Stromschlag überlebt

27. November 2012 07:15; Akt: 27.11.2012 09:16 Print

«63 Prozent meiner Haut waren verbrannt»

von A. Bättig - Am Wochenende kletterte ein Jugendlicher auf einen Güterwagen und bekam einen tödlichen Stromschlag. Martin G. hatte vor 10 Jahren die gleiche Idee - und überlebte schwer verletzt.

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Beim Bahnhof in Glarus kletterte Martin G. auf einen Zug. Dabei erlitt er einen so starken Stromschlag, dass er zurück auf die Gleise geschleudert wurde.

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Immer wieder steigen Jugendliche auf Bahnwagen und kommen so in die Nähe der äusserst gefährlichen Stromleitungen. Erst am Wochenende kam so ein 16-Jähriger in Hunzenschwil im Kanton Aargau ums Leben. Denn meistens enden solche Unfälle tödlich.

Einer, der einen solchen Stromstoss überlebte, ist Martin G. Der heute 28-Jährige stieg am 14. April 2002 im Bahnhof Glarus auf einen Bahnwagen. Wie er diese Aktion überlebte und was danach passierte, schildert er gegenüber 20 Minuten Online:

«Am 13. April 2002 habe ich mit Freunden meinen 18. Geburtstag gefeiert. Dabei ging es natürlich feuchtfröhlich zu. Gegen vier Uhr in der Früh liefen wir auf dem Nachhauseweg am Bahnhof Glarus vorbei. Dort stand auf einem Gleis ein Zug bereit, der wohl am Morgen eingesetzt werden sollte. Als wir den Zug sahen, kam ich auf die Idee, dort raufzusteigen. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung mehr, was mich damals zu dieser Dummheit bewog. Ich stieg als erster auf den Zug, mein Kumpel folgte mir. Was dann geschah, kenne ich nur aus Erzählungen. Offenbar kam ich in die Nähe der Stromleitung. Ein gewaltiger Stromschlag erfasste mich und warf mich aufs Gleis. Ich war sofort bewusstlos. Gespürt habe ich nichts.

Verbrennungen zweiten und dritten Grades

Mein Kumpel rief sofort einen Krankenwagen. Der brachte mich zur Erstbehandlung ins Kantonsspital in Glarus. Danach kam ich auf die Intensivstation der Uniklinik in Zürich. Dort bin ich schliesslich nach einem halben Tag aufgewacht. Durch den Stromschlag waren 63 Prozent meiner Haut verbrannt. Es handelte sich dabei um Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Ich hatte zugleich Glück und Unglück, dass es an diesem Tag geregnet hatte. Glück, weil durch den Regen meine Kleidung nass war und mich der Stromstoss so nicht noch schwerer verbrennen konnte und nicht in meinen Körper drang. Unglück, weil durch den Regen der Strom von der Leitung auf mich viel besser geleitet wurde.

Insgesamt musste ich drei Monate in der Uniklinik bleiben. Mir wurde Haut aus dem Oberschenkel, vom Gesäss und dem Rücken auf die verbrannten Stellen verpflanzt. Danach ging es für weitere drei Monate in die Reha-Klinik.

Froh überlebt zu haben

Rückblickend muss ich sagen, dass mir die Gefahr überhaupt nicht bewusst war, die von solchen Leitungen ausgeht. Klar wusste ich, dass die gefährlich sind. Aber dass man so schnell erfasst wird, damit hatte ich nicht gerechnet.

Zum Glück sind die Wunden gut verheilt. Man sieht noch die Narben am rechten Arm, dort ist der Strom eingedrungen, am Oberkörper und an den Beinen, dort ist der Strom wieder ausgetreten. Das Gesicht wurde verschont. Grosse Einschränkungen habe ich heute wegen dem Unfall nicht. Nur mit den Fussgelenken habe ich noch Probleme. Ich musste deswegen das Fussballspielen aufgeben. Aber ich bin froh, diese Dummheit überlebt zu haben.»

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