Zürich

20. April 2016 10:42; Akt: 20.04.2016 10:42 Print

Glasfassade liefert Strom im Überfluss

Eine Altbausanierung in Zürich könnte neue Massstäbe setzen: Die Fassade produziert mehr Energie, als die Bewohner verbrauchen.

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«Schweizer Premiere»: Das umgebaute Mehrfamilienhaus am Zürcher Schaffhauserplatz. (Bild: V+P Visualisierung)

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Mitten im Zürcher Kreis 6 entsteht ein «Leuchtturmprojekt», das bahnbrechend sein könnte für energetische Sanierungen von Altbauten. Der Zürcher Architekt Karl Viridén erneuerte einen Altbau mit Solarfassade, wobei die Solarenergie mehr Energie liefert, als die Bewohner verbrauchen.

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Sanierungen mit glänzender Energiebilanz reichen laut Viridén mit Blick auf die 2000-Watt-Gesellschaft nicht mehr. «Ein Haus sollte heute auch Energie produzieren», sagte er am Dienstag an der Hausbesichtigung.

Bei der Sanierung des Altbaus aus dem Jahre 1982 wurde eine Glasfassade eingesetzt, die nebenher Energie produziert. Dafür wurde erstmals ein System verwendet, das Energie in Form von Solarstrom erzeugt und das zudem optimal in das Gebäude und die innerstädtische Siedlungsumgebung integrierbar ist.

Solarfassade passt sich der Umgebung an

Als «Kernstück der Schweizer Premiere» bezeichnete Viridén das Photovoltaikmodul mit matter Oberfläche, dessen Farbe unterschiedlich gewählt werden kann. Zwar hebt sich das Material beim Eckhaus im Kreis 6 von den benachbarten, verputzten Hauswänden deutlich ab. Doch mit dem dezenten grau-grünen Farbton passt sich die erneuerte Fassade dennoch optisch ansprechend in die Umgebung ein.

Insgesamt erzeugen Fassaden- und Dachflächen so viel Solarstrom, dass der Energiebedarf für Raumklima, Beleuchtung und weitere Anwendungen in den 30 Wohn- und zwei Büroeinheiten gedeckt und knapp ein Fünftel der Stromproduktion als Überschuss in das Stromnetz des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz) eingespeist werden kann. Die erneuerte Gebäudehülle produziert aber nicht nur Strom. Zusammen mit einer optimalen Wärmedämmung und der Wärmeversorgung mit einer Wärmepumpe kann der Heizenergiebedarf um 88 Prozent reduziert werden.

Speichersystem mit Batterie

Ein weiteres Ziel sei die maximale Eigenbedarfsabdeckung, sagte Viridén. Möglichst viel des produzierten Stroms soll zeitnah vor Ort genutzt werden, entweder direkt oder nach einer Zwischenspeicherung. Ab 2018 wird deshalb ein Stromspeichersystem mit Batterie eingesetzt.

Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, bezeichnete das Zürcher Projekt als «Haus der Zukunft». Es habe dank beispielhaftem Gesamtkonzept Vorbildfunktion für Gebäudesanierungen und zeige auf, wie sich die Energiezukunft der Schweiz gestalten könne.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Na sowas am 20.04.2016 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich find's super

    Wow. Das ist wohl die Zukunft. Mir gefällt der Ansatz. Endlich nicht mehr vom Öl abhängig - Elektroautos werden dann auch endlich so wirklich ökologisch, wenn der Strom langfristig regenerativ gewonnen wird.

    einklappen einklappen
  • Worm77 am 20.04.2016 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Echt toll! In so nen Haus würde ich auch gerne leben. Die Energie einfach selbst produzieren. Was noch interessant wäre ist, wie hoch die Investitionskosten sind. Ob sich dies auch finanziell lohnt.

  • generation x am 20.04.2016 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zukunft

    Respeckt an die Planer, die mal an die Umwelt denken! Wir brauchen mehr solcher Häuser!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus L. am 24.04.2016 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Silo

    Gute Idee. Warum hat man das nicht am hohen Getreidesilo im Kreis 5 gemacht?

  • Christopherus am 22.04.2016 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten?

    Und was kostet dieser Spass? Was nützt die Selbstversorgung wenn aufgrund der hohen Investitionen die Mieten nicht mehr bezahlbar sind.

    • g.nervt am 23.04.2016 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christopherus

      wenn alle nur so kurzfristig denken würden, ändert sich nie etwas und die kommenden gnerationen haben für diese denkweise zu "zahlen" aber nicht mit papiergeld...!

    einklappen einklappen
  • Ys am 21.04.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Man sollte nur noch baubewilligung für häuser geben die ihr energiebedarf selber herstellen können. Es geht ja.

  • Pascal am 21.04.2016 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative für AKWs

    Super Idee... Vorschlag: Alle Häuser ab sofort nur noch so bauen und gleichzeitig die AKWs parallel abschalten. Wenn Strom der Treibstoff der Zukunft sein sollte, dann ÖKO. Wir könnten der Umwelt einen Gefallen tun, ohne unsere Lebensqualität zu verlieren.

  • Casanova Thomaso am 21.04.2016 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltverträglichkeit im Gesamtkontext

    Über die graue Energie zur Herstellung der Panels wird nie gesprochen und ebenso wenig über den Zeitraum, wann die Mehrkosten amortisiert sind.