Selbstfahrende Autos

06. Februar 2017 05:47; Akt: 06.02.2017 11:01 Print

«Blinde und Betrunkene können Auto fahren»

von D. Pomper - Weniger Stau, Unfälle und Kosten: Verkehrsexperte Jörg Beckmann glaubt, dass selbstfahrende Autos schon bald unsere Strassen erobern.

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Bald könnte man sich die 3000 Franken für den Führerausweis sparen. Laut dem Bundesamt für Strassen ist bei den voll automatisierten Autos eine Fahrprüfung nicht mehr erforderlich. Das sichere Fahren werde «aussliesslich durch die Technik gewährleistet», zitiert die Sonntagszeitung den Astra-Vizedirektor Werner Jeger. Leser jubeln in den Kommentaren bereits: «Da kann ich bis ans Lebensende fahren und muss nie mehr zum Eignungstest.» Ist das tatsächlich Zukunftsmusik?

Umfrage
Würden Sie selbstfahrende Autos benutzen?
30 %
13 %
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16 %
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Insgesamt 9772 Teilnehmer

Herr Beckmann*, für selbstfahrende Autos braucht es keine Fahrprüfung mehr. Darf dann jeder Autofahren - auch blinde, betrunkene oder sehr alte Menschen?
Vollautomatisierte Autos haben weder Steuerrad noch Bremspedal. Also braucht es auch niemanden mehr, der es lenkt. Das macht der Computer. Sie können das Fahrzeug neu einfach über eine App nach Hause bestellen. Sobald und solange ich also fähig bin, eine App zu bedienen und geschäftsfähig bin, kann ich mich mit dem selbstfahrenden Auto fortbewegen. Das können alte Menschen sein, die nicht mehr fahrtüchtig sind, Blinde, Behinderte, Betrunkene oder auch Kinder.

Aber was, wenn die Bremse nicht mehr funktioniert?
Es ist eine Voraussetzung, dass die Fahrzeuge auf Herz und Niere getestet werden, bevor sie auf den Markt gelassen werden.

Wie sicher sind selbstfahrende Autos, wenn Menschen darin sitzen, die keine Ahnung vom Fahrzeug haben?
Dank vollautomatisierten Fahrzeugen werden deutlich weniger Menschen sterben müssen. Wir haben in der Schweiz jährlich knapp 300 Verkehrstote. 94 Prozent davon gehen auf menschliches Fehlversagen zurück: überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol am Steuer und das Nichtanlegen des Gurtes. In einem vollautomatisierten Auto können Sie nicht mehr rasen und solange Sie den Gurt nicht angelegt haben, wird das Auto nicht starten. Dafür können Sie während der Fahrt ein Glas Wein trinken. Das Beste aber ist: Wir müssen kein Auto mehr besitzen und dieses lenken können um die damit verbundene Freiheit zu geniessen.

Wir besitzen bald keine eigenen Autos mehr?
Ja, das Auto wird zum öffentlichen Verkehrsträger. Die Autos werden von Flottenbetreibern wie der SBB oder von Google angeboten. Deren Ziel wird es sein Rendite zu erwirtschaften. Die Autos werden also nicht mehr herumstehen sondern ständig mit verschiedenen Personen unterwegs sein. Ein vollautomatisches Fahrzeug ersetzt bis zu 42 Autos. Das International Transport Forum geht davon aus, dass mit diesem System allein in der Stadt Lissabon 90 Prozent der Parkplätze eingespart werden können.

Wie teuer wird das Fahren in einem vollautomatisierten Auto?
Es wird auf jeden Fall günstiger. Erstens müssen Sie sich kein Fahrzeug mehr kaufen und bezahlen stattdessen nach Zeitdauer der Nutzung. Ausserdem können sie die Kosten weiter senken, wenn Sie bereit sind, das Auto mit anderen zu teilen. Es wird in Zukunft weniger Autos und entsprechend weniger Stau geben.

Wann werden wir soweit sein?
Es wird schneller passieren als wir denken. Schauen Sie sich Fotos an von New York aus dem Jahr 1903. Da finden sich viele Pferde und vielleicht ein Auto. Zehn Jahre später zeigt sich das umgekehrte Bild. Ich denke, dass 2020, spätestens 2030 die ersten Fahrzeuge ohne Lenker auf die Strassen kommen werden.

Ist das Nebeneinander von vollautomatischen und nicht oder teilautomatisierten Autos nicht eine grosse Herausforderung?
Ja, ein Computer reagiert anders als der Mensch. Es gibt das Beispiel eines selbstfahrenden Googleautos, das vor einer orangen Ampel abrupt gebremst hat, worauf ein vom Mensch gesteuertes Auto in es reingefahren ist. Deshalb sollte man in einem ersten Schritt vollautomatische Fahrzeuge nur in bestimmten Zonen zulassen, wo sie unter sich sind.

Vernetzte elektronische Systeme können auch eine Verlockung für Terroristen und andere Hacker sein.
Klar entstehen neue Sicherheitsprobleme. Dagegen muss man sich etwa mit Firewalls wappnen. Auch das vollautomatische Auto ist kein Allheilmittel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 05.02.2017 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten und Tee trinken!

    Die selbstfahrenden Autos werden ein paar wenige Ausnahmen auf den Strassen sein und bleiben. Es braucht dazu immer noch die Konsumenten und die wollen als grosse Mehrheit selber fahren... wetten??

    einklappen einklappen
  • Schämu am 05.02.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auto für alte Leute

    Dann ist es das ideale Auto für über 70 bzw. 75 jährige, die müssen dann nicht mehr zum Arzt oder Fahrlehrer um ihre Fahrtauglichkeit zu beweisen oder nicht? Man wird wahrscheinlich schon eine Möglichkeit finden diese dennoch aufzubieten um zu prüfen ob sie in der Lage sind das Navigerät zu programmieren.

    einklappen einklappen
  • Jayrocafella am 05.02.2017 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Umfrage...

    Der Lockführer hat sehr wohl eine Prüfung...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ellee am 11.02.2017 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles andere ist nicht interessant

    Da beisse ich erst an, wenn die Karren fliegen können :D

  • Rico S am 09.02.2017 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Mikrig

    Diee mikrigen Fahrzeuge werden den selbsgesteuerten die Geschwindigkeit vorgeben, weil sie selber derart unsicher sein werden, dass sie nur mit einer bestimmten tiefen Geschwindigkeit unterwegs sein dürfen. Ihnen werden sich alle anderen anpassen müssen. Wir kennen doch unsere Behörden. Aber um genau das geht es ja bei der Sache.

  • Ja Aber am 08.02.2017 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm

    Naja... Irgend ein "Not-Aus" System muss es geben. Ansonsten viel Spass mit "Stuxnet 7.0"

  • Freddy am 07.02.2017 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelte Sicherheitsgurten ,Ueberrollbüg

    Aber nur mit doppelten Sicherheitsgurten und Ueberrollbügel wie in der Formel 1

  • Markus Boll am 07.02.2017 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss Fahrlehrer

    Die fahrlehrer müsen sich nicht umschulen, sie werden dann nichtmehr gebraucht ausser für ein paar wenige die die klasische prüfung noch wollen. Was nutzt es mir mein Verkehrsverhalten zu schulen wenn ich eh nicht eingreifen kann?