zugtüren führen zu Verspätungen. (Bild: Keystone/Dominic Favre)

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Schubsen, Drängeln, Ellbögeln: Das Einsteigen in den Zug verläuft gerade zu Spitzenzeiten oft chaotisch. «Denn Pendler steigen oft vor allem in der Zugsmitte ein», sagt Reto Schärli von der SBB. Die dadurch verursachten Verzögerungen führten wiederum zu Verspätungen.

Nach Versuchen mit Flyern und Lautsprecherdurchsagen, die Passagiere zu disziplinieren, kopiert die SBB nun eine Methode aus Fernost, wie das «Tages-Anzeiger Newsnet» berichtet: Bodenmarkierungen signalisieren, wo die Zugtüren sind, insbesondere die erste und die letzte. Das soll helfen, die Pendlermassen gleichmässiger auf das Perron zu verteilen. Denn so funktioniert es auch bei der Tokioter U-Bahn. Im Frühjahr 2013 starten die SBB ihr Pilotprojekt im Bahnhof Laufen.

Nicht ganz ausgereift

Doch gewisse Knacknüsse bleiben: Damit künftig möglichst viele Züge zentimetergenau, unabhängig von Wagengrösse und Zugslänge, an den Markierungen halten könnten, suche man nach einer «flexiblen, praktikablen und günstigen Lösung», so Schärli. Und: das System steht und fällt mit der Disziplin der Pendler. «Die Japaner bilden Kolonnen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie sind äusserst diszipliniert», sagt Marianne Häni von der Schweizerisch-Japanischen Gesellschaft. «Viel geredet wird dabei nicht, manche nicken gar beim Anstehen ein», sagt sie. Sei ein Wagen bereits gepackt voll, schiebe das Personal nach.

«Solche Zustände wären inakzeptabel», betont Kurt Schreiber von Pro Bahn Schweiz. Auf derart rabiate Methoden verzichte man aber natürlich, beruhigt SBB-Sprecher Schärli. Der Ochlokinetiker Fritz Senn hält aber fest: «Der Mensch ist in seiner Natur ein wegblockierendes Tier. Deshalb bleibe ich skeptisch. Schweizer reihen sich nicht gerne ein». Ochlokinetiker erforschen das Phänomen, dass Menschen in Gruppen sich unweigerlich im Weg stehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Homerino am 06.12.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Morgen am Peron:

    Man ist 10min vor der Ankuft de Zuges auf dem Perron angekommen, es ist dein Heimbahnhof du hast dir langsam aber sicher gemekt wo in etwa die Türe stoppen wird und stellst dich dort hin! Langsam füllt sich der Bahnsteig, wie wilde Bestien umkreisen sie sich genseitig auf dem Sprung sobald der Zug einfahren wird zuzuschlagen! Kaum ist der Zug zum Stillstand gekommen und man steht sogar dirket vor der Türe gehts schon los, sie rennen, sie hetzten, kämpfen um jeden Meter, drängeln, keifen, fluchen motzen und naja schon wieder steige ich, 1,80 m 80 kg männlich, als einer der letzten in den Zug!

  • Beat U. am 06.12.2012 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Drängler und Ellbögler

    Da müsste man die Drängler und Ellbögler zuerst noch umerziehen und ihnen klar machen, dass sie sofort absitzen und ihr Gepäck auf die Ablage stellen, nicht auf den Nebensitz. Das wird aber niemals klappen - schliesslich ist der Schweizer ein Freiheitsliebender - Beschränkungen und Anweisungen wird er nicht akzeptieren.

  • Ueli H. am 06.12.2012 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung und gesunder Menschenverstand

    Ich glaube es ist auch hier wieder eine Sache der Erziehung. Wenn die Kinder von den Eltern nicht lernen, dass man die Leute zuerst aussteigen lassen sollte und dann der Reihe nach einsteigt, muss man sich über das "Puff" nicht mehr wundern. Da gibt es Teenager und auch Erwachsene die stehen frontal vor der Türe oder andere die fühlen sich im Kindergarten wo gerade ein Halbkreis gebildet wird. Fragt man dann ob man evtl. durch dürfe wird man jeweils nur blöd angeschaut. Ist dann noch ein Rollstuhlfahrer im Spiel sind die Wartenden so perplex, dass gar kein Durchkommen mehr ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger M. am 06.12.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Höherer Takt nötig

    Das vernünftige anstehen vor den Türen ohne drängeln, etc. würde nur bei einer sehr hohen Takrate meiner Meinung nach funktionieren. z.b Peking (und wohl auch Tokio) haben eine U-Bahn Taktrate von alle 3-4 Minuten... selbes Gleis immer die selbe Strecke. Von einer S5 die alle 5 Minuten fahren würde auf Gleis 42 können wir aber noch lange träumen. Aktuell habe ich nur alle halbe Stunde jeweils eine Verbindung nach Hause. Ich musste zum Glück bisher nur immer am HB aussteigen um auf den ICN zu kommen. Durch den langen Arbeitsweg sind vorallem Abends jedoch gewonnene Minuten für viele kostbar.

  • Steff am See am 06.12.2012 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    wie schön

    Die SBB startet den hoffnungsvollen Versuch all jene die im Schnellzug durch die Kinderstube gerasselt sind mit Markierungen gemäss einer japanischen Bahnhofsstudie im Schnellverfahren umzuerziehen.Viel Vergnügen dabei und dazu noch die Preise anheben da fällt einem das Autofahren doch gleich wieder leichter.Zwar auch zwischen Markierungen aber ohne alle diese unzufriedenen mit einem zusammen im viel zu engen Doppelstockwagen eingepferchten sabbernden und hustenden Sardinen.Wie schön ist es Musik zu hören so laut man will ohne doofe Blicke von links und rechts.

  • Homerino am 06.12.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Morgen am Peron:

    Man ist 10min vor der Ankuft de Zuges auf dem Perron angekommen, es ist dein Heimbahnhof du hast dir langsam aber sicher gemekt wo in etwa die Türe stoppen wird und stellst dich dort hin! Langsam füllt sich der Bahnsteig, wie wilde Bestien umkreisen sie sich genseitig auf dem Sprung sobald der Zug einfahren wird zuzuschlagen! Kaum ist der Zug zum Stillstand gekommen und man steht sogar dirket vor der Türe gehts schon los, sie rennen, sie hetzten, kämpfen um jeden Meter, drängeln, keifen, fluchen motzen und naja schon wieder steige ich, 1,80 m 80 kg männlich, als einer der letzten in den Zug!

  • Sascha am 06.12.2012 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Vergisst das

    Haha, niemals klappt sowas, nicht hierzulande. Geht mal zwischen 17 und 19 Uhr an die Berner HB einsteigen, und werdet ihr wüste Szenen erleben, oft in die Hauptrolle sogar mit einen prominenten Politiker (m/w). Alle vergessen ihre Manieren wenn es darum geht einzusteigen. Ich habe es eigentlich schon immer gesagt: Mit der Schweizer Anstand ist es immer vorbei wenn die Parkplätze knapp werden. Das Gleiche gilt auch für Zugfahrten.

  • Pendler am 06.12.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Problem: SBB-Bahnhofsdesign

    «Denn Pendler steigen oft vor allem in der Zugsmitte ein». Ja, ist ja klar, wenn dort die Treppe ist. Vielleicht sollte sich die SBB beim Bau und Umbau von Bahnhöfen mal endlich überlegen, wie die Passagierströme fliessen. Die meisten benutzen die Treppe und latschen nicht über die Gleise und wollen/können (wegen sehr knapper Umsteigezeiten) nicht noch lange dem Perron entlanglaufen.