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Erneuerbare Energien

20. April 2016 18:27; Akt: 20.04.2016 18:57 Print

Schweiz hinkt Skandinavien hinterher

Norwegen und Schweden decken über die Hälfte ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen. Die Schweiz ist im europäischen Vergleich im Mittelfeld platziert.

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«Die Schweiz hat im Bereich erneuerbare Energien gute Voraussetzungen für Sonne, Wind und Wasserkraft», sagt Rolf Wüstenhagen, Professor für Erneuerbare Energien an der Universität St. Gallen. Zurzeit deckt die Schweiz 21,1 Prozent ihres Energiebedarfs durch erneuerbare Energiequellen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schneidet die Schweiz im Mittelfeld ab: Führend sind Norwegen und Schweden mit über 50 Prozent. In Norwegen etwa wird der Umstieg auf Elektroautos über steuerliche Anreize gefördert, die den Preisunterschied zwischen Benzin- und Elektroautos aufheben. Zusätzlich kann Norwegen fast 100 Prozent seines Strombedarfs durch Wasserkraft decken. Dass Luxemburg mit nur 3,6 Prozent erneurbaren Energien schlecht abschneidet, liegt auch an der Grösse des Landes. «Im Kleinstaat werden die Nachteile, die auch in der Schweiz spürbar sind, nochmals verstärkt: viel Verkehr durch wohlhabende Einwohner mit grossen, schweren Fahrzeugen und gleichzeitig wenig Fläche zur Produktion von erneuerbaren Energien wie etwa Solarstrom», erklärt Wüstenhagen. Solarstrom deckt in der Schweiz erst etwa 2 Prozent des Verbrauchs. Trotzdem hätten die Anreize etwas bewirkt, sagt Rolf Wüstenhagen. «Die Wachstumsraten sind beachtlich, und es stehen noch mehr als 35'000 Projekte in der Warteschleife und warten auf Förderung.» Der Wille, in die Erneuerbaren zu investieren, sei also da. «Würde man all die heute blockierten Solar-, Wind- und Wasserkraft-Projekte realisieren, könnten diese bereits rund die Hälfte des Atomstroms kompensieren», erklärt Wüstenhagen.

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Bis 2020 will die EU den durchschnittlichen Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 20 Prozent erhöhen. Diesen Wert erreicht die Schweiz schon heute mit 21,1 Prozent – im Vergleich zu den europäischen Spitzenreitern liegt sie damit jedoch nur im Mittelfeld. Warum die Skandinavier so hohe Anteile erzielen, erklärt Rolf Wüstenhagen, Professor für Erneuerbare Energien und Energie-Management an der Universität St. Gallen.

«Schweiz müsste sich ehrgeizigere Ziele setzen»

Herr Wüstenhagen, an der Spitze des Rankings stehen Länder wie Schweden oder Norwegen. Warum?
Diese Länder nutzen ihre geografischen Vorteile sehr gut aus: Norwegen etwa erzeugt fast 100 Prozent seines Strombedarfs durch Wasserkraft. Gleichzeitig fördern die Norweger Elektroautos durch Steuergutschriften – das führt dazu, dass 2014 bereits 17 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch angetrieben wurden. Während die dicht besiedelte Schweiz immerhin 56 Prozent des Stroms aus Wasserkraft bezieht, ist der Verkehr fast zu 100 Prozent von nicht erneuerbaren Energien abhängig.

Am unteren Ende der Skala rangiert Luxemburg. Wie erklären Sie sich das?
Im Kleinstaat Luxemburg werden die Nachteile, die auch in der Schweiz spürbar sind, nochmals verstärkt: viel Verkehr durch wohlhabende Einwohner mit grossen, schweren Fahrzeugen und gleichzeitig wenig Fläche zur Produktion von erneuerbaren Energien wie etwa Solarstrom.

Auch wirtschaftlich weniger entwickelte Staaten wie Lettland erreichen einen Anteil von über 35 Prozent. Wie ist das möglich?
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für ein Land, den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen: diese vermehrt selbst zu produzieren oder insgesamt weniger Energie zu verbrauchen. In Lettland kommt beides zusammen. Einerseits gibt es viel Wasserkraft, und als waldreiches Land wird viel Holz für Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Andererseits ist der Pro-Kopf-Energieverbrauch rund ein Drittel tiefer als in der Schweiz. Das führt dazu, dass Lettland eine gute Gesamtbilanz erreicht.

Wo kann die Schweiz noch aufholen?
Im Bereich des Verkehrs wäre ein ähnliches Modell zur Förderung der Elektrofahrzeuge wie in Norwegen denkbar. Dort wird der Umstieg auf Elektroautos über steuerliche Anreize gefördert, die den Preisunterschied zwischen Benzin- und Elektroautos aufheben. Neben dem Verkehr hat die Schweiz im Bereich erneuerbare Energien gute Voraussetzungen für Sonne, Wind und Wasserkraft. Aufgrund unseres Potenzials könnten wir uns ehrgeizigere Ziele setzen. Die Skandinavier zeigen, was möglich wäre.

Nehmen wir die Solarenergie: Trotz Subventionen ist ihr Anteil am Energiemix in der Schweiz noch verschwindend klein.
Solarstrom deckt heute erst zwei Prozent des Schweizer Strombedarfs, während es zum Beispiel in Italien schon acht Prozent sind. Trotzdem haben die Anreize etwas bewirkt, die Wachstumsraten sind beachtlich und es stehen noch mehr als 35'000 Projekte in der Warteschleife und warten auf Förderung. Der Wille, in die Erneuerbaren zu investieren, ist also da. Würde man all die heute blockierten Solar-, Wind- und Wasserkraft-Projekte realisieren, könnten diese bereits rund die Hälfte des Atomstroms kompensieren.

Bis 2020 sollen in der EU 20 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Ist das realistisch?
Grundsätzlich schon. Solche Vorgaben üben ja auch immer einen gewissen Druck aus, der in den letzten Jahren auch bei Ländern, die sich sonst nicht durch die gezielte Förderung der Erneuerbaren hervorgetan haben, seine Wirkung zeigte. Trotzdem haben viele Länder immer noch grosses Potenzial: In Frankreich etwa könnte mit Wind- und Solarenergie noch viel herausgeholt werden. Und auch in Südeuropa gäbe es noch viel zu tun. Dort fehlt jedoch zurzeit das Kapital, den Erneuerbaren den nötigen Schub zu verleihen.

Wie sehen Sie den Energiezukunft in 20 Jahren?
Ich denke, dass längerfristig der diversifizierte Einsatz von erneuerbaren Energien den Grossteil des Energiebedarfs in Europa decken kann. Die grösste Dynamik liegt – übrigens auch weltweit – bei Solar- und Windenergie, zusammen mit der Wasserkraft werden Sie in den nächsten Jahrzehnten eine wesentliche Rolle spielen. Biomasse kann einen ergänzenden Beitrag leisten, die Geothermie und andere Technologien wie zum Beispiel Wellenenergie haben hingegen noch nicht die Marktreife erlangt.

Welches EU-Land seine Ziele schon erreicht hat und wer noch aufholen muss, zeigt die folgende Grafik.

(pam/ekr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.A. am 20.04.2016 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bewilligung nicht erteilt...

    Die Schweiz wäre ohne Mehrkosten wesentlich weiter vorne, wäre sie etwas grosszügiger mit den Bewilligungen. Unser "Rückstand" ist das Versäumnis der letzten 20 Jahre.

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  • Tiefencastel am 20.04.2016 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    nur 21%?

    Ich habe immer gelernt, die Schweiz mache 60% des Stromes aus wasserkraft und 40% aus Atomstrom (so ca). Kann mir einer helfen?

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  • Reto am 21.04.2016 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache ist....

    Steinigt die Politiker und Wirtschaftsbosse, welche hier die Zukunftsbremsen sind. So lange das Geld und der Reichtum hier zu Lande wichtiger ist, als saubere Energie, werden wir immer hinter her hinken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Baslerbebbi am 22.04.2016 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    So lange man 38 Jahre hat für die Amortisation einer installierten Anlage, kann das nicht klappen. Das ist reine Augenwischerei. Ich frage mich, wie das erst in Skandinavien funktionieren soll...

  • S. Trom am 21.04.2016 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gebühren und Monopol!

    Ich bezahle 114.- Gebühren für den Stromzähler (Einkaufpreis EW max. 150.-). Dazu benötige ich 4 Module welche das ganze Jahr Strom produzieren. Ich kann nicht zum Anbieter 3 Gemeinden weiter wechseln. So müsste ich weniger bezahlen und bekäme für den Strom mehr. Tja, das muss durch die Politik entfernt werden.

  • Fritz am 21.04.2016 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    keine Subventionen!

    Erneuerbare Energie ja, aber OHNE Subventionen!

    • Monty Burns am 21.04.2016 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      Atomstrom wird auch MASSIV subventionier

      Atomstrom wird ja auch Subventioniert: Jahrzehntelange Forschung, Forschungsreaktoren, Bau der Reaktoren, Beschaffung der Brennstäbe, Endlagerung des radioaktiven Abfalls (die Schweiz hat den Atommüll jahrzehntelang im Meer entsorgt), Abbau, etc.

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  • Physiker am 21.04.2016 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Elektroautos - dann aber richtig!

    Mehr Elektroautos bringen rein gar nichts, wenn der Strom dazu aus Kohle- und Gaskraftwerken kommt. Dieser Sachverhalt wurde schon zur Genüge in vielen wissenschaftlichen Publikationen dargestellt. Wüstenhagens Hinweis auf Norwegen bringt also rein gar nichts, solange der Strom dazu nicht CO2-frei hergestellt wird. Merke: CO2-freier Strom liefert auch die Kernenergie.

    • martin am 21.04.2016 14:26 Report Diesen Beitrag melden

      eneuerbar ist trumpf!

      Aber die Kernenergie wollen wir nicht - vor allem nicht unsere steinalten AKW's. Aber reden kann jeder - in 2 Wochen steht meine PV Anlage auf dem Dach.

    • Windenergiegegner am 21.04.2016 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      Wir?

      Wir? Ich bin für die Kernergie. Also reden sie nicht von wir. Aber in einem haben sie Recht. Besser PV als Windenergie.

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  • bneze am 21.04.2016 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik vom 2013

    Wenn ihr schon einen solchen Beitrag erfasst, dann zeigt bitte Zahlen vom 2016 auf und nicht Werte, die drei Jahre hinterher sind.