Energy Challenge

05. September 2017 16:57; Akt: 06.09.2017 10:21 Print

Ist die Schweiz geeignet für Solar-Energie?

Zu geringe Sonneneinstrahlung, zu teuer und hässliche Solarpanels – das sind die grössten Vorurteile gegenüber Solarenergie.

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Die heutige Nutzung der Photovoltaik hängt nur bedingt von der Intensität der Sonneneinstrahlung ab. (Bild: Julian Salinas, Bundesamt für Energie)

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Die Sonne ist eine unerschöpfliche Energiequelle und die Nutzung der Kraft des Himmelskörpers mittels Photovoltaik-Modulen oder Sonnenkollektoren schafft eine Unabhängigkeit von externen Stromanbietern. Wie alle erneuerbaren Energieformen ist Solarenergie deutlich umwelt- und klimaschonender als fossile Brennstoffe. Trotz dieser gewichtigen Vorteile kursieren laut Energie Schweiz nach wie vor zahlreiche Vorurteile und Mythen rund um die Solarenergie. An dieser Stelle soll damit aufgeräumt und dringenden Fragen nachgegangen werden.

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Eine weitverbreitete falsche Annahme beispielsweise ist, dass wir in der Schweiz nicht genügend Sonnenstunden hätten für Solarenergie. Die jährliche Einstrahlung variiert hierzulande je nach Standort zwischen 1050 und 1550 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das heisst, auf die gesamte Fläche der Schweiz mit ihren 41'285 Quadratkilometern trifft etwa 200-mal mehr Sonneneinstrahlung als im gesamten Land Energie verbraucht wird.

Potenzial der Sonne wird nicht einmal annähernd ausgeschöpft

Einige sehr sonnige Standorte wie Sion VS oder Samedan GR sind punkto Einstrahlung sogar mit der Toskana in Italien oder der französischen Provence vergleichbar. Die heutige Nutzung der Photovoltaik hängt aber nur bedingt von der jeweiligen Intensität der Sonneneinstrahlung ab. Zu den Ländern mit der stärksten Nutzung in Europa gehören sowohl südliche Länder wie Griechenland und Italien als auch Deutschland, Belgien oder die Tschechien. Das Produktionspotenzial auf Dächern und Fassaden ist hoch, könnte es doch rund die Hälfte des gesamten Schweizer Stromverbrauchs abdecken. Dieses Potenzial wird jedoch noch kaum genutzt: 2016 waren erst auf fünf Prozent der geeigneten Dach- und Fassadenflächen Photovoltaik-Anlagen installiert.

Ferner wird oft moniert, dass Photovoltaik-Anlagen zu teuer seien. Was hat es mit diesem Vorurteil auf sich? Eine Photovoltaik-Anlage von 30 Quadratmetern auf einem Einfamilienhaus kostet ungefähr 15'000 Franken. Zieht man die finanzielle Förderung des Bundes von 3400 Franken (Stand: ab 2018) sowie Steuerabzüge von rund 2900 Franken ab, kostet die Anlage noch 8500 Franken.

Die Kilowattstunde Strom kostet nur noch die Hälfte

Die Herstellungskosten für den selbst produzierten Strom liegen bei 13 Rappen pro Kilowattstunde. Nach Abzug der Förderung und der Steuerersparnis sind es 9.5 Rappen pro Kilowattstunde. Das ist deutlich weniger als die 20 Rappen pro Kilowattstunde, die Haushalte in der Schweiz durchschnittlich für den Strom aus der Steckdose bezahlen. Somit lohnt es sich, den selbst produzierten Solarstrom direkt selbst zu verbrauchen. Die Überschussproduktion, die nicht direkt im Haus gebraucht werden kann, wird ins Stromnetz abgegeben. Dafür erhält man eine Vergütung – den sogenannten Einspeisetarif.

Auch Ästheten haben ihre Einwände gegenüber Photovoltaik-Anlagen: Die an der Aussenfassade von Häusern angebrachten Module seien hässlich anzusehen. Die heute meistverbreitete Technologie sind kristalline Module, die in Standardgrössen produziert werden und meist blau bis schwarz aussehen. In den letzten Jahren wurden diese jedoch stark weiterentwickelt und die Auswahl ist deutlich grösser geworden. Bei kristallinen Silizium-Modulen beispielsweise können die einzelnen Zellen anders aneinandergereiht werden und damit mehr Formen bilden als nur die Standard-Rechtecke. Dünnschicht-Module erlauben nochmals flexiblere Formen und ermöglichen unter anderem eine Anpassung an eine geschwungene Form. Sogar die Farben der Module können mit neuen Technologien verändert werden. Inzwischen reicht die Farbpalette von Grün über Rot bis hin zu Weiss.

Für wen produziert meine Solaranlage Strom?

Ein weiteres Vorurteil ist, dass der mittels Photovoltaik-Anlagen erzeugte Strom gar nicht selbst genutzt werden kann. Dies ist nicht komplett falsch: Solaranlagen produzieren hauptsächlich tagsüber Strom, insbesondere zur Mittagszeit. Auch wenn tagsüber niemand zu Hause ist, gibt es einige Geräte wie Kühlschränke, Gefrierfächer oder Steuerungen, die durchgehend Strom verbrauchen. Weitere laufende Verbraucher können Geräte im Stand-by-Modus wie Fernseher, Stereoanlagen, Router, Kaffeemaschinen oder Kopiergeräte sein. Dieser Strombedarf kann ebenfalls durch die Photovoltaik-Anlagen gedeckt werden. Grosse Stromverbraucher wie Kochherd, Backöfen und Küchengeräte oder IT-Anwendungen werden hauptsächlich am Morgen und Abend genutzt. Je nach Jahreszeit und Wetter können auch sie von der eigenen Anlage gedeckt werden.

Welcher Anteil des produzierten Stroms selbst verbraucht werden kann, hängt gemäss Energie Schweiz vor allem von der Grösse der Anlage und dem individuellen Energie-Nutzungsvergalten ab. Bei einer sehr kleinen Anlage von zwölf Quadratmetern sind 35 bis 50 Prozent des produzierten Stroms für den Eigengebrauch. Der restliche Teil wird gegen eine Vergütung des Stromversorgers ins Netz gespeist. Ist die Anlage etwas grösser und misst bis zu 30 Quadratmeter, können nur noch 20 bis 40 Prozent des produzierten Stroms selber verbraucht werden.

(sts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonnenpannel am 05.09.2017 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Speichern der selbstprod.Energie

    wann werden Speicher salonfährg. D.h. bezahlbar?

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  • .Nicolas. am 05.09.2017 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja ist sie

    ja ist sie. natürlich ist die Schweiz geeignet. aber solange man keine richtige Wechselrichter installieren darf wird es schwer. mit den Überschuss sollte man Wasser in die Stauseen pumpen. und somit ist die Energie für die Nacht u.s.w gespeichert.

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  • ruru am 05.09.2017 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Waserkraft vor Solarenergie nutzen

    Ich habe nichts gegen Solarenergie. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass wir zuerst unseren Wasserstrom nutzen sollten und Solarenergie erst in zweiter Priorität einsetzen sollten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • giorgio1954 am 06.09.2017 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    2 probleme

    Wir haben 2 riesige Probleme. Heute tut man so, als ob sie gelöst wären. In 5- 10 Jahren werden sie die politische Agena für Jahrzehnte beherrschen. Nr. 1 die Bevölkerungsexplosion. Nr. 2 das ungelöste Energieproblem.

  • Sebihubi am 06.09.2017 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Geld verdienen

    Ich habe eine Photovoltaikanlage und verdiene damit Geld im Sommer

  • Reto T am 06.09.2017 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    viel Glück bei der Suche nach Lösungen

    am besten orientiert man sich an den heute vorhandenen technischen Lösungen, ob die Kosten/Nutzen Rechnung aufgeht ist halt so eine Sache. Orientiert man sich an Partei Aussagen, namentlich der Grünen überkommt einen schiere Verzweiflung. An Realitätsferne sind die beinahe nicht zu übertreffen.

  • Tom67 am 06.09.2017 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Förderungsmafia

    Förderung habe ich ca 2010 mal beantragt, um mein Hausdach mit Panels zu bestücken. Preis damals für ca 60m2: über 50'000 CHF. Förderung des Staates: 0.00. Begründung des Staates: die verfügbaren Förderbeiträge seien schon alles verteilt und das bis 2018. Empfänger der Fördermittel: Axpo und Konsumtion. Daher ist mein Hausdach immernoch mit nackten Ziegeln bestückt

    • roland baumgartner am 06.09.2017 20:31 Report Diesen Beitrag melden

      Förderung

      Es geht ja nicht hauptsächlich um das Geld. Es gibt auch Einmahlzalungen, so haben wir es gemacht und sind mit der Anlage sehr zufrieden

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  • Cel Lo am 06.09.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverbrauchsanlagen

    Heute kostet 1 kWp Photovoltaikanlage ca. SFR. 1500 Bei einem Ertrag von ca. 1100 kWh pro Jahr. Da heißt wir liegen unter 15 rp pro kWh. Also günstiger also der Strom vom ew. Als eigenverbrauchsanlage lohnt sich das jederzeit. Aber, die Gegner reden alles schlecht.