Drei Jahre Haft

05. September 2012 21:04; Akt: 06.09.2012 10:12 Print

Lehrer für Sex mit Schülerin verurteilt

von Lukas Nef - Ein Aargauer Bezirksschullehrer hat sich über Jahre an einer minderjährigen Schülerin vergangen. Am Mittwochabend wurde der Lehrer zu drei Jahren Haft verurteilt.

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Der Fall wird am 5. September 2012 vor dem Berzirksgericht in Brugg AG verhandelt. (Bild: lun)

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Alles flog im November 2006 auf. Der Bezirkschullehrer, der im Kanton Aargau unterrichtete, wurde festgenommen und sofort entlassen. Grund: Er soll eine noch nicht volljährige Schülerin zwischen 2002 und 2005 unzählige Male vergewaltigt, sie zu abartigen Sexpraktiken gezwungen haben. Immer wieder habe er sie geschlagen und bedroht. Als er sich das erste Mal an dem Mädchen verging, war er selbst 32 Jahre alt.

Der Mann musste sich dafür am Mittwoch vor dem Bezirksgericht in Brugg AG verantworten. Er wurde am späten Abend wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind und Besitz von kinderpornografischen Bildern zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, zwei davon bedingt. Zudem erhielt er ein vierjähriges Berufsverbot und muss muss dem Opfer 9000 Franken Genugtuung zahlen.

Von dem Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung und der Nötigung wurde der Mann aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Kurz nach seiner Festnahme hatte er die sexuellen Handlungen mit der Minderjährigen zugegeben – die Anwendung von Gewalt indessen stets bestritten. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre gefordert.

Mit Stahlbürste im Intimbereich verletzt?

Wie es dem Opfer geht, das beim ersten Übergriff 14 Jahre alt war, ist nicht bekannt. Die Befragung der heute 24-Jährigen fand am Mittwochmorgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch die Presse war nicht zugelassen. Was sie durchmachen musste, listet die Anklageschrift schmerzlich detailliert auf. Unter anderem soll der Lehrer sie mit einer Stahlbürste im Intimbereich verletzt haben, sie bäuchlings aufs Sofa gebunden und ihr verschiedene Gegenstände anal eingeführt haben. In der Anklageschrift steht zudem, der Mann habe das Mädchen ins Gesicht geschlagen – oft habe er Ledergürtel und Peitsche eingesetzt. Er soll ihr gedroht haben, sie fliege von der Schule, wenn sie etwas erzähle, oder er informiere ihre Eltern.

Der Lehrer gab vor Gericht erneut zu, dass es zu sexuellen Kontakten gekommen ist; auch als das Mädchen noch minderjährig war. Der Geschlechtsverkehr habe jedoch im gegenseitigen Einverständnis stattgefunden. Den Vorfall mit der Stahlbürste bestritt er vehement. Bei der Peitsche habe es sich um eine Spielzeug-Peitsche gehandelt.

Über sein jetziges Leben und über seine Person gab er nur wenig preis. Der Mann lebt nach eigenen Aussagen von seinem Ersparten in der Nähe seiner Eltern. Er hat nach seiner Verhaftung keinen Job mehr gefunden, bietet sich aber im Internet als Lehrer an (siehe Box).

Prozess jahrelang verschleppt

Dass dieser dramatische Fall erst jetzt, zehn Jahre nach dem ersten Übergriff, vor Gericht verhandelt wurde, ist kaum zu rechtfertigen. Die Ermittlungen waren bereits 2006 so weit fortgeschritten, dass der Untersuchungsrichter bekannt gab, der Strafprozess könne 2007 stattfinden. Laut der «Aargauer Zeitung» kritisierten alle Involvierten die lange Untersuchungsdauer. Weshalb der schwere Fall nicht als prioritär eingestuft wurde, ist unklar.

Pflichtverteidiger Urs Oswald sprach im Vorfeld von einem «absolut einmaligen Fall von Verschleppung». Auch Patrick Stutz, der das Opfer vertritt, prangerte die Verzögerung an. Diese habe es für die heute 24-Jährige noch schwieriger gemacht, die schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten.

Bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verstauben hunderte Fälle auf dem Pendenzenberg. Die Aargauer Oberstaatsanwaltschaft hat vier neue Stellen geschaffen, um die Arbeit besser bewältigen zu können.

Mitarbeit: feb/hag

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