Überfüllte SBB-Züge

29. März 2012 17:19; Akt: 08.04.2012 14:57 Print

«Wir garantieren keinen Sitzplatz»

von Joel Bedetti - Die SBB verzeichnen neben einem Rekordgewinn auch Rekord-Passagierzahlen. Um diese bewältigen zu können, setzt die Bahn auf neue Züge und mehr Information.

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Letztes Jahr haben jeden Tag 977 000 Passagiere das Angebot der SBB genutzt. (Bild: Keystone)

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Die SBB haben sich ein neues Flaggschiff bestellt. 59 Bombardier Doppelstöcker-Wagen sollen ab 2014 durch die Schweiz flitzen. Die neuen, 400 Meter langen Zugkompositionen sollen 1200 Personen chauffieren können, das sind 200 mehr als in heutigen Zügen. Die Bombardier-Wagen wurden nach dem Motto «weniger Komfort, mehr Platz» konzipiert.

Damit versuchen die SBB der steigenden Kundenzahl Herr zu werden. Denn inzwischen reise jeder dritte Arbeitnehmer mit dem Zug zum Arbeitsplatz, sagte SBB-Chef Meyer an der heutigen Medienkonferenz zum Jahresabschluss 2011. Konkret: 2011 nutzten täglich 977 000 Personen die Bahn – 26 000 oder 2.7 Prozent mehr als 2010. In den Stosszeiten platzen die SBB-Züge aus allen Nähten.

Mehr Stehplätze

«Die Brennpunkte sind die Linien Zürich-Bern und der Nahverkehr in den Städten, besonders in Zürich», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer. «Zu Hauptverkehrszeiten finden dort nicht alle Passagiere einen Sitzplatz.» Die SBB wollen das mit neuen Zugskompositionen und Entlastungszügen zu den Stosszeiten beheben. «Eine Sitzplatzgarantie können wir aber nicht geben», sagt Meyer.

Auch der grösste Anbieter im Regionalverkehr, der Zürcher Verkehrsverbund, rüstet auf. Seit zehn Jahren steigen die Passagierzahlen kontinuierlich an. 2010 transportierte er 578 Millionen Fahrgäste, das sind 11 Millionen mehr als im Vorjahr. Die 29 neuen Zugkompositionen, die bis 2015 in Betrieb sein sollen, sind 150 statt wie bisher 100 Meter lang. Sie bieten fast 1200 Personen Platz, haben aber mit etwas über 500 Sitzplätzen und 700 Stehplätzen fast mehr U-Bahn- als Zugcharakter. «Im Regionalverkehr ist es zumutbar, bis zu 15 Minuten zu stehen», sagt die SBB-Sprecherin.

Noch keine Preiserhöhungen

Die Transportkapazitäten, so Lea Meyer, seien aber nicht das grösste Problem. Vielmehr stosse das Schienennetz irgendwann an die Grenzen. «Täglich fahren im Schnitt hundert Züge über einen Kilometer Gleis.» Da man dieses nicht so schnell ausbauen kann, setzen die Bundesbahnen an einem anderen Punkt an: Der Verteilung der Passagiere. Denn viele wissen nicht, dass zu den Stosszeiten auch Entlastungszüge verkehren. «Es kommt beispielsweise oftmals vor, dass eine S12 überlastet ist und ein Entlastungszug, der drei Minuten Minuten später fährt, halb leer.»

Zudem wollen die SBB die Passagiere dazu bringen, die Züge zur Stosszeit nur zu benutzen, wenn sie müssen. «Wenn Firmen Heimarbeit ermöglichen und Sitzungen nicht am frühen Morgen anberaumen, tragen sie zu einer Entlastung bei. Auch die Bahn als Arbeitgeberin möchte da künftig noch fortschrittlicher werden», sagt Sprecherin Meyer. Aus diesem Grund läuft seit 2011 ein derartiges Pilotprojekt mit der Swisscom. Auf die harte Tour wollen die Bundesbahnen aber (vorerst) verzichten: «Es ist nicht vorgesehen, dass die Tarife zu Spitzenzeiten speziell erhöht werden.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich fahre viel mit SBB und BLS und bin ganz zufrieden - in Stosszeiten und auch ausserhalb. Sitzplatz habe ich fast immer (2. Klasse) und wenn nicht, warte ich halt, bis einer frei wird. Ich sehe das völlig stressfrei und verstehe das ewige Gejammer einfach nicht. Liebes Personal an der Front von SBB und BLS - vielen Dank für den täglichen Service, die Kompetenz und die Sicherheit, die da geboten wird. Wenn man auch Erfahrungen von anderen Ländern hat: Einfach Top! – Beat W.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt Aegeri am 29.03.2012 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Arrogente SBB

    Je nachdem, wie lange zu stehen ist, danken es die Behinderten und Alten. Ach ja, die zahlen übrigens genauso Steuern wie alle andern auch. Auch IV-Bezüger zahlen nach meinen Infos 100 Prozent Steuern.

  • It's Me am 30.03.2012 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und dann ist da noch:

    ...Immer diese Verspätungen, die Toiletten ausser betrieb, dort wo man einsteigen will sind die Türen Defekt, UND UND UND...

  • Christian Rusch am 29.03.2012 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hört bitte auf von Gewinn zu schreiben

    Die SBB macht keinen Gewinn sondern muss mit Milliarden von Steuerfranken die zum grossen Teil dem Strassenverkehr abgezweigt werden subventioniert werden. Die Passagierzunahme ist kein Erfolg sondern resultiert hauptsächlich aus der Bevölkerungszunahme wegen der Zuwanderung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klaus Thaler am 01.04.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn des CEO von über 1 Million Franken

    Leute, wann begreift ihr es endlich: Die hohen Gehälter der SBB-Chefetage muss finanziert werden. Also braucht es Preiserhöhungen und Serviceabbau. Der CEO verdient mehr als doppelt soviel wie ein Bundesrat. Und die SBB gehört zu 100% dem Bund.

  • Goran Knezevic am 30.03.2012 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte die Politiker in einem Stau ,oder im überfühltem Zug stehen lassen um zu sehen was bedeutet wenn man immer mehr Menschen aus dem Ausland hier lässt. Es ist eng geworden in der Schweiz, bald wird unerträglich. Ich werde nach Chile in einer Wüsste auswandern, ich brauche Platz, ich bin ein Mensch.

  • Philippe Trachsel am 30.03.2012 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber das Auto

    Ich hatte mir gedacht, dass Auto im Sommer auszulösen. Aber ich fuhr ein paar mal mit dem Zug, und da habe ich mich anderst entschieden. Es kann nicht sein, dass mann so viel zahlt, und dann draussen auf der Treppe die Zugfahrt verbringen muss. Ne liebe SBB ohne mich.

  • Pascal am 30.03.2012 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sitzplätze in Masse

    Liebe Leute von heute. Ich steige morgens um 6:30 oder um 7:30 in der Zug, also Stosszeit. Aber ich weiss nicht was ich richtig mache, denn seltsamerweise sitze ich immer. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich in der richtigen Region der Schweiz wohne oder weil ich dreist bin. Es lebe die Ostschweiz!! Habe geschlossen, danke.

  • Markus am 30.03.2012 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Garantie

    SBB garantieren keinen Sitzplatz nur hohe Billettpreise.

    • Hansjoerg S. am 01.04.2012 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Protestbewegung

      Ja, und eine saftig Gehaltserhöhung für die SBB Manager, der Meyer verdient ja jetzt schon mehr als eine Million. Wir vom Fussvolk sind wieder nur die Dummen, warum ruft nicht mal jemand via facebook zu einer schmerzhaften Aktion auf, z.B. mal die Züge landesweit für 30 Minuten blockieren oder so. Die Masse kann das, man muss zusammenstehen und das tun. Das wird beim Herrn Meyer sicher einen Denkprozess auslösen.

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