Künstler lehnt Preis ab

20. November 2012 11:21; Akt: 20.11.2012 20:49 Print

«Güterwaggon hat mehr mit mir zu tun als dies»

Künstler René Zäch schlägt den mit 20'000 Franken dotierten Solothurner Kunstpreis aus - die Einladungskarte sei ein «lausiges, dilettantisches Produkt». Beim Kanton schüttelt man den Kopf.

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Man könnte an einen schlechten Scherz glauben: Der mit 20'000 Franken dotierte Kunstpreis des Kantons Solothurn konnte am Montag in Grenchen SO nicht verliehen werden – weil der Künstler René Zäch den Preis ablehnte. Landammann Peter Gomm äusserte sich an der Verleihung: «Der Kunstpreis hat für uns alle einen sehr hohen Stellenwert. Darum erwarten wir auch, dass er entgegengenommen wird.»

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Es handle sich um die erste Ablehnung des Kunstpreises, sagte Cäsar Eberlin, Leiter des Amtes für Kultur und Sport des Kantons Solothurn, am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Er bestätigte damit einen Bericht der «Solothurner Zeitung».

«Lausiges Produkt»

Der Künstler habe seine ablehnende Haltung in einem Schreiben vor rund 14 Tagen geäussert. Als Argument machte er die Einladungskarte geltend: «Ein derart lausiges, dilettantisches Produkt habe ich seit Jahren nicht mehr in den Händen gehabt», so Zäch. Im Schweizer Fernseher wurde er noch deutlicher: «Wenn ich diese Karte anschaue, muss ich denken: Wer ist da wohl gestorben?» Die Karte sei «oberflächlich» und zeuge von «Desinteresse am Preisgekrönten», sagte Zäch gegenüber «Schweiz Aktuell».

Was dem Künstler die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist ein Werk des jungen Fotografen Pete Cameron Dominkovits: Es zeigt Skulpturen, die nicht von Zäch erstellt wurden und gemäss dem Sprecher des Solothurner Regierungsrats einen Zusammenhang mit dem Veranstaltungsort haben – wie stets in der Vergangenheit. Ein Argument, das Zäch nicht gelten lassen will: «Das ist eine schleimige Ausrede. Da hat ein Güterwaggon im Bahnhof Grenchen mehr Zusammenhang mit dem Ort und sogar mit meiner Arbeit.»

Vom Kanton unterstützt

Der Fotograf selbst will nicht weiter Staub aufwirbeln und sagt auf Anfrage lediglich: «Ich habe den Auftrag für dieses Bild bekommen und schliesslich wurde es ausgewählt.» Er wolle sich nun nicht ins Zentrum stellen. «Beim Solothurner Kunstpreis geht es nicht um mich, sondern um jene Leute, die das ganze Jahr hindurch tolle Arbeit geleistet haben», so Dominkovits.

René Zäch war in seiner Laufbahn vom Kanton Solothurn unterstützt worden, unter anderem mit einem Werkjahr und einem Preis für grafisches und plastisches Gestalten. Erst 2010 widmete das Kunstmuseum Solothurn dem heute 66-Jährigen eine Ausstellung.

Weil der Künstler nicht bei der Preisverleihung erschien, muss er auch auf das Preisgeld von 20'000 Franken verzichten. Der Solothurner Regierungsrat entschied, den Betrag anderweitig in die Kulturförderung fliessen zu lassen. Zäch scheint dies nicht weiter zu stören: «Die Luft ist draussen. Es wäre mir peinlich, nun wegen dem Geld zu ‹stürmen›. Da bleibe ich lieber konsequent auf meiner Linie.»

(fum/bat/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Darf er eigentlich keine eigene Meinung haben? Er ist wenigstens Konsequent und will den Preis nicht. Also wo ist das Problem? Ich finde es wird immer schlimmer in der Schweiz. Wir müssen doch nicht alle immer mit dem Strom schwimmen..Man muss halt immer mit den Konsequenzen leben können wenn man nicht mit dem Strom schwimmt. Ob ich persönlich die Karte gut oder schlecht finde ist eine Nebensache. – Susanne

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chlöisi am 20.11.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Künstler nimmt keine Fotokunst an

    Bravo Solothurn

  • Benjamin Mark am 20.11.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Spendet die 20.000 CHF

    .... lieber an ein Kinderhilfswerk als es diesem "Künstler" zu geben.

    einklappen einklappen
  • Rolf Rütimann am 20.11.2012 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schlichte Typografie

    Als gelernter Schriftsetzer der «Alten Schule» erlaube ich mir die Bemerkung, dass die Karte gestalterisch sehr schlicht, aber keineswegs schlecht ist! Weniger ist oft mehr. Man hätte noch einen teuren Grafiker beschäftigen können, bringt aber kaum etwas.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elektromonteur am 21.11.2012 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Profile

    Der Tisch ist kein Tisch sondern eine Holzplatte,weiss gestrichen mit irgend welchen Metalprofilen dran.Es sieht so aus als sei es das Produkt eines Bastelnachmittags mit einem Schlosserlehrling.

  • Toni am 21.11.2012 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kunstbanause triff auf Künstler

    Von einer Kantonsstelle kann man auch nicht mehr erwarten. Kunstbanausen kann man für das fehlende Kunstverständnis keinen Vorwurf machen. Die Reaktion des Künstler ist klar falsch. Ob er damit Werbung versucht hat zu machen?

  • Ivo B am 21.11.2012 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst?

    Was bitte soll an dem Tisch Kunst sein? Ich denke dieser "Künstler" von dem wohl vor diesem Drama kaum jemand was gehört/gewusst hat, hätte den Preis dringend annehmen sollen... ich glaube nämlich da ist noch ne Menge Förderung nötig. ;o) Also echt, wie kann man nur so sehr von sich selber eingenommen sein um alles andere schlecht zu machen? Weder die Karte noch das Foto darauf ist schlecht! Gebt das Geld besser dem Fotografen oder dem Gestalter der Karte... bei denen, insbesondere beim Fotografen mit seiner zurückhaltenden art, wäre der Preis besser aufgehoben.

  • Fridolin Veyhl am 21.11.2012 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer geht nimmer ...

    wenigstens ist die Karte um ein vielfaches schöner als sein Werk von einem Tisch - oder soll es wirklich ein Tisch sein? Und er findet es auch noch schön! Das ist noch viel schlimmer. Ich frage mich nur, wer auf die Idee kam, ihn einen Preis zu übergeben. Oder geht das auch schon über "Boni" ?

  • Christian am 21.11.2012 01:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht erfüllt!

    Ich finde er hat recht, die Einladungskarte Ehrt den Künstler der die Skulpturen gemacht hat und nicht ihn. In der Schule würde man sagen die Karte ist Handwerklich gut aber hat das Thema verfehlt: 2

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