Energy Challenge

06. Juli 2017 13:35; Akt: 12.07.2017 17:59 Print

Firmen locken Fachkräfte mit Nachhaltigkeit

von Stephanie Sigrist - Bei der Rekrutierung von qualifizierten Arbeitnehmern werden die Unternehmenswerte immer wichtiger.

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Vielen Schweizer Unternehmen ist aufgefallen, dass vor allem Vertreter der Generation Y grossen Wert auf das Image des Arbeitgebers legen. (Bild: Pexels)

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Neben einem angemessenen Lohn, flexiblen Arbeitszeitmodellen und der viel zitierten Möglichkeit zur Selbstverwirklichung suchen Fachkräfte laut einem Artikel der «Harvard Business Review» bei der Wahl eines Arbeitgebers vermehrt nach einem zusätzlichen Faktor: Nachhaltigkeit und einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Firmen, die ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, sollen 25 bis 50 Prozent tiefere Fluktuationsraten aufweisen. Ausserdem soll es diesen Unternehmen leichter fallen, neue Mitarbeiter zu rekrutieren – und diese auch zu halten. Nutzen auch Schweizer Firmen den Faktor Nachhaltigkeit bei der Rekrutierung von auf dem Arbeitsmarkt umkämpften Fachkräften?

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«Es kommt vor, dass Bewerber uns auf unser Nachhaltigkeitsengagement ansprechen und sich positiv dazu äussern», bestätigt Thomas Hügli, Chief Sustainability Officer bei der Versicherungsgesellschaft AXA. Laut Ladina Caduff, Leiterin CSR-Management bei der Schweizer Bankengruppe Raiffeisen, achten viele Arbeitnehmer auf das Image ihres Arbeitgebers. «Dazu gehört auch das Thema Nachhaltigkeit, wovon gemeinwohlorientiertes sowie ethisches Verhalten, Diversität oder ökologische Zukunftsfähigkeit wichtige Elemente sind», so Caduff.

Insbesondere junge Fachkräfte legen darauf grossen Wert. «Nachhaltigkeit stellt bei der Generation Y sicher einen Punkt in der Arbeitgeber-Attraktivität dar, ist jedoch nicht allein ausschlaggebend», ist auch David Luyet, Head of HR Marketing bei Swisscom, überzeugt.

«Man muss sich mit dem Arbeitgeber identifizieren können»

Doch auch der nachfolgenden Generation Z seien Werte wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sehr wichtig, hat der Schweizer Onlinehändler Brack.ch erkannt. «Die Vertreter dieser Generation geben ihr Geld für lokale Bioprodukte, Fair Trade, besonders sparsame Fahrzeuge oder Geräte aus und daher ist es nur konsequent, wenn man sich von einem Unternehmen beschäftigen lässt, das – wie man selbst – ebenfalls nicht verschwenderisch mit Ressourcen umgeht und seine Verantwortung wahrnimmt», findet Daniel Rei, Teamleiter Redaktion / PR beim Onlinehändler. «Man muss sich mit dem Arbeitgeber identifizieren können. Das funktioniert aber nur, wenn der Arbeitgeber nicht nur Greenwashing zur Imagepflege betreibt, sondern Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmensstrategie fest verankert, Ziele gesteckt sind und deren Erreichung regelmässig überprüft wird.»

Luyet von Swisscom zufolge ist es aber schwierig, Erfahrungen diesbezüglich zu messen. «Wir merken einfach, dass das Thema Nachhaltigkeit immer öfter in Vorstellungsgesprächen thematisiert wird und Swisscom positiv bewertet wird.»

Bei Adobe Schweiz betreiben IT-Nerds Urban Gardening

Diesen Trend hat man auch beim Softwarehaus Adobe beobachtet: «Qualifizierte Fachpersonen haben in der Tat ein grosses Interesse an der Nachhaltigkeit von Unternehmen entwickelt. Im Rekrutierungsprozess kann es ein wichtiger Vorteil sein, wenn man mit konkreten Beispielen aufzeigen kann, dass sich das Unternehmen um ressourcensparende und umweltfreundliche Prozesse bemüht», erklärt Angelo Buscemi, Country Manager von Adobe Schweiz. Im Fall von Adobe Schweiz könne beispielsweise dargelegt werden, dass man die geschäftlichen Reisetätigkeiten der Mitarbeiter reduziere und stattdessen auf State-of-the-Art Videoinfrastruktur setze, um Meetings zwar so persönlich wie möglich aber gleichzeitig nicht zu Lasten der Umwelt abhalten zu können. Am Adobe-Standort in Basel betreiben die Mitarbeiter Urban Gardening auf der Dachterrasse, was bei neuen Teammitgliedern ebenfalls sehr gut ankomme, berichtet Buscemi.

Der Managed-Cloud-Anbieter Rackspace hat ähnliche Erfahrungen gemacht: «Natürlich leben wir Nachhaltigkeit nicht nur, um potenzielle Bewerber anzulocken», betont Reinhard Waldinger, Managing Director International bei Rackspace. Insbesondere für Digital Natives sei es bei der Wahl eines Arbeitgebers jedoch zentral, dass sie hinter dem Unternehmen und dessen Werten stehen könnten. «Nachhaltigkeit und Umweltschutz waren uns unternehmensweit schon immer extrem wichtig. Seit wir dies vermehrt kommunizieren, erhalten wir regelmässig positive Rückmeldungen in Vorstellungs- und Mitarbeitergesprächen.» Diese Bemühungen scheinen sich auszuzahlen: Rackspace wurde dieses Jahr bereits zum dritten Mal in Folge zum besten Schweizer Arbeitgeber für kleine Unternehmen gekürt und 2017 wurde der Managed-Cloud-Anbieter auch auf Europa-Ebene zum Sieger ernannt.

«Unsere intakte Umwelt soll bewahrt werden»

«Nachhaltigkeit ist aus unserer Sicht ein wichtiges Puzzleteilchen, das heutzutage einfach zu einem verantwortlichen Arbeitgeberprofil gehört. Wer die Bedürfnisse der Menschen und Umwelt gleichermassen respektiert, zieht auch Fachkräfte an, die selbstverantwortlich denken und handeln und unsere Werte teilen», sagt Gregor Stücheli, Mitinhaber und Managing Partner von Inventx, einem Schweizer IT-Berater für Banken. «Wer so nah an der Natur ist wie wir mit unserem Sitz in Chur, ist natürlich sehr sensibilisiert für Nachhaltigkeit, damit unsere intakte Umwelt bewahrt werden kann.»

Lorenz Isler, Sustainability und Public Affairs Manager bei Ikea, schlägt in die gleiche Kerbe: «Immer mehr Firmen verstehen, dass kein Weg an der Nachhaltigkeit vorbeiführt», ist sich Isler sicher. «Fachkräfte bewerten Firmen zunehmend nach ethischen Kriterien und es wird immer wichtiger, dass sie den Arbeitgeber als nachhaltig betrachten.» Insofern habe das Engagement von Ikea in diesem Bereich durchaus positive Nebeneffekte bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden.

Ist Ihnen wichtig, dass Ihr Arbeitgeber auf Nachhaltigkeit setzt? Teilen Sie uns in den Kommentaren mit, worauf Sie bei der Jobsuche achten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jym am 06.07.2017 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Identifikation?

    Wie sollen sich Arbeitnehmer mit der Firma identifizieren können, wenn sie wie Zitronen ausgepresst werden und damit rechnen müssen, ab 50 mit jungen Fachkräften aus dem Ausland ausgewechselt zu werden.

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  • geisser martina am 06.07.2017 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    schön nachhaltig

    Wie soll das gehen, einerseits gibt es immer mehr Studierende die egal einen Job wollen und anderseits sind wir eine Wegwerfgesellschaft die genießen will. Nachhaltigkeit heisst auch weniger Konsum.

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  • Adobe? am 06.07.2017 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Unsichere Proprietäre Software

    Wie soll man sich damit identifizieren können?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Angestellter am 08.07.2017 00:32 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Versprechungen

    Erst die Vorzüge der Firma und all die tollen Werte gut verkaufen. Wenn man dann wirklich da arbeitet stellt sich sehr schnell heraus das alles nur eine Show ist und jeder nur eigene Interessen verfolgt. Nichts mehr mit gemeinsamen Werten. Die Benefits werden schnell mal als etwas hingestellt für das man dankbar sein muss. Das man genau diese als Argument genommen hat um die Leute in die Firma zu bringen ist dann nicht mehr wichtig. Da bleibt schnell nichts mehr übrig von der Motivation.

  • Erdenbürger am 07.07.2017 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Loyalität

    Hatte als Unternehmer selber 20 Mitarbeiter. Für mich war wichtig Loyalität und Zufriedenheit. Bezahlte lieber gute Löhne als ewiger Personalwechsel.

  • Anton Keller am 07.07.2017 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    nachhaltig tiefen Löhnen

    Firmen locken Fachkräfte mit nachhaltig tiefen Löhnen. Ist auch eine Form von Nachhaltigkeit.

  • Peter impel am 07.07.2017 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gruss aus der green building community

    Jetzt wäre es schön wenn all diese Firmen auch in Nachhaltig gebauten Gebäuden arbeiten würden, da hinken die Meisten hinterher, oft wird nur greenwashing betrieben wie, ja wir beziehen nur noch Solar Strom etc. dabei unterstützt das EWZ dies auch mit nuclear wenns zu wenig solar hat etc. wie wäre es mit selber produzieren und nachhaltige Produkte zum bauen, dämmen, veredeln zu verwenden? Ahh das ist mit kosten/Investitionen verbunden das maag man nicht........

    • GECKO am 07.07.2017 22:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter impel, ZH schiesst den Vogel ab

      Die Firma für die ich arbeite stellt gerade einen Neubau auf. Auf meine Frage, warum die 1500m² Dachfläche nicht mit Solarpanels bestückt werden, hiess es nur Bauvorschriften, das Dach muss begrünt werden. ZH schiesst in jeder Beziehung den Vogel ab.In den kleinen Kantonen ist es der Filz, der das Vorwärtskommen verhindert, in ZH der Sumpf. Ach ja EWZ und EKZ geht gar nicht. Natürlich sind die gegen Selbstversorger, es gehen ja Zahler verloren.

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  • Susanne am 07.07.2017 03:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, Firmen wollen und verlangen...

    ...dass wir mit Nachhaltigkeit arbeiten. Punkt.