Pestizide und Insektensterben

24. März 2018 15:32; Akt: 24.03.2018 15:32 Print

«Das Vogelsterben ist bei uns eher noch schlimmer»

von Sandro Büchler - Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach sieht einen Zusammenhang zwischen dem Insekten- und dem Vogelsterben. Letzteres setze sich ungebremst fort.

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Neuste Studien lassen die Alarmglocken läuten: In Frankreich sind die Vogelbestände demnach innert 15 Jahren um ein Drittel gesunken. Auch in der Schweiz sind die wichtigsten Vogelarten des Kulturlandes seit 1990 um 30 Prozent zurückgegangen. Allein im Kanton Zürich sind laut einer aktuellen Vogelzählung von BirdLife Schweiz und dem Kanton Zürich in den letzten Jahren 150'000 Brutvögel verschwunden.

Herr Kestenholz, wie steht es um die Vögel in der Schweiz?
Es sieht eher noch schlechter aus als im europäischen Umland. Die negative Entwicklung setzt sich ungebremst fort. Bereits dezimierte Vogelarten hatten in den letzten 20 Jahren weitere dramatische Einbrüche zu beklagen. Die Vogelwelt ist ein Abbild des menschlichen Einflusses auf die Umwelt. Am schlimmsten ist es im Kulturland. Dagegen haben sich die Vogelbestände im Wald recht erfreulich entwickelt, dank umsichtiger und nachhaltiger Waldpflege.

Wie wirkt sich das Insektensterben auf die Vögel aus?
Den Vögeln fehlt die Nahrung. Studien aus Deutschland zeigen, dass drei Viertel der Insekten verschwunden sind. In der Schweiz werden jährlich 2000 Tonnen Pestizide in der Landwirtschaft ausgebracht. Somit ist auch hierzulande das Futter für die Vögel und ihren Nachwuchs verschwunden.

Was sind weitere Gründe für das Vogelsterben?
Die Nährstoffbelastung der Böden mit Gülle macht die Wiesen zwar knallgrün. Für Vögel ist aber eine vielfältige Blumenpracht wichtig, nur da finden sie genügend Insekten. Üppig wachsende Wiesen werden auch zu früh und zu häufig gemäht. Das zerstört viele Bruten der in den Wiesen brütenden Vögel. Zudem gehen immer mehr Bäume verloren. Jeder Baum ist wertvoll als Nistplatz für gewisse Vogelarten.

Einige Vogelarten legen aber zu, beispielsweise die Krähe?
Die Zunahme bei den Krähen ist eine Folge der Eintönigkeit des Kulturlandes. Krähenschwärme profitieren von Monokulturen und sind deshalb ein Sinnbild für den menschlichen Einfluss.

Wie kann man das Vogelsterben bremsen?
Es braucht ganz klar eine nachhaltige Landwirtschaft. Weniger Dünger, weniger Viehbestand, weniger Pestizide. Vielfach geht vergessen, dass die Produktionsflächen der Bauern auch Lebens- und Erholungsraum für Mensch und Tier sind. Wollen sie eine schöne Blumenwiese mit Schmetterlingen oder von Plastik überdeckte Felder? Das Singen der Vögel ist Lebensqualität.

Wie kann ich Vögeln helfen?
Vor allem mit bewusstem Einkaufen von ökologisch produzierten Lebensmitteln. Und mit einem vogelfreundlichen Garten mit einheimischen Sträuchern. Lassen Sie alte Bäume stehen oder hängen Sie Nistkästen auf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • uschi am 23.03.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was haben wir getan?

    Leute gibt euch das nicht zu denken, was haben wir getan???

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  • Heidi Heidnisch am 23.03.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glyphosat? Nein Danke!

    Und sie - die Petro-Chemo-Pharma-Multis - träumten von einer Welt ohne Natur.

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  • Ein Stein am 23.03.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Biene, Vogel, dann Mensch

    Wie war es nochmal? Zuerst stirbt die Biene, dann der Mensch...? Vielleicht sollte nach Biene noch zuerst "Vogel" stehen. Einstein war nicht so verkehrt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zuhörer am 23.03.2018 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mhhhh

    Pro Sekunde wird ein Quadratmeter freies Land verbaut, die Ackerfläche hat sich seit dem Jahr 2000 um mehr als 20'000ha verkleinert und jetzt soll der Landwirt wieder an allem Schuld sein. Tolle Logik

  • Tach Eles am 23.03.2018 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch, der Parasit und seine Opfer.

    Also doch die hungrigen Mäuler der Überbevölkerung, die Schuld ist. Und nicht die Katzen... Der Mensch ist unschlagbar, wenn es darum geht, die Schuld von ihm zu weisen.

  • Vreni Bütler am 23.03.2018 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krähenplage / Nesträuber

    Vielleicht sollte man den Krähen auf die Pelle rücken!

  • Don Raudi am 23.03.2018 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Prophezeiung:

    Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

  • Bebri am 23.03.2018 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Alle wollen möglichst billige Lebensmittel ... Wenn die Landwirte noch rentabel produzieren wollen, müssen sie ständig grösser werden und brauchen halt auch eher die Keule. Es beginnt bei uns Konsumenten!!