«Das ist Blödsinn»

20. Januar 2014 10:54; Akt: 30.01.2014 21:35 Print

Brauchts mehr Spitäler wegen der Zuwanderung?

von J. Büchi - Wegen der Zuwanderung seien in der Schweiz jährlich drei neue Spitäler nötig, rechnet die SVP vor. «Blödsinn», heisst es in der Branche. Die Kapazitäten würden längst ausreichen.

storybild

Der Grossteil unserer Spitalbauten stammt laut GDP-Zentralsekretär Jordi aus den 60er- oder 70er-Jahren. Im Zug der nötigen Renovationen könnten gleich Ausbauten und Neuorganisationen vorgenommen werden, so der Experte. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Drei Krankenhäuser, 384 Krankenbetten, 163 Ärzte im ambulanten Bereich und 600 Krankenpfleger: Das alles wird gemäss Berechnungen der SVP in der Schweiz wegen der Zuwanderung nötig – pro Jahr. Muss die Schweiz in den nächsten zehn Jahren tatsächlich bis zu 30 neue Krankenhäuser bauen? Droht gar der Kollaps unseres Gesundheitssystems?

«Das ist Blödsinn», sagt Michael Jordi, Zentralsekretär der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK). Zwar sei es klar, dass im Gesundheitsbereich mit wachsender Bevölkerungszahl auch mehr Leistungen erbracht werden müssten. Der Bau neuer Spitäler sei einzig aus diesem Grund aber nicht nötig.

Einerseits würden medizinische Leistungen zunehmend nicht mehr stationär, sondern ambulant erbracht. «Damit können die Spitäler entlastet werden – es braucht langfristig weniger Betten.» Andererseits stamme ein Grossteil der heutigen Spitalbauten aus den 60er- oder 70er-Jahren und müsse in den nächsten Jahren sowieso renoviert werden. «Dort besteht die Möglichkeit, mittels Neuorganisationen und Ausbauten mehr Plätze zu schaffen.» Weiter sei auch eine engere Zusammenarbeit der verschiedenen Spitäler nötig. «Wenn ein Krankenhaus voll ist, kann so in ein Partnerspital in der Nähe ausgewichen werden.» Die zunehmende Mobilität in der Gesellschaft mache dies problemlos möglich.

Gleiche Angst wie bei Aids-Epidemie

Auch Christian Schär, Präsident der Schweizer Bildungszentren für Gesundheitsberufe und des Verbandes der Zürcher Krankenhäuser, sagt, die Hochrechnungen der SVP seien «zu einfach». Er verweist ebenfalls auf den Richtungswechsel im Gesundheitssystem. «Spitex, Hauspflege – also wohnortsnahe Betreuungsformen – werden im Rahmen von Bundesrat Alain Bersets Gesundheitsstrategie 2020 wichtiger.» Auch er hält den Bau neuer Spitäler deshalb nicht für realistisch.

«Schon beim Ausbruch der Aids-Epidemie ist befürchtet worden, dass das Gesundheitswesen unter der Last der vielen Kranken kollabieren wird», so Schär. «Doch dank Präventionsarbeit und den Möglichkeiten medikamentöser Behandlungen ist nichts dergleichen passiert.» Dies zeige, wie stark Präventionsbemühungen und neue Behandlungsformen den Bedarf an Infrastruktur beeinflussen können.

Mehr Schweizer Personal ausbilden

Und wie steht es um die Ärzte und Krankenschwestern, die nach Berechnung der SVP künftig in der Schweiz fehlen werden? «Wenn die Bevölkerung wächst, braucht es selbstverständlich mehr Fachpersonal», räumt Experte Schär ein. GDK-Zentralsekretär Michael Jordi sagt: «Einen Mangel an Fachkräften haben wir sowieso – unabhängig vom Bevölkerungswachstum.» Die Schweiz müsse mehr Gesundheitsfachpersonen ausbilden, um den künftigen Bedarf decken zu können. Zudem brauche es Massnahmen, damit das vorhandene Personal möglichst lange im Beruf bleibe.

«Auch dann werden wir aber noch massiv auf ausländisches Fachpersonal angewiesen sein», so Jordi. Heute betrage der Anteil ausländischer Angestellter in den Spitälern rund 32 Prozent. «Ohne sie wird es uns auch in Zukunft nicht möglich sein, die hochstehende Qualität in der medizinischen Versorgung aufrechtzuerhalten.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geier am 20.01.2014 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht ganz auf...

    Soll heissen es soll für immer mehr Leute in diesem Land immer weniger Krankenhäuser geben, welche aber mehr Fachkräfte benötigen???

    einklappen einklappen
  • Tobi F. am 20.01.2014 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    So abwägig ist das nicht...

    Vielleicht nicht 3 Spitäler aber 1-2 ganz bestimmt oder weitere Erweiterungsbauten von Bestehenden. Oder will uns jemand sagen, dass diese 80'000 bis 90'000 Einwanderer weder einen Arzt noch ein Spital besuchen? Das wir durch ein derartiges starkes Wachstum, egal ob durch Einwanderung oder nicht, die Infrastruktur erweitern müssen, ist doch ein logischer Effekt! Da gibt es wirklich nichts zu diskutieren.

    einklappen einklappen
  • Daniel Stauffer am 20.01.2014 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Pro / Contra Argumente

    Vielleicht interpretiere ich ja falsch. Aber ich habe noch keinen 20min Artikel gelesen welcher "pro" Masseneinwanderungsinitiative war. Könnte evt. der 20min Redaktion aufgefallen sein, dass ihre Leser öfters für die Initiative sind? Die Argumente der Gegner zwingen mich aber immer mehr zu einem JA!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ernst Baumann am 21.01.2014 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    zwischen den zeilen lesen

    artikel der gegner sind immer vollgepakt mit "zwar ...", "aber...", "..für nicht realistisch halten" (aber nicht wissen), oder dann wird mit ausreden gesucht, wie das ist wegen (atomausstieg). tatsache ist und bleibt aber, dass zum beispiel frau br. somaruga noch nie eine alternative anbieten konnte und zum beispiel in der sendung "classe politique" zweimal der frage ausgewichen ist, was wenn es der schweizer wirtschaft nicht mehr so gut geht. zu guter letzt verglich sie die schweiz mit irland (nachzusehen im srf player). wollen uns die politiker wirklich dahinführen? darum ein ja zur mzwini!

  • Pesche Müller am 21.01.2014 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Heureka! Ich hab's...

    Es fiel mir wie Schuppen von den Augen - wir haben nicht zuviele Einwanderer, wir haben zuwenig Auswanderer! Also Lösungen her. Zum Beispiel Wettbewerb machen. Wer verliert wandert aus. Oder: Wer am 9. Feb. falsch abstimmt, wandert aus. Und so weiter. Erfindet weitere lustige Beispiele. Es würde einigen Schweizern gut tun, mal Auslandluft zu schnuppern und dann Heimweh zu bekommen. Wer macht den Anfang?

  • Bürger am 20.01.2014 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nein es braucht nicht nur mehr Spitäler

    Es braucht von allem mehr was ein Mensch hier zum Wohlstand braucht. Das wird langsam sooo viel, dass der Wohlstand bei mir "gefühlt" bereits wieder abnimmt. Was die Ökonomen in Bern berechnen interessiert mich doch nicht. Ich sehe meinen eigenen Wohlstand im Portemonnai, auf den Rechnungen, in Zügen, unterwegs, auf Strassen, in Läden etc. und der nimmt ab! Dazu braucht es keine ökonomischen Experten die mir etwas vorgaukeln.

  • Souffleur am 20.01.2014 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwanderung an allem schuld

    scheint langsam so als wäre die zuwanderung für alles verantwotlich was in der ch falsch läuft he

  • marvel am 20.01.2014 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aja

    da glaube ich hat die svp ein bisschem recht...das die momentanen spitäler mit der patientenflut zurechtkommen glaube ich so nicht.glaube eher das man am anschlag läuft bei den spitälern..