Sprachprobleme

14. März 2017 20:38; Akt: 14.03.2017 20:38 Print

«Aus Angst hat er kaum mit Patienten geredet»

Nicht alle Ärzte verfügen über ausreichende Sprachkenntnisse. 20-Minuten-Leser berichten von ihren Erfahrungen.

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In der Schweiz gibt es zu wenig Ärzte. Um diesen Mangel zu decken, kommen viele Ärzte aus dem Ausland. Das führt teilweise jedoch zu Problemen bei der Verständigung, denn nicht alle sprechen die Amtssprache gut genug. 20-Minuten-Leser berichten von eigenen Erfahrungen.

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16 %
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Insgesamt 2073 Teilnehmer

Bernadette Rohner* hat in der Vergangenheit in einer Psychiatrie als Pflegefachfrau gearbeitet. Sie erinnert sich, dass ein Assistenzarzt nur gebrochenes Deutsch gesprochen hat. Das Personal und die Patienten hätten Probleme gehabt, ihn zu verstehen. «Er hat kaum mit Patienten geredet, weil er sie schlecht verstand.» Dazu habe es Kommunikationsschwierigkeiten und Missverständnisse gegeben. Das habe sie äusserst frustrierend gefunden.

«Probleme mit Pflegepersonal»

Die 26-jährige Andrea Anselmi war eine Zeit lang öfter im Spital. Mit Ärzten aus dem Ausland hatte sie aber stets gute Erfahrungen gemacht, denn sie sprachen gut Deutsch. Sie hatte dafür Probleme mit dem Pflegepersonal. Sie erzählt: «Ich lag im Bett und war auf dem Weg in den Operationssaal. Der Pfleger fragte mich etwas, doch ich verstand ihn einfach nicht.» Schliesslich stellte sich heraus, dass er ihren Namen wissen wollte. Als sie ihm diesen sagte, verstand er sie nicht. «Er meinte, dass er die falsche Person in den Operationssaal bringe.» Glücklicherweise wurde das Missverständnis von einer dritten Person geklärt.

Userin Jesse Jamaika hat schlechte Erfahrungen mit einer Psychiaterin gemacht, die sie zur Abklärung eines Magenbypasses aufsuchte. «Sie wollte mir ein Antidepressivum verschreiben, obwohl ich keine Depressionen habe.» Die Psychiaterin habe ausserdem gemeint, dass Jesse Jamaika behindert sei. Dabei arbeitete sie nur in einem Heim für Behinderte.

«Ohne den Arzt wäre ich jetzt tot»

Andere sehen den Fehler nicht bei den Ärzten, sondern bei den Patienten. Im Spital, in dem User Marji arbeitet, sprechen alle Ärzte gut Deutsch. «Das Problem liegt eher bei den Patienten, die teilweise kein Wort Deutsch können und ihre Kinder als Übersetzer mitnehmen», schreibt Marji in den Kommentaren. Das sei viel gefährlicher als Ärzte mit schlechten Deutschkenntnissen.

Doch nicht alle sehen das Ganze so negativ. Leser «Bubi» schreibt: «Vor zwei Jahren hatte ich eine schwere Herzoperation, die in der Schweiz noch nie so durchgeführt worden war. Der Operationsarzt sprach kein Wort Deutsch, aber ohne ihn wäre ich jetzt tot.»

*Name geändert

(asc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leonita am 14.03.2017 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Patienten

    Genau das Problem sin Patienten die kaum Deutsch Sprechen, ich als Fag find das unerhört , wenn mann in einem Land ist und nach jahren immer noch kein Deutsch spricht. Aber mann darf das ja nicht sagen aber die meisten Fags denken so.

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  • Beobachter 73 am 14.03.2017 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ärztliches verständnis

    Es ist ein A und O das der Arzt den/die Patienten/in versteht. In welche Richtung soll den der Arzt den Patienten/in behandeln. Eine falsche Diagnose oder Fehlbild ist verheerend für den Patienten sowie für uns Prämienbezahler.

  • NR am 14.03.2017 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das liebe Geld

    Die Schweiz sollte genügend Ärzte ausbilden. Dafür werden Philosophen bis zum Abwinken ausgebildet und "Buchhalter" machen heute einen Doktortitel. Verkehrte Welt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Doil am 26.03.2017 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich verstehe Sie nicht.......

    ich ging mit extremen Bauchschmerzen ins Unispital ZH. Die Aerztin kam und meinte ganz freundlich, sie werde mir jetzt zuerst ein paar Fragen stellen. Sie fing also an:" Wie geht es mit den Winden?" "Wie bitte?" fragte ich höflich nach. " Mit den Winden. Geht das regelmässig?" Fragte die Aerztin nochmal geduldig und freundlich nach. Nur, Ich verstand beim besten Willen nicht, was die von wir wollte. . ... Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der meine Bauchschmerzen langsam aber sicher unerträglich wurden, fanden wir in Teamarbeit heraus, was sie von mir wollte. "Die Winde" - anscheinend ein hochdeutsches Wort, was auf "züridüütsch" so viel bedeutet wie: " Furzen".

  • Nancy am 17.03.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind sie???

    Da sind die Unis voll von Med. Studenten - wo sind die wenn sie fertig sind??? Der mit dem Pflegepersonal ist ja selbst gemacht! Wenn weiter am Personal gekürzt wird haben immer weniger Zeit auch noch Lernende ( sorry heute "lernt" man ja nicht mehr Pflegefachfrau, heute studiert man das an der HF... ist nicht besser, tönt nur so! ) auszubilden. Mehr Ausbildungsplätze/ Pratikumsplätze und es wäre sicher einfacher SchülerInnen zu finden. Früher telefonierte man an 2-3 Spitäler an einem bekam man nach einem Vorstellungsgespräch sicher einen Praktikumsplatz mit einer 1 wöchigen Probefirst.

  • karl am 15.03.2017 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    amtssprachpflicht sollte obligatorisch sein

    Egal in welchem arbeitsbereich. Es sollte pflicht sein, die vorherrschende amtssprache am wohnort soweit zu beherrschen, dass man gut miteinander kommunizieren kann. Hier ists halt deutsch, im tessin italienisch und in der welschen schweiz französisch. Ende diskussion. Ich kann auch nicht in barcelona, helsinki, tokyo oder sonst wo wohnen und erwarten, dass ich mich mit deutsch verständigen kann, seis beim einkaufen, beim arzt, wenn ich einen techniker brauche oder einen sportclub beitreten will

  • Duke am 15.03.2017 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Das Ergebnis...

    Das kommt halt davon, wenn immer mehr Leute in diesem Land leben. Es ist eine Lüge und Irrglaube, dass damit Fachkraft-Mangel behoben werden kann, es geschieht genau das Gegenteil, der Mangel und die Probleme werden immer grösser. War von Anfang an eigentlich logisch...aber Politik und Denken sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

  • Cespulia am 15.03.2017 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Fatales Missverständnis

    In der Notaufnahme erklärte mir ein ungarisch stämmiger Arzt, dass ich für einen Herzkatheter sofort ins Herzzentrum nach Zürich verlegt werden müsse. Auf meine Frage hin was mir den fehle, meinte er: "Ihr Herz ist beleidigt". Ich fand das natürlich absolut nicht schlimm und weigerte mich. Die Rettungssanitäterin erklärte mir die Dringlichkeit des Eingriffs - es handle sich um einen Herzinfarkt! Der Arzt war ohne Frage kompetent, doch eine Eins zu Eins Übersetzung kann problematisch werden.