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Brütten ZH

06. Juni 2016 18:21; Akt: 06.06.2016 18:21 Print

«Energieneutrales Haus ist eine Meisterleistung»

Neun Wohnungen im «ersten energieautarken Mehrfamilienhaus der Welt» sind bezugsbereit. Bundesrätin Doris Leuthard zeigte sich bei der Einweihung begeistert.

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Gemäss der Bauherrschaft ist dies «das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt». Möglich machen das eine Solarfassade und innovative Speichermöglichkeiten. Bundesrätin Doris Leuthard bezeichnete das Haus, das ohne Anschluss an das Stromnetz auskommt, als «Weltmeisterleisung». In den nächsten Wochen werden die Bewohner in die insgesamt neun Wohnungen einziehen. An der Hausbesichtigung begrüsste Bundesrätin Doris Leuthard die Familie Vogt, die in Zukunft im energieautarken Haus wohnen wird. Laut der Bauherrschaft müssen die Bewohner keinerlei Einschränkungen in ihrem Lebensstil befürchten - und dennoch hat das Haus einen halb so grossen Energiebedarf wie eines, das in konventioneller Bauweise errichtet wurde. Per Tablet können die Bewohner ihren Energieverbrauch in Echtzeit verfolgen und sich mit ihren Nachbarn vergleichen. «An die Technik müssen wir uns erst noch gewöhnen», sagt Corinne Vogt, die in zwei Wochen mit ihrer Familie in eine der neun Wohnungen einzieht. Eine Stromrechnung erhalten die Mieter im energieautarken Haus keine. Jedoch werden sie nach einem Bonus-Malus-System bewertet: Wer wenig Energie verbraucht, erhält Geld zurück, wer die Energiereserven des Hauses übermässig strapaziert, zahlt nach. Die Ansprache nach der Hausbesichtigung nutzte Energieministerin Leuthard dafür, eine Werbeschaltung für die bundesrätliche Energiestrategie einzulegen: Solche Leuchtturmprojekte seien der Beweis, dass es sich bei der Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien nicht um «eine Fantasterei» handle

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Als «Weltmeisterleisung» bezeichnete Bundesrätin Doris Leuthard das nach Angaben der Bauherrschaft «erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt», das am Montag in Brütten bei Winterthur eingeweiht wurde. Die Energieministerin fand beim Hausbesuch nur lobende Worte: Man könne stolz darauf sein, dass die Schweiz die Welt mit solchen Technologien weiterbringe. Sie hofft, dass das Beispiel tausendfach kopiert werde.

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Damit sich das Mehrfamilienhaus komplett vom Stromnetz abkoppeln kann, waren verschiedene Innovationen nötig. Neben dem Dach ist auch die Fassade vollständig mit Solarpanels ausgekleidet. Das hat laut Architekt René Schmid den Vorteil, dass die Solarfassade auch im Winter mithilfe der tief stehenden Sonne Strom erzeugt.

«An die Technik müssen wir uns erst noch gewöhnen»

Damit diese Energie auch gespeichert werden kann, haben die Planer auf Warmwasser- und Wasserstofftanks gesetzt. Die überschüssige Energie, die die Panels im Sommer liefern, wird in Warmwassertanks gespeichert. Ebenfalls wird Energie in Wasserstoff eingelagert, die dann im Winter wieder herausgelöst und in Strom und Wärme umgewandelt wird. Zudem produziert die Solarfassade im Sommer so viel Strom, dass damit noch ein Elektroauto für 10'000 Kilometer betrieben werden kann. Laut der Bauherrschaft müssen die Bewohner keinerlei Einschränkungen in ihrem Lebensstil befürchten – dennoch hat das Haus nur einen halb so grossen Energiebedarf wie eines, das mit konventioneller Bauweise errichtet wurde.

Doch auch wenn laut Angaben der Architekten und Planer ein Strommangel im Winter ausgeschlossen ist und keiner der Bewohner frieren muss, sind die zukünftigen Mieter zu Sparsamkeit angehalten. Per Tablet können sie ihren Energieverbrauch in Echtzeit verfolgen und sich mit ihren Nachbarn vergleichen. «An die Technik müssen wir uns aber erst noch gewöhnen», sagt Corinne Vogt, die in zwei Wochen mit ihrer Familie in eine der neun Wohnungen einzieht.

Wer wenig Energie braucht, erhält Geld zurück

Dass sie aber mit ihrem Energieverbrauch zu oft über die Stränge schlagen könnten, glaubt Vogt nicht: «Wir wohnen zurzeit noch in einem alten Bauernhaus mit Elektroheizung, da gingen wir jeweils schon sparsam mit der Energie um, weil uns sonst eine riesige Stromrechnung ins Haus geflattert wäre.» In Zukunft wird die Familie keine Stromrechnung mehr erhalten. Jedoch werden die Bewohner nach einem Bonus-Malus-System bewertet: Wer wenig Energie verbraucht, erhält Geld zurück, wer die Energiereserven des Hauses übermässig strapaziert, zahlt nach.

Die Ansprache nach der Hausbesichtigung nutzte Energieministerin Leuthard dafür, eine Werbeschaltung für die bundesrätliche Energiestrategie einzulegen: Solche Leuchtturmprojekte seien der Beweis, dass es sich bei der Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien nicht um «eine Fantasterei» handle. «Diese innovativen Projekte können den Werkplatz stärken und Jobs für die Zukunft schaffen.» Bei allem Lob für die Energiepioniere blieb noch Platz für Selbstkritik: «Gute Ideen scheitern auch teilweise an der Bürokratie.» Nach einem Spässchen zum Schluss («Auch die warme Luft aus dem Bundeshaus könnte man in Energie umwandeln») kappte Leuthard die symbolische Stromleitung zum energieautarken Haus. Danach stand für die Bundesrätin aber bereits der nächste Termin an und sie brauste alsbald wieder in ihrem schwarzen Tesla davon.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Parteilose am 06.06.2016 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Haus....

    ...ist eine technische Innovation. Solche Häuser braucht es, denn der Energiebedarf wird Weltweit massiv steigen! Danke an die Architekte, Igenieure, etc. Weiter so!

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  • Toni Stark am 06.06.2016 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    investitionskosten

    energieneutral? wie viel energie wurde verbraucht um es zu bauen? wie lange geht es bis dies amortisiert ist? was sind die investitionskosten in resourcen? co2-ausstoss, wasserverbrauch, etc..

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  • TeslaPower am 06.06.2016 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mieter

    Ich freue mich darauf, dort einzuziehen. Am 23. Juni ist es soweit :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Unternehmer am 09.06.2016 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    super Hütte

    Finde ich echt klasse, diese Innovativität. Optisch gefällt es mir zwar gar nicht, aber auch da wird es sicherlich neue Möglichkeiten geben in Zukunft.

  • mimi am 09.06.2016 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pimp my house

    wie hoch ist der mietpreis? kann es sich jeden leisten oder nur die reichen? sonst finde ich es eine tolle idee.

  • aasp am 08.06.2016 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ab welchem betriebsjahr...?

    Wurde das Haus mit einem "Fingerschnipp" an Ort und Stelle beordert? Die ganz Planung, Herstellung der Materialien.. Ab welchem Jahr ist es "neutral"?

  • S. Trom am 08.06.2016 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder so ein autarkes Haus!

    Da gab es doch mal eine neue Berghütte, welche mit viel PiPaPo eröffnet wurde. Die sollte ja auch autark sein - Pusteblume. Heute ist es mehr als still um das Gebäude und die hochtrabende Technik. Ein Bekannter hat auch ein MinergieP Haus gebaut und noch viel mehr dazu. Seine Erwartungen wurden bei weitem nicht erfüllt. Menschen wollen halt richtig Luft reinlassen und im Sommer die frische Brise spüren. Und im Winter reichen halt 20Grad nicht aus und Duschen und Baden wollen immer noch alle. Und die vielen PC, Fernseher usw wollen trotzdem Strom. Viele Kosten- wenig Gewinn.

  • Husky am 08.06.2016 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    innovativ?

    Unser Haus ist seit 2010 als Inselanlage in Betrieb und funktioniert tadellos . So innovativ ist das ganze gar nicht