Kleidervorschriften

11. Juni 2018 21:42; Akt: 11.06.2018 21:42 Print

«Auch Jungs tragen knappe Muskelshirts»

Das Gymnasium Oberaargau erlässt Kleidervorschriften nur für Mädchen. Experten meinen, Regeln sollten für beide Geschlechter gelten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schülerinnen am Gymnasium Oberaargau im bernischen Langenthal seien zu aufreizend gekleidet, meint die Schulleitung. Deshalb hat die Schule in einem E-Mail an die Mädchen der Schule Kleidervorschriften verfasst. Regeln nur für die Schülerinnen, nicht aber für die Buben, das findet eine Schülerin «diskriminierend und sexistisch».

Sie vermutet, die Schulleitung gehe davon aus, dass die Mädchen die Buben durch zu viel nackte Haut vom Unterricht ablenken würden. Im Schreiben wird die einseitige Empfehlung damit begründet, dass Frauen «ungleich mehr Möglichkeiten in Sachen Kleidungsstil» hätten.

Sensibilisiert bei der Kleiderwahl

Kleiderregeln nur für Schülerinnen, das unterstützen auch andere nicht. Grundsätzlich sollten Kleidervorschriften für alle gelten, sagt Stefan Wittwer, stellvertretender Geschäftsführer des Berufsverbands Bildung Bern. «Die Thematik ist für beide Geschlechter relevant – auch Jungs tragen teilweise knappe Muskelshirts.»

Beleidigende oder sexistische Aufdrucke würden von Schülerinnen und Schülern gleichermassen getragen. Man sei sensibilisiert, denn die Wirkung von Kleidern auf das Gegenüber sei ein wichtiges Thema an der Schule.

Erst in der Klasse diskutieren

«Es war wohl nicht die Absicht des Gymnasiums Oberaargau, mit den Vorschriften jemanden zu diskriminieren», meint Wittwer. «Ich hätte die Kleiderwahl in der Klasse sicher diskutiert.» Komme das Problem häufig vor an einer Schule, könnten Vorschriften aber sicher sinnvoll sein.

«Selbstverständlich für beide Geschlechter»

Dem pflichtet Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), bei. Die Kleidung gehöre zum individuellen Ausdruck einer Person – und falle daher unter den Schutz der persönlichen Freiheit. «Verboten werden darf das Tragen von Kleidern mit Menschen verachtenden, Gewalt verherrlichenden oder sexistischen «Botschaften» auf der Kleidung», hält Zemp fest. Kleiderregeln seien möglich: «Schulintern kann man Hinweise auf weniger zu empfehlende oder unangemessene Kleidung geben – diese sollten aber selbstverständlich für beide Geschlechter gelten.»

(bus)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Swiss1291 am 11.06.2018 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt wirds übertrieben

    Was wäre passiert, wenn Kleidervorschriften einfach nur für die Buben rausgegeben worden wären? Wetten, dass es nicht einen einzigen gejuckt hätte, geschweige den eine oder mehrere Zeitungsartikeln Wert wäre? Bei jeder Kleinigkeit wird gleich Sexismus gerufen, man kann es so gar nicht mehr ernst nehmen. Es verliert so einfach an Ernsthaftigkeit, wenn wegen jeder Kleinigkeit, die garnichts damit zu tun hat, danach geschrien wird. Übrigens, mal daran gedacht, dass die Schule beu Bekleidung vielleicht nur mit Mädels probleme hat? Schöne neue Zeit..

    einklappen einklappen
  • marc am 11.06.2018 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Das gabs bei uns auch und niemand hat sich darüber beschwert eher war der algemeine Tenor der Mitschülerinnen "wer sich nur mit seiner Kleidung identifizieren kann hat ein amderes Problem".

    einklappen einklappen
  • Allyn am 11.06.2018 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wird euer Arbeitgeber denken

    wenn ihr so im Büro aufkreuzt? bei uns war es damals so das was später im Büro nicht geduldet wird hat auch in der Schule nichts zu suchen. das hiess keine Ausschnitte bis zu den Kniescheiben, keine vergammelten Trainerhosen und keine anstössigen Aufdrücke.Das man halbwegs ordentlich gekleidet in die Schule kommen sollte und das Schulhaus weder ein Strich noch die örtliche Modeschau ist war damals noch jedem Männchen und Weibchen klar...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • AenduF am 12.06.2018 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaftsdiskussion

    In meinen Augen zeigen solche Diskussionen in erster Linie, wie sehr die Gesellschaft von Optik und deren 'Akzeptanz' geprägt ist. Schon nur eine Kleidung als 'nuttig' zu bezeichnen zeigt auf, wie wir Menschen anhand von Äusserlichkeiten einstufen. Auch die Argummentation der Kleiderregeln in der zukünftigen Berufswelt greift hier nur sehr bedingt, da den allermeisten Jugendlichen im Gymialter durchaus bewusst ist, dass in einer Firma gewisse Kleidervorschriften gelten. Meistens ist provozierende Kleidung eh ein Prozess der Rebellion gegen Gesellschaftsnormen und erledigen sich meist von selbst nach einer gewissen Selbstfindungsphase. Und zum Schluss: den Jugendlichen zu unterstellen, dass sie mit ihrer Kleidung Übergriffe provozieren ist ziemlich schäbig und sagt viel über die eigene Denkweise aus...

  • Dario89 am 12.06.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Und?

    Jungs/Männer dürfen keine offene Schuhe tragen und Mädchen ist dies aber erlaubt.

  • Pia Z. am 12.06.2018 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mee too 

    da wollen Mädchen leichtbekleidet rumlaufen, und schreien nachher nach mee too

  • igi am 12.06.2018 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt

    jetzt unabhängig vom Thema aber dieses Wort "Experte" kann ich mittlerweile nicht ernst nehmen.

  • Lüku am 12.06.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleidervorschrift

    Am besten gehen alle ohne Kleider in die Schule = keine Probleme mehr