Mobilitäts-Statistik

08. Mai 2012 10:39; Akt: 08.05.2012 14:44 Print

Auto ist immer weniger wichtig

In der Schweiz wird immer noch am meisten mit dem Auto gefahren. Doch der öffentliche Verkehr holt auf. Und die Distanzen werden immer grösser.

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Die Schweizer Bevölkerung legt für Freizeit, Beruf und Einkaufen immer grössere Distanzen zurück. Dabei steigen gemäss einer am Dienstag veröffentlichten statistischen Erhebung des Bundes die Menschen aber vermehrt in ein öffentliches Verkehrsmittel (öV).

Mit der Bahn wurden im Jahr 2010 rund ein Viertel mehr Kilometer zurückgelegt als fünf Jahre zuvor. Die im Auftrag des Bundesamts für Statistik (BFS) und des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) befragten Menschen legten im Tagesdurchschnitt 7,1 km im Zug zurück, dies sind 1,5 km mehr als im Jahr 2005. Im Bus oder im Tram waren sie 1,4 km (2005: 1,3 km) unterwegs.

Über alle Verkehrsmittel gesehen war jede in der Schweiz wohnhafte Person ab 6 Jahren durchschnittlich pro Tag 36,7 km unterwegs. Das sind rund 4 Prozent mehr als 5 Jahre davor. Der Löwenanteil davon wird immer noch im Privatauto zurückgelegt.

Strassenanteil geht zurück

Mit 23,8 km blieb der Strssenanteil aber nunmehr seit 10 Jahren praktisch unverändert. Der relative Anteil sank aber seit 2005 um knapp 3 Prozentpunkte auf rund 66 Prozent. Praktisch gleich lang blieben die zu Fuss (2 km) oder per Velo (0,8 km) zurückgelegten Strecken.

Obwohl die gesamthaft zurückgelegte Strecke weiter anstieg, mussten die Menschen dafür weniger Zeit aufwenden. Sie waren inklusive der Warte- und Umsteigezeiten täglich rund 1,5 Stunden unterwegs. Das sind knapp 6 Minuten weniger als im Jahr 2005.

Grund dafür ist, dass der Anteil der Bahn - ein vergleichsweise schnelles Verkehrsmittel - zugenommen hat, wie die Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), Maria Lezzi, vor den Medien in Bern sagte. Im Schnitt konnten so in kürzerer Zeit mehr Kilometer zurückgelegt werden.

Beschleunigter Bahnverkehr verleitet zum Pendeln

Die Beschleunigung im Fernverkehr habe zu Wachstum beim Bahn- Pendlerverkehr geführt. Die Zeitgewinne führten dazu, dass man in kürzerer Zeit weiter komme, sagte Lezzi. Sie sieht diesen nicht nur positiv, da er zu mehr Pendlerströmen führt. Aus ihrer Sicht soll in Zukunft vor allem die Kapazität der Bahn und nicht deren Geschwindigkeit erhöht werden.

Die Länge der Tagesstrecken variiert je nach Bevölkerungsgruppe. So sind die Tagesdistanzen der Männer im Mittel gut 11 km länger als jene der Frauen. Auffallend ist auch, dass Personen aus einem Haushalt mit hohem Einkommen, im Schnitt deutlich längere Tagesdistanzen absolvieren als Personen mit vergleichsweise tiefem Haushaltseinkommen.

Mit Abstand am mobilsten sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren. Sie absolvierten täglich 49,2 km. Personen dieser Alterskategorie waren auch überdurchschnittlich oft im Zug oder in einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs. Der öV-Anteil an der Tagesdistanz lag bei ihnen bei 38,7 Prozent. Bei allen anderen Alterskategorien liegen die Anteile unter 30 Prozent.

Junge verzichten aufs Permis und setzen auf Bahn

Ein Hinweis für diesen Umstand liefert auch die Statistik über den Besitz eines Führerscheins oder eines Generalabonnements (GA). Während der Anteil jener Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren mit einem Führerschein seit 1994 von knapp 71 auf noch knapp 59 Prozent im Jahr 2010 zurückgegangen ist, hat sich der Anteil GA-Besitzer in dieser Alterskategorie im gleichen Zeitraum auf knapp 20 Prozent verdoppelt.

Hauptsächlicher Auslöser für die Mobilität der Befragten ist wie in den Vorjahren die Freizeit. Auf ihr Konto gingen im Jahr 2010 rund 40 Prozent der Tageskilometer. Hier hat nun aber ein rückläufiger Trend eingesetzt. Gegenüber 2005 sank der Freizeitanteil nämlich um 5 Prozentpunkte, gegenüber 1994 gar um 10 Prozentpunkte.

Parallel dazu stieg der Anteil des durch Arbeit und Ausbildung verursachten Pendlerverkehrs um 5,4 Prozentpunkte auf 29,7 Prozent.

Bei der Erhebung, die im Rahmen der modularen Volkszählung durchgeführt wurde, wurden im Jahr 2010 rund 63 000 Personen befragt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nina am 08.05.2012 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Teuer

    Find ich ja super! trotzdem währe ich dafür dass zugfahren günstiger wird. Es gibt Menschen die auf die Zugverbindungen angewiesen sind, und die müssen dann ein Vermögen zahlen für Bahnkarten oder GA's. Jugendliche mit wenig Einkommen zahlen sich ja dumm und dämlich!!!!

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  • Andi Notter am 08.05.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Möglichst schlechter service?

    "Die Beschleunigung sei nicht nur positiv, da er zu mehr Pendlerströmen führt. In Zukunft soll vor allem die Kapazität der Bahn und nicht die Geschwindigkeit erhöht werden." Das zeigt, dass die gute Frau nichts von new Public management versteht. Möglichst schlechter service, dann ist gut.

  • willi meier am 08.05.2012 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    langsamverkehr steuerlich bestraft

    Ich gehe zu Fuss zur Arbeit, vor meinem Umzug pendelte ich über 90km (1h30 von Tür zu Tür), leistete meinen Beitrag an vollgestopften Zügen und überbeanspruchte Infrastruktur und zog brav alles von der Steuer ab. Heute beanspruche ich nur den Fussgängerknopf an der Ampel und zahl böse drauf...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simu Spinu am 08.05.2012 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    @ all

    dijenigen die jetzt drauflos schiessen dass der öv günstiger ist: JA das ist so...ABER: mein auto bringt mich überall hin und das wann ich will, im auto habe ich am morgen meine ruhe, kein gedränge, keinen stress, kein gestank, kann in ruhe radio/musik hören, ä zigi rauchen und hab mein sitzplatz garantiert. all dies darf auch was kosten.

  • Gewerbler am 08.05.2012 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewerbe

    Und trotzdem verstopfte Strassen... Bringt mal Arbeit und Wohnort näher zusammen. Ihr vom Zonenplan, nicht nur motzen und Einsprachen gegen jedes Gewerbe machen. Generelles Umdenken ist gefragt, vernetztes Denken!!!

  • Melte am 08.05.2012 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    In der Stadt...

    ...ist es kein Problem mit dem ÖV voran zu kommen...sobald man aber weder in Zürich noch Basel noch Bern noch Thun, Biel, Genf, Lausanne noch weiss ich wo alles wohnt wird es schwierig...könnte sein, dass man ausserhalb lieber ein Auto besitz als ein GA!Verbindungen sind zum Teil eine absolute Katastrophe und Verbindungen werden immer nur auf denselben Strecken ausgebaut...

  • willi meier am 08.05.2012 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    langsamverkehr steuerlich bestraft

    Ich gehe zu Fuss zur Arbeit, vor meinem Umzug pendelte ich über 90km (1h30 von Tür zu Tür), leistete meinen Beitrag an vollgestopften Zügen und überbeanspruchte Infrastruktur und zog brav alles von der Steuer ab. Heute beanspruche ich nur den Fussgängerknopf an der Ampel und zahl böse drauf...

    • empty()set am 08.05.2012 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      Geht nicht auf

      Wieso zaheln Sie drauf? Die Kosten für den Arbeitsweg können Sie ja nicht zu 100% abziehen, also stehen Sie jetzt günstiger da. Zudem sparen sie noch etwa 3h Zeit pro Tag ein. Verstehe Ihr Problem nicht ganz...

    • meiers willi am 08.05.2012 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      nope

      mehr als das ga kannst du eh nicht abziehen...

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  • Andi Notter am 08.05.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Möglichst schlechter service?

    "Die Beschleunigung sei nicht nur positiv, da er zu mehr Pendlerströmen führt. In Zukunft soll vor allem die Kapazität der Bahn und nicht die Geschwindigkeit erhöht werden." Das zeigt, dass die gute Frau nichts von new Public management versteht. Möglichst schlechter service, dann ist gut.