Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
SP-Präsident Levrat
01. Dezember 2012 12:08; Akt: 01.12.2012 13:15 Print
«Auf dem bilateralen Weg in die Sackgasse»
Für SP-Präsident Christian Levrat ist die Schweiz heute stärker in die EU integriert ist, als sie es als EWR-Mitglied wäre. An der Delegiertenversammlung griff er die Europagegner scharf an.

Für Christian Levrat ist der europapolitische Status Quo keine Option. (Bild: Reuters)
SP-Präsident Christian Levrat
Christian
Levrat
SP, FR
NationalratVerbunden mit
Oeuvre Suisse d'Entraide Ouvrière (OSEO) Fribourg
weitere Verbindungen anzeigen fordert eine neue Auslegeordnung in der Europapolitik. «Der bilaterale Weg hat die Schweiz in eine Sackgasse geführt», sagte er am Samstag an der SP-Delegiertenversammlung in Thun. Die Schweiz brauche mehr Europa.
Bersets Aufruf
Bundesrat Alain Berset hat seine Partei aufgerufen, bei der Reform von AHV und der zweiten Säule mitzumachen. Dass eine solche schwierig werde, hätten die Diskussionen in den vergangenen Tagen gezeigt. Er stosse die Reform aber jetzt an, weil noch genügend Zeit bestehe.
«Wenn wir zulange warten, droht mit dem Stillstand die grösste Gefahr für unsere Altersvorsorge - der Druck auf die Renten», sagte Berset in Thun. Es müsse nun gelingen, eine gute Reform der Altersvorsorge zu realisieren. Doch: «Ohne die SP als Hüterin des sozialen Fortschritts erreichen wir das nicht.»
«Nichts tun wäre fahrlässig», sagte Berset weiter. Schon heute würden junge Menschen nicht mehr an die Zukunft der Altersvorsorge glauben. Das sei eine gefährliche Entwicklung. «Damit steht die Generationen-Solidarität auf dem Spiel.»
Wer behaupte, dass er die Altersvorsorge schwächen wolle, «der kennt mich schlecht». Das Rentenniveau müsse bleiben. Abbauvorlagen würden vom Volk angelehnt.
Mehr Mittel für Gleichstellungsbüro
Zum Rentenalter der Frauen, das Berset um ein Jahr auf 65 Jahre erhöhen will, sagte er: Die Frauen haben Recht, wenn sie dies nicht einfach hinnehmen. Zuerst müsse in der Arbeitswelt für Gleichstellung gesorgt werden. Das Gleichstellungsbüro in seinem Departement solle deshalb mehr Mittel erhalten und werde beauftragt, konkret weitere Lösungsvorschläge zu unterbreiten.
«Die Europapolitik der Schweiz befindet sich an einem Scheideweg», sagte Levrat in seiner Eröffnungsrede vor rund 250 Delegierten. Wie im Jahr 1999 brauche es deshalb erneut eine Auslegeordnung. Aufgrund dieser solle die Schweiz dann entscheiden, ob sie den bilateralen Weg weiterverfolgen, dem EWR oder direkt der EU betreten wolle.
Für die SP sei der Status Quo keine Option, stellte Levrat klar. Denn der Schweiz sei es immer weniger möglich, am Binnenmarkt der EU teilzunehmen ohne gleichzeitig auch die Regeln der EU zu übernehmen. «Schon heute sind sechzig Prozent unserer Gesetze direkt von Brüssel inspiriert.» Die Schweiz sei heute mehr in die EU integriert, als dass sie es mit einer EWR-Mitgliedschaft wäre.
Schädliche Stimmung
Die Europagegner, die am Samstag am Bielersee das Volksnein zum EWR vor zwanzig Jahren feierten, packte Levrat hart an. Er warf ihnen vor, die Schweiz wieder in jene schädliche Stimmung zu versetzen zu wollen, die damals vor der EWR-Abstimmung geherrscht habe. Die SVP lasse den Isolationismus hochleben, weil es ihr an grossen Themen mangle.
Zu einem allfälligen EWR-Beitritt äusserte sich Levrat skeptisch. Die Schweiz solle die Europadiskussion nicht neu anstossen, um dann einem Club beizutreten, der nur noch aus Norwegen, Island und Liechtenstein bestehe, sagte er. «Alle Länder auf unserem Kontinent - inklusive die Schweiz - brauchen heute mehr und nicht weniger Europa.»
Erst am Freitag hatte der Bundesrat festgehalten, dass er nichts von einem Beitritt zum EWR hält, um die institutionellen Probleme mit der EU zu lösen. Die Schweiz habe sich einen «helvetischen Konsens» für den bilateralen Weg entschieden. CVP-Präsident Christophe Darbellay
Christophe
Darbellay
CVP, VS
NationalratVerbunden mit
Robert Gilliard SA, Sion
weitere Verbindungen anzeigen hatte am Mittwoch einen EWR-Beitritt als möglichen Ausweg aus der Blockade vorgeschlagen.
Kroatien nur unter Bedingungen
Zum Thema Personenfreizügigkeit sagte Levrat, dass die SP weitere flankierende Massnahmen auf dem Arbeitsmarkt und neu auch in der Wohnungsfrage, bei den öffentlichen Infrastrukturen und im Bildungswesen verlange. «Sonst werden wir die Erweiterung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien nicht unterstützen.» Die SP mache nur mit, wenn alle von der Personenfreizügigkeit profitieren können.
Levrat kam auch auf das Bankgeheimnis zu sprechen. Er forderte den Bundesrat auf, «Weitsicht» zu zeigen und mit der EU über die Einführung des automatischen Informationsaustausches zu verhandeln. Die Schweiz solle Steuerkriminelle wie andere Kriminelle behandeln und sie nicht wie bisher als vermeintlich treue Kunden verhätscheln. Der Rechten warf er in diesem Zusammenhang «Heuchelei» vor.
Während die SP beim Bankgeheimnis oder auch bei Verteilungsfrage - Stichwort Managerlöhne - in der Offensive gehen könne, sei sie beim Thema Asyl noch nicht soweit, sagte Levrat weiter. «Eine kohärente Strategie, wie wir die Stimmung in der Bevölkerung umdrehen könnten, fehlt noch weitgehend.»
Verschiedene Initativprojekte seien in Diskussion. Ob die Partei beim Referendum gegen das revidierte Asylgesetz mitmacht, entscheidet die heutige Delegiertenversammlung.
(sda)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 75 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt



















Die SP schaufelt sich ja das eigene Grab
Der Herr Levrat (SP) soll doch seinen Schweizerpass gegen einen in einem EU-Land austauschen, dann hätte er sicher viel weniger Probleme !
CLASSE POLITIQUE
Typisch Herr Levrat - er politisiert stets komplett am Volk vorbei! Herr Levrat ist für mich das Bilderbuch-Beispiel der Classe politique!
Herr Levrat kann ja mit gutem Beispiel
vorangehen und sich freiwillig bevormunden lassen, wenn er glaubt, andere können es besser als er selber. Ist meine Meinung.