Bau-Kartell

12. Januar 2012 08:49; Akt: 12.01.2012 10:23 Print

Saftige Bussen für 17 Aargauer Baufirmen

Jahrelang hatten sich diverse Baufirmen im Aargau bei Offerten abgesprochen. Nun wurden sie mit Millionen-Bussen bestraft. Auch in Zürich laufen Ermittlungen.

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Wegen Kartellabsprachen bei Bau-Offerten hat die Wettbewerbskommission (WEKO) 17 im Kanton Aargau tätige Baufirmen zu Bussen von insgesamt 4 Mio. Fr. Busse verdonnert. Die Unternehmen sprachen sich über Preise und die Aufteilung von Märkten ab.

Das gross angelegte Kartell betraf rund 100 private und öffentliche Vergabeverfahren in den Jahren 2006 bis 2009, wie die WEKO am Donnerstag mitteilte. Die Unternehmen vereinbarten unter sich, wer mit welchen Beträgen Offerten einreichte. Damit teilten sie Bauprojekte und Kunden untereinander auf.

Die Ermittlungen liefen seit Juni 2009, als es zu Hausdurchsuchungen kam. Die Bussen, die sich nach dem Unternehmensumsatz und der Schwere des Verstosses richten, sind noch nicht rechtskräftig und können beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden.

Die niedrigste Busse beläuft sich auf 3750 Franken, die höchste - 1,44 Mio. Franken - muss das Aargauer Familienunternehmen Umbricht AG aus Turgi bezahlen. Das Unternehmen gestand in einer schriftlichen Stellungnahme an die Nachrichtenagentur SDA Absprachen ein.

Man habe sich «in der Vergangenheit leider in wenigen Einzelfällen dazu verleiten lassen, Abreden zu treffen», schreibt das Unternehmen. «Dies bedauern wir sehr.» Bei 2500 Offertanfragen im Zeitraum von 2006 bis 2009 habe es sich nach eigenen Recherchen aber lediglich um elf Fälle von Absprachen gehandelt.

Umbricht kritisiert aber die ausgesprochene Busse: Bei den Kunden sei kein Schaden entstanden. Ein Weiterzug an das Bundesverwaltungsgericht werde geprüft.

Implenia akzeptiert Busse

Bussen von mehreren hunderttausend Franken erhielten auch die Granella AG aus Würenlingen AG (644'000 Fr.), der Bauriese Implenia (591'000 Fr.) und die Erne AG aus Laufenburg AG (483'000 Fr.) aufgebrummt.

Implenia akzeptiere die WEKO-Busse in der Höhe von 591'000 Fr. für ein Unternehmen mit Sitz in Buchs AG. Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung würden wettbewerbsbeschränkendes Verhalten jeglicher Art verurteilen, teilte Implenia mit.

Es seien bereits umfassende interne Massnahmen getroffen worden. Vergleichbare Fälle sollten künftig ausgeschlossen sein. Implenia habe mit der WEKO kooperiert und betrachte die Angelegenheit mit der Busse als abgeschlossen.

Kronzeugen profitieren

Sieben Firmen hätten bei der Untersuchung kooperiert, teilte die WEKO weiter mit. Sie profitierten deshalb im Rahmen einer Kronzeugenregelung von einem Rabatt bei der Sanktion. Gar keine Strafe muss jene Firma bezahlen, welche sich als erste meldete und kooperierte. Gegen eine weitere Firma stellte die WEKO die Untersuchung ein.

Ursprünglich hatte das Sekretariat der WEKO im vergangenen Sommer Bussen von insgesamt 7 Mio. Fr. für die Baufirmen beantragt. Nach Anhörung der betroffenen Firmen passte die Kommission die Beträge an und verhängte die Sanktionen.

Absprachen bei Submissionsverfahren seien «besonders schädlich» und deren Bekämpfung gehöre zum Schwerpunkt der WEKO, heisst es weiter im Communiqué. Für die WEKO handelt es sich deshalb um einen «bedeutenden» Entscheid, der Signalwirkung auf weitere Verstösse haben soll.

Zeitgleich hatte die WEKO im Juni 2009 auch Untersuchungen wegen Absprachen im Baugewerbe im Kanton Zürich eröffnet. Dort seien aber noch weitere Ermittlungen nötig, hiess es dazu.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • b.weber am 12.01.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    wen wunderts....

    wen wundert das? das war schon immer so und wird auch weiter so laufen. und diese lächerlichen bussen werden daran auch nichts ändern.diese absprachen sind an der tagesordnung und das habe ich selber auch mit erlebt......

  • Winfried Schulte, Basel am 12.01.2012 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Da muss man sich nicht wundern,

    wenn die Immobilienpreise in die Höhe getrieben werden und dadurch auch die Mieten exorbitant hoch sind.

  • B. Aumeister am 12.01.2012 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ein offenes Geheimniss

    Im Bauwesen, besonders im öffentlichen Sektor (Strassenbau etc.), ist es ein offenes Geheimniss, dass Offerten "verschnorret", sprich abgesprochen werden. Da wird festgelegt, welche Firma bei welchem Objekt zum Zug kommen soll. Dazu werden die Angebote zu den Wunschobjekten "geschützt", indem die vermeintliche Konkurrenz absichtlich höhere Preise offeriert. So kriegt jeder seine Wunschaufträge zu den festgelegten Preisen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arbeiter am 12.01.2012 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bei solchen Straf-Aktionen

    dürfen wir uns dann aber nicht wundern, wenn es plötzlich mehr Arbeitslose gibt, weil die einzelnen Unternehmen in Zukunft ganz alleine , jeder gegen jeden sich am Markt zu behaupten haben. Mit Absprachen vermochten sie immerhin auch ihre Kapazitäten und Ressourcen effizienter disponieren zu können.

    • Reto Schwall am 12.01.2012 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      An Arbeiter

      Jede Firma hat beschränkte Kapazitäten. Diejenige welche ihre Kapazität ausgelastet hat soll nicht offerieren, so einfach ist das. Jedes Unternehmen soll, egal welche Branche, falls es unter Aufwand offeriert, untergehen. Es geht auch hier nur um Ehrlichkeit, aber diese ist im Bausektor nicht allermanns Sache...

    • Henry V am 12.01.2012 14:09 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch!

      Dadurch, dass gerade Implenia die Busse so schnell akzeptiert, bedeutet nichts anderes als weitermachen wie bisher, denn die Busse kommt billiger zu stehen und ist angesichts des Schadens, den die Bauherren mit zu hoch bezahlten beglichen haben, lächerlich. Und: Wenn Sie diese Absprachen befürworten, warum wollen Sie dann keinen Kommunismus? Planwirtschaft funktioniert nämlich genau so!

    einklappen einklappen
  • B. Aumeister am 12.01.2012 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ein offenes Geheimniss

    Im Bauwesen, besonders im öffentlichen Sektor (Strassenbau etc.), ist es ein offenes Geheimniss, dass Offerten "verschnorret", sprich abgesprochen werden. Da wird festgelegt, welche Firma bei welchem Objekt zum Zug kommen soll. Dazu werden die Angebote zu den Wunschobjekten "geschützt", indem die vermeintliche Konkurrenz absichtlich höhere Preise offeriert. So kriegt jeder seine Wunschaufträge zu den festgelegten Preisen.

  • b.weber am 12.01.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    wen wunderts....

    wen wundert das? das war schon immer so und wird auch weiter so laufen. und diese lächerlichen bussen werden daran auch nichts ändern.diese absprachen sind an der tagesordnung und das habe ich selber auch mit erlebt......

  • Winfried Schulte, Basel am 12.01.2012 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Da muss man sich nicht wundern,

    wenn die Immobilienpreise in die Höhe getrieben werden und dadurch auch die Mieten exorbitant hoch sind.

  • SILVIO CATHOMEN am 12.01.2012 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    SUPER

    man bescheisst den endkunden jahrelang, dann verpfeifft man die kollegen und kommt straffrei davon. unser system ist ja eine wahre freude.

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