Fahrausbildung

05. Oktober 2017 13:10; Akt: 05.10.2017 15:18 Print

«Bund nimmt mehr tote Neulenker in Kauf»

Die geplanten Änderungen bei der Fahrausbildung stossen auf grosse Ablehnung bei den Fahrlehrern. Sie sprechen von «Pseudovorschlägen des Bundes».

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Der Schweizerische Fahrlehrerverband (SFV) lässt kein gutes Haar an den neuen Regeln zum Erwerb eines Führerscheins: Dass bereits 17-Jährige auf der Strasse fahren sollen und einer von zwei Weiterbildungstagen gestrichen werden soll, berge «veritable Gefahren».

Der SFV hat die vorgeschlagenen Änderungen mit scharfen Worten kritisiert: Der Bund nehme mehr tote Neulenker in Kauf. Für die Verkehrssicherheit in der Schweiz gebe es heute eigentlich gute Noten, sagte Willi Wismer, Präsident des Zürcher Fahrlehrerverbandes: Die Statistiken würden zeigen, dass die Zahl der verletzten Junglenker gesunken sei. «Wir haben eines der besten Systeme, bei dem Fahrlehrer und Private Hand in Hand wirken.»

Dieses System soll nun umgekrempelt werden – doch die Vorlage des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) sei «eine Sudelei» und «ein Murks», sagte SFV-Präsident Urs Fasel. «Die Vorlage ist nicht nur misslungen, sie kann sogar tödlich wirken.»

Nur noch ein Weiterbildungstag

Das ASTRA hatte im April angekündigt, die Fahrausbildung optimieren zu wollen. An der zweistufigen Ausbildung, die 2005 eingeführt wurde und einen Fahrausweis für vorerst drei Jahre auf Probe vorsieht, soll grundsätzlich festgehalten werden.

Junglenker sollen aber neu, um Erfahrung zu sammeln, bereits mit 17 Jahren auf der Strasse zugelassen sein – die praktische Prüfung darf aber weiterhin erst mit 18 Jahren abgelegt werden. Zudem sollen die Neulenker nicht mehr zwei obligatorische Weiterbildungstage besuchen müssen, sondern nur noch einen.

SFV: Kurse beibehalten, aber anpassen

Für den SFV sind diese Massnahmen nicht nachvollziehbar: Inskünftig würden jährlich bis zu 40'000 unerfahrene 17-Jährige auf die ohnehin schon verstopften Strassen gelassen - dies könnte mehr Unfälle provozieren. Fasel sprach von einer «Gefahrenexplosion».

Zudem sei gar nicht klar, wie oft und wie weit die 17-Jährigen fahren würden, bis sie dann später die Prüfung ablegen. Das heutige System, bei dem Junglenker zunächst die ersten Strecken mit einem Fahrlehrer absolvieren und sich später privat die Routine holen, habe sich doch bewährt.

Auch vom Wegfall des zweiten Weiterbildungstages hält der Fahrlehrerverband wenig: Junglenker seien auf praktische Fahrübungen angewiesen. Die oft geäusserte Kritik, wonach der zweite obligatorische Kurstag den Lenkern bei hohen Kosten wenig bringe, konterte der SFV mit einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW).

Diese beinhaltet unter anderem eine Fahrsimulatorfahrt, in der zehn Teilnehmer mit verschiedenen Situationen konfrontiert wurden – etwa mit unvermittelt auf die Strasse tretenden Fussgängern, wie Markus Hackenfort, ZHAW-Professor für Verkehrs-, Sicherheits- und Umweltpsychologie, ausführte.

Signifikante Unterschiede in der «Fahrleistung vor und nach den Weiterbildungskursen» wurden gemäss Studie zwar nicht gefunden. Doch über alle kritischen Ereignisse hinweg betrachtet, ergaben sich «Veränderungen, die weniger Kollisionen und Beinahe-Unfälle und mehr unfallfrei bewältigte kritische Situationen dokumentieren».

Die Kurse sollen deshalb beibehalten, aber optimiert werden – insbesondere die Inhalte des zweiten Kurstages sollen demnach überdacht werden, wie es in den SFV-Unterlagen heisst.

Die Vernehmlassung zu den geplanten Anpassungen, die unter dem Titel «Opera-3» laufen, dauert bis 26. Oktober. Der Schweizerische Fahrlehrerverband weist diese gemäss Fasel zurück. Die Fahrausbildung soll stattdessen punktuell verbessert werden.

(woz/rub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom Tacker am 05.10.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Beides dafür

    ob jetzt ein 18-jähriger oder ein 17-jähriger mit seinen Eltern üben geht, spielt alterstechnisch auch nicht wirklich eine Rolle.. Und dass Fahrschulen gegen die Abschaffung eines WAB Kurses sind ist ziemlich offensichtlich - immerhin verdienen Sie ja daran.

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  • Amina123 am 05.10.2017 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    also autofahren ab 16 ist eindeutig zu früh...wer oder was hat da den bund geritten???

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  • H.St. am 05.10.2017 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täter Bundesverwaltung

    Einmal mehr macht sich die Bundesverwaltung unglaubwürdig. Man frägt, wessen Geist solche und andere Vorschläge sind. Es scheint, als ob gewissen Bundesämtern der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • coldasgold am 09.10.2017 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gierige Fahrlehrer

    Natürlich wollen die Fahrlehrer die unnötigen 2 Phasenkurse nicht weghaben, die führen sie ja schliesslich durch und kassieren ordentlich. Fakt ist aber für den Fahrer sind diese Kurse unnützer und teurer Chabis. Sie sollten abgeschafft werden und wenn überhaupt nur noch Pflicht sein für statistisch erwiesene Risikogruppen (zb männliche Junglenker aus der Balkanregion, die gemäss einer UZH-Studie rund zwei Drittel aller Verkehrsunfälle verursachen).

  • LLLL am 08.10.2017 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Zukunft

    In Zukunft braucht es mit den selbstfahrenden Autos keine Fahrlehrer mehr, sondern mehr Computerfachleute, die den Jungen und Alten das Fahren beibringen. Auf was für Fahrzeuge wird denn heute noch Fahrschule gegeben? Bringt den Jungen das Fahren mit Elektrofahrzeuge bei, hier müssen sie mit dem Gaspedal vorsichtiger umgehen können, da die Kraft ohne Verzögerung auf die Räder übertragen wird und die Geschwindigkeit viel schneller erreicht ist. Also bitte, der Technik anpassen.

  • popi am 08.10.2017 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Hamsterrad

    Ausbildung verkürzen = mehr Unfälle = mehr Forderungen nach Sicherheit = Mehr Rückenwind für sinnbefreite Gesetzesänderungen

  • Melissa am 08.10.2017 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Für den Bund ....

    ist dass doch kein Problem, sind halt nur junge Menschen. Der Bund lässt dass zu, damit mehr Geld in der Kasse fliesst und nichts anders.

  • huschmie am 06.10.2017 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was bringt das wem?

    Wer erhofft sich welche Verbesserung von der neuen Regelung? Ich sehe den Grund dafür nirgends? Verdient damit jemand Geld oder gibt es andere nennenswerte Vorteile? Ich checke es einfach nicht.