Energy Challenge

03. Juli 2017 18:30; Akt: 06.07.2017 09:59 Print

Dieses Haus war eine richtige Energieschleuder

von Stephanie Sigrist - Bis vor kurzem auf Erdöl angewiesen, heute Minergie-A-Standard: Die Totalsanierung eines Wohngebäudes in Zürich-Schwamendingen.

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Schweizweit sind insgesamt rund eine Million Gebäude energetisch sanierungsbedürftig. Dazu gehörte bis vor kurzem auch dieses Haus an der Stettbachstrasse 43 in Zürich-Schwamendingen. Das Apartmenthaus war 1970 als Antwort auf den dringenden Bedarf älterer und junger Personen nach kleinen, bezahlbaren Mietwohnungen in der Stadt Zürich erbaut worden. Die Struktur mit Kleinwohnungen wurde auch nach der Totalsanierung beibehalten. Im Gebäude befinden sich 50 Wohneinheiten, den grössten Teil machen Ein- oder Zweizimmerwohnungen mit kleinem Bad aus. Die durchschnittliche Wohnfläche beträgt 35 Quadratmeter pro Person – das ist deutlich weniger als der Schweizer Durchschnitt, der 2015 laut dem Bundesamt für Statistik bei 45 Quadratmeter pro Person lag. 180 Quadratmeter Sonnenkollektoren an den Aussenwänden, eine Photovoltaikanlage gleicher Grösse auf dem Dach, ein Wasserspeicher im ehemaligen Abluftschacht sowie eine Wärmepumpe mit zwei Erdsonden im Keller genügend Energie für alle Bewohner. Das Gebäude im ruhigen Schwamendinger Quartier weist eine positive Heizenergiebilanz auf. Die dieses Jahr neu erstellte Attika-Wohnung im fünften und somit obersten Stock ist mit dreieinhalb Zimmern die grösste Wohneinheit des Mehrfamilienhauses an der Stettbachstrasse 43 in Zürich-Schwamendingen. Zur Attika-Wohnung mit dreieinhalb Zimmern gehört eine grosszügige Dachterrasse mit Aussicht über die Dächer von Schwamendingen. Die Miete für die grösste Wohnung mit Balkon schlägt mit 2700 Franken zu Buche – für den Kreis 12 ein eher hoher Preis. Bei einem Rundgang an einem heissen Sommertag fällt auf, dass es im Gebäude sogar um die Mittagszeit angenehm kühl ist. Das ist unter anderem auf die gute Dämmung des Umbaus sowie die helle Farbe der Aussenfassaden zurückzuführen. Der im Bild zu sehende Hopfen an der Aussenwand hilft zusätzlich beim Kühlen, da Pflanzen Verdunstungskälte abgeben. Das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen unterstützt Hauseigentümer beim Bauen und Sanieren mit Fördergeldern. Ob bei einem Einfamilienhaus, einem Mehrfamilienhaus oder einem Dienstleistungsgebäude – eine Investition in Energieeffizienz und erneuerbare Energien bringt Aufwand- und Kosteneinsparungen durch die Abstimmung der Massnahmen sowie eine Wertsteigerung durch Energieeffizienz, senkt den Energieverbrauch für Heizen und Warmwasser, sorgt dank eines angenehmeren Raumklimas für mehr Komfort und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz.

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«Dieses 1970 erbaute Apartmenthaus war während gut vier Jahrzehnten eine regelrechte Energieschleuder und von Erdöl abhängig. Inzwischen erzeugen Sonnenkollektoren an den Aussenwänden, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, ein Wasserspeicher im ehemaligen Abluftschacht sowie eine Wärmepumpe mit zwei Erdsonden im Keller genügend Energie für alle Bewohner», sagt Beat Kämpfen, Geschäftsführer des Architekturbüros Kämpfen für Architektur, über das komplett umgebaute Mehrfamilienhaus an der Stettbachstrasse 43 in Zürich-Schwamendingen.

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1970 war das Haus als Antwort auf den dringenden Bedarf nach kleinen, bezahlbaren Mietwohnungen für eigenständiges Wohnen in der Stadt Zürich erbaut worden. Das Angebot richtete sich an alleinstehende junge Erwachsene und ältere Personen. Heute machen Wochenaufenthalter und Studenten den grössten Teil der Mieterschaft aus. Mit einem Mietpreis von 810 bis 865 Franken pro Monat sind die Einzimmerwohnungen für Studenten denn auch eine echte Alternative zum WG-Zimmer. In 14 Wohnungen sind zudem Bewohner einer nahegelegenen Einrichtung für betreutes Wohnen untergebracht.

Eine Million Gebäude in der Schweiz müssten energetisch saniert werden

Mit dem Umbau sollte zum einen das Erbe des damaligen Architekten und Bauherrn gewahrt werden, aber auch eine energetische Totalsanierung stattfinden. Wie das Mehrfamilienhaus an der Stettbachstrasse sind in der ganzen Schweiz rund eine Million Gebäude energetisch sanierungsbedürftig.

Die Struktur mit Kleinwohnungen wurde nach der Totalsanierung beibehalten: Auf fünf Stockwerken befinden sich 50 Wohneinheiten, in denen rund 60 Personen leben. Dabei überwiegen nach wie vor Kleinwohnungen mit einem oder zwei Zimmern sowie kleinem Bad. Die grössten Wohneinheiten des 1970 erbauten Mehrfamilienhauses sind vier Attika-Wohnungen mit zweieinhalb respektive dreieinhalb Zimmern. Diese Wohnungen sind auf Paare ausgerichtet. Die Miete für die grösste Wohnung mit Dachterrasse schlägt mit 2700 Franken zu Buche. Im Erdgeschoss befindet sich ein grosser Gemeinschaftsraum mit Küche, der von den Mietern reserviert werden darf. Die durchschnittliche Wohnfläche inklusive Treppenhaus und Gemeinschaftsraum beträgt 35 Quadratmeter pro Person – das ist deutlich weniger als der Schweizer Durchschnitt, der 2015 laut dem Bundesamt für Statistik bei 45 Quadratmeter pro Person lag.

Die geringe Wohnfläche pro Person als heiztechnische Herausforderung

Das Gebäude im ruhigen Schwamendinger Quartier weist eine positive Heizenergiebilanz auf. Im Vergleich zu Einfamilienhäusern ist es bei dichter bewohnten Häusern deutlich schwieriger, eine positive Energiebilanz zu erreichen: «Die Energie zum Heizen wird vielfach auf der Gebäudeoberfläche erzeugt, wie hier etwa mit den Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen. Bei Mehrfamilienhäusern ist die Oberfläche des Gebäudes in Relation zur Anzahl Bewohner kleiner als bei einem Einfamilienhaus», erklärt Kämpfen.

Bei einem Rundgang an einem heissen Sommertag fällt auf, dass es sogar um die Mittagszeit auch im Dachgeschoss angenehm kühl ist. Das ist unter anderem auf die gute Dämmung des Umbaus sowie die helle Farbe der Aussenfassaden zurückzuführen. An den Fassaden heraufwachsender Hopfen hilft zusätzlich beim Kühlen, da Pflanzen Verdunstungskälte abgeben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner T. am 03.07.2017 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    viel zu teuer

    Eine 3-Zimmer-Attika Wohnung für 2'700.- pro Monat ist viel zu teuer, wer kann sich das denn noch leisten? Die sollen endlich mal lernen so zu bauen, dass es solche Wohnungen für die hälfte gibt!

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  • Heinz Maier am 03.07.2017 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kostenfrage

    Schön und gut. Eine renovation vom althaus mit öl/gasheizung auf minergie a standard kann sich aber nicht jeder leisten

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  • Michi am 03.07.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    Wer ist denn so verzweifelt, dass er 2'700 Fr. plus PP und vermutlich zus. NK für eine 3.5-Zi. Wohnung bezahlt?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jc heusser am 04.07.2017 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    EFH Besitzer?

    Und die EFH aus den 60-70Jahren? Da wäre auch noch viel zu tun in Sachen "Energieeffizients", aber die machen nichts "freiwillig" weil meist die "Rückstellungen" fehlen!

    • Eigentümmer am 04.07.2017 22:45 Report Diesen Beitrag melden

      Die krux mit dem Heimatschutz

      Grundsätzlich geht es immer um das Kosten/Nutzen verhältniss. Auch bei prifaten anlegern, sollte die Investition sich in spätestens 8Jahren rechnen. Alles andere ist Hobby. Wie Sie selbst sehen, ist die Energieneutralität für normale Arbeiter nicht finanzierbar. 3.5 Zimmer 2700.-/Monat. Da verzichte ich gerne auf den letzten Schrei, aber habe tragbare Mieten.

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  • Peter der Verschwender am 04.07.2017 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann es mir leisten

    Mich interessiert der Quatsch nicht. Habe genug Geld um die bezogene Energie zu zahlen. Wenn ich 25 Grad im Winter will mach ich dies. Auch Heizpilze auf der Terrasse, ein Muss. Dieser Rot Grüne Wahn ohne mich.

    • Stimmbürger am 04.07.2017 22:50 Report Diesen Beitrag melden

      Ausgeleiert

      Rechtsaussensprüchlein dieser Art werden langsam langweilig. Dieser "Trump-Style" Narzismuss geht dem Volk langsam auf die Nerven und es macht sich auch an der Wahlurne bemerkbar. Im Wallis ebenso wie in Frankreich oder den Niederlanden.

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  • Ölbrennwert am 04.07.2017 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    vernünftig sanieren...

    Habe in meinem Haus (1984) letztes Jahr die 25 jährige Ölheizung durch eine moderne Ölbrennwertheizung ersetzt. ca. 30 % weniger Heizölverbrauch. Unter 10 Liter/m2 bei 22-23 Raumthemperatur im Winter. Also sehr nahe an Minergie, oder? Ich würde aber niemals auf die Idee kommen, irgendeine Isoloation (z.B. brennbares Polystyrol) ans Haus kleben.

    • D. Stuessi am 04.07.2017 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Wenig? Viel!

      Aktuell werden 4 Liter (= ca. 40 kWh) pro m2 bei Neubauten realisiert. Da sind die 10 Liter (= ca. 100 kWh) nicht wirklich vorzeigbar.....

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  • St. Romer am 04.07.2017 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Facts und Figures bitte!

    Was hat der ganze Umbau gekostet? Wie hoch waren die individuellen Mieten und NK vorher und nachher? Gab es spezielle Subventionen oder Beiträge zur Vergünstigung des Umbaus? War es ein subventioniertes Forschungsprojekt? Oder wieder so ein Marketinggag wie die Monte Rosa Hütte; dort wurden die Energieziele (Autark sein) ja auch nicht erreicht.

    • Hänsel am 04.07.2017 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      Fast Unmöglich

      @St.Romer Den Heimatschutz hast Du noch vergessen, die wollen's dann immer ganz speziell.

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  • Vagin Analev am 04.07.2017 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    minergie

    ich habe jetzt vom m5 auf den etwas neueren c63 gewechselt der verbrauch liegt nun bei 20l anstatt 22 und die co2 emission ist um 50g tiefer. der umwelt zuliebe;)