Energy Challenge

10. Juli 2017 16:05; Akt: 12.07.2017 08:55 Print

Stromfresser in der Mietwohnung – was tun?

Die Küchengeräte in der Wohnung eines Lesers verbrauchen zu viel Energie. Muss der Vermieter handeln? Dr. Energy hilft weiter.

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Achtung bei kaputten Küchengeräten: Gemäss den meisten Mietverträge müssen kleinere Reparaturen selber bezahlt werden. (Bild: The Simpsons / 20th Century Fox)

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Wie kann mein Vermieter dazu gebracht werden, die alten Stromfresser wie Herd, Backofen, Kühlschrank und Gefrierschrank gegen energieeffiziente Geräte auszutauschen – ohne dass wir nachher gleich ein paar hundert Franken mehr Miete bezahlen müssen?

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Roland (40) aus Frenkendorf (BL)

Wie du schreibst, gibt es viele alte Haushaltsgeräte, die echte Stromfresser sind. Solche gehören ausrangiert und ersetzt. In jedem Fall sollten aber solche Geräte bei einem Defekt nicht noch repariert werden. Das lohnt sich nämlich nicht. Die Möglichkeiten zur Einflussnahme als Mieter ist zwar eingeschränkt, aber es ist auch als Mieter möglich, seine Stromrechnung niedrig zu halten.
Neben der Energieeffizienz des Gerätes hat auch die Nutzung einen nicht unbedeutenden Einfluss. Beispiel Kühlschrank: Die Kühlraumtemperatur ist in den allermeisten Fällen zu tief eingestellt, obwohl mit kühleren Temperaturen die Haltbarkeit der Lebensmittel nicht verlängert werden kann, nur der Stromverbrauch nimmt mit jedem Grad um rund 10 Prozent zu. Um die Temperatur richtig einzustellen, empfehle ich dir die «Butter-Regel»: Die Kühlraumtemperatur sollte so eingestellt werden, dass die Butter streichfähig bleibt. Hier noch ein ergänzender Energiespartipp: Lebensmittel aus dem Tiefkühler am Vortag in den Kühlschrank legen und dort – und nicht unter laufendem Warmwasser – auftauen lassen.

Durchschnittlicher Stromverbrauch muss angegeben werden

Je nach Gerät ist der Einfluss der Nutzer unterschiedlich: Bei den Kühlgeräten und in der Waschküche spielt es eine grosse Rolle, welche Energieetikette das Gerät hat. Was auf dieser zu stehen hat, ist übrigens gesetzlich geregelt und es lohnt sich, die dort enthaltenen Informationen wirklich zu lesen: Neben der Effizienzklasse sind dort auch der jährliche Stromverbrauch (bei Standardnutzung!) und die Geräuschemissionen dargestellt. Diese Energieetiketten sind für alle Haushaltsgeräte Pflicht.

An einem Beispiel haben wir für dich das Einsparungspotenzial abgeschätzt: Kühl- und Gefrierkombination mit einem Kühlteil-Nutzinhalt von rund 225 Litern, Gefrierteil rund 60 Liter und mit einem Strompreis von 15 Rappen pro Kilowattstunde. Wenn man ein Bestgerät der Effizienzklasse A+++ einsetzt, verbraucht dieses Strom im Wert von jährlich etwa 20 Franken. Im Vergleich dazu liegen die jährlichen Stromkosten eines Gerätes mit der Effizienzklasse B bei etwa 60 Franken. Glücklicherweise werden solche Geräte nicht mehr verkauft. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen in der Schweiz nur noch Kühl- und Gefriergeräte verkauft werden, die mindestens in der Effizienzklasse A++ sind.

In jedem Gerät steckt auch graue Energie

Aufgrund dieser Zahlenwerte bist du natürlich als Mieter daran interessiert, keine alten Haushaltsgeräte mehr in deiner Wohnung zu haben, was eigentlich verständlich ist. In jedem Gerät steckt aber graue Energie. Das ist die Energie, die aufgewendet worden ist, um das Gerät herzustellen. Ein Gerät, das noch einwandfrei funktioniert, sollte darum nicht sofort auf die Halde geworfen werden. Wenn aber eine Reparatur ansteht, muss geprüft werden, ob nicht eher ein Ersatz besser wäre.

Achtung: Gemäss den meisten Mieterverträgen musst du kleinere Reparaturen selber bezahlen. Ein Blick in deinen Mietvertrag ist also empfehlenswert. Eine Faustregel kann ich dir hingegen sagen: Mieterverband und Hauseigentümerverband haben sich auf eine Lebensdauertabelle geeinigt. Ein schadhaftes Gerät, das das dort angegebene Alter überschreitet, sollte sinnvollerweise nicht repariert, sondern ersetzt werden.

Darf die Miete erhöht werden?

Ob du nun bei einem Geräteersatz etwas bezahlen musst, ist mietrechtlich klar geregelt: Wird ein Gerät nur ersetzt, ist ein Mietzinsaufschlag nicht möglich. Wenn du aber beim Ersatz ein besseres Gerät bekommst – in der Fachsprache wird das als «Mehrleistung» bezeichnet – ist der Vermieter berechtigt, den Mietzins anzupassen. So ein Fall wäre zum Beispiel der Ersatz eines normalen Herdes durch einen Induktionsherd. Ob der Vermieter den Zins umgehend anpasst, ist eine andere Frage.

Es ist für jeden Vermieter wichtig, die Wohnung an möglichst langjährige Mieter abzugeben und an Mieter, die nicht wegen jeder Kleinigkeit reklamieren. Viele Mieterwechsel und Reklamationen kosten nämlich eine Stange Geld. Gut ausgestattete Wohnungen sind darum im Interesse des Vermieters, weil sich solche Wohnungen einfach besser vermieten lassen. Zusammengefasst: Wenn du zu der Gruppe der «problemlosen» Mieter gehörst, wird der Vermieter für dich ein offenes Ohr haben.

(sts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hermann Rodriguez am 10.07.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was tun als Mieter... ?

    Was für eine Frage. Vernünftig bleiben und kein Gerät austauschen, das noch funktioniert! Denn dann wird jegliche mögliche Energieeinsparung ad absurdum geführt! Allein die für Herstellung benötigte Energie kann KEIN Neues Gerät jemals einsparen. Also Hirn einschalten. Nichts tun und darauf achten, wenn's dann so weit ist, dass es was Neues gibt! Aber durch Medien und das grüne "Gesülze" verfallen viele in ihrer Naivität in panikartige Reaktionen und kurbeln tüchtig die Marktwirtschaft an. Sonst aber bewirken sie eher das Gegenteil!

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  • HP Kamelli am 10.07.2017 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    einfacher Plan für Eigenheimbesitzer

    Brauchen bis es nicht mehr geht.. danach gucken ob man es selber irgendwie flicken kann.. wenn nicht, neues kaufen, wiederum ein Markengerät (die sind fast alle A++/+++), dass wieder 10 - 20 Jahre hinhält.

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  • Thomas der Un-Oekologische am 10.07.2017 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Lustige Geschichte....

    Für den Camping Wagen bzw. den Vorbau habe ich einen Kühlschrank mit Gefrierfach für 180.- gekauft. Der Nachbar ebenfalls ein ähnliches Produkt, etwas kleiner aber für rund 1100.-. Pro Jahr zahle ich für Den Kühlschrank ca. 20.- Strom, während den Abwesenheiten schalte ich Ihn aus. Der Nachbar lässt ihn ganzjährig laufen, kostet Ihn ca. 180.- Strom. Mein Nachbar ist Oberstufenlehrer und versucht mir nun seit 3 Wochen immer noch zu erklären, dass man mit seinem Oeko++++ Gerät Strom sparen kann und CO2 Emissionen verringert werden können. Gut hat mein Kind keine Mathe bei ihm...;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Odin allvater am 11.07.2017 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Vermieter

    Meiner Meinung nach müsste msn auch mal die Eigentümer verstärkt in die Pflicht nehmen da viele Wohnungen schlecht oder garnicht Saniert sind bzw. Immer noch über Küchen mit Geräten die zum teil über 25 Jahre oder älter sind verfügen. Oder das Gebäude schlecht bis garnicht isoliert sind. Ich zu meinem teil lebe in einem Haus das noch aus der Plattenbau ära stammt. Im Winter zieht es vom Schlafzimmer und Essbereich durch. Und im Sommer habe ich das gegenteil. Bei mir heizt es die Wohnung trotz geschlossener Schalusienen extrem auf. Trotz geschlossenen Fenster und Dunkelheit.

  • aw55 am 11.07.2017 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Energie

    Das wussten wir ja gar nicht, da muss uns erst das BA für Energie auf die Spur helfen. Armselig.

  • Hugo von Sinnen am 11.07.2017 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    "ein Strompreis von 15 Rp. pro Stdunde ?

    Wo bitte bekomme ich einen Strompreis von 15 Rappen pro Kilowattstunde ?

    • Henä am 11.07.2017 19:13 Report Diesen Beitrag melden

      Doch

      passt schon. ich bezahle 11 Rappen Niedertarif und 20.5 Rappen Hochtarif. 100% erneuerbare Energie...

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  • Frederick Zeiter am 11.07.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Selber kaufen

    Warum kaufen die Leute sich nicht einfach Ihre eigene Wohnung oder Ihr eigenes Haus. Dann müsste man nicht immer den Vermieter(CHEF) fragen ob man was darf oder nicht. Die Schweiz soll so ein reiches Land sein. Aber 80% der Bürger leben in einem Mietverhältnis. Im Ausland leben vielleicht 5 % in Mietwohnungen. Das sind dann meisten Sozialbezüger oder Mindestlöhner. Die Schweiz das land der armen Mieter. Der Titel dieser Story müsste also heissen: "Wie komme ich aus diesem Mieterchaos raus"

    • Mino am 11.07.2017 08:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Frederick

      Warum hören Leute nciht einfach auf arm zu sein? Dann wäre jedes Problem gelöst! Jetzt einmal im ernst, würde auch nur die Hälfte eine Wohnung mieten, wenn sie sich tatsächlich eine kaufen könnten? Die Preise sind derart absurd hoch, dass man mit dem heutigen Einkommen froh sein kann überhaupt eine Mietwohnung leisten zu können, die ein wenig mehr Platz bietet als eine Schuhschachtel, geschweige denn von einem Eigenheim.

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  • Logisch Denker am 11.07.2017 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Kühlschrank auf 4 Grad = Ideal

    Wer sagt das die Haltbarkeit der Lebensmittel nicht verlängert wird bei jedem grad Kühler ? das ist einfach gelogen! Wenn die Butter streichbar ist (da ist keine Margarine gemeint) dann ist es so warm, dass alles andere kaputt geht! 4 Grad ist optimal können Sie überall nachlesen.

    • maja naef am 11.07.2017 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      was stimmt jetzt'

      7 Grad ist optimal. Liest man überall!

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