Nackt-Künstlerin an Art Basel

19. Juni 2014 13:44; Akt: 19.06.2014 15:31 Print

«Dann ziehe ich mich halt wieder an»

Die Schweizer Performance-Künstlerin Milo Moiré wollte die Art Basel nackt besuchen. Die Veranstalter kannten kein Pardon: Für die Künstlerin blieben die Türen verschlossen.

Performance-Künstlerin Milo Moiré ist entäuscht: Sie darf die Art Basel nackt nicht betreten. Zufällige Zaungäste hingegen sind begeistert. (Video: Roland Schäfli)
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Milo Moiré – Das Nackt-Interview
(Video: Roland Schäfli)

Sie hatte ihr Vorhaben gross angekündigt: Performance-Künstlerin Miro Moiré beabsichtigte am Donnerstag nackt mit dem Tram bis zur Art Basel zu fahren und dort die Ausstellung zu besuchen.

Die Vorbereitungen für Moirés Nackt-Performance begannen im Basler Atelier Michel Ammann. Dort wurden Wörter wie «Bra», «Pants» oder «Jacket» auf ihren Körper geschrieben. Danach bestieg die Künstlerin gemeinsam mit ihrem Begleiter Peter Palm das Tram und fuhr Richtung Kunstmesse.

Kein Platz für Spontanität an der Art Basel

Kaum stieg die Schweizerin aus dem Tram, stürmten ihr Menschen entgegen und zückten ihre Smartphones und Kameras. Unbeeindruckt schlenderte Moiré über den Platz, schoss ein Selfie von sich im 14-Rooms-Spiegel und betrachtete das netzartige Zelt vor dem Messegebäude – stets begleitet von einer Menschenmenge.

Als die Künstlerin sich in die Warteschlange vor den Kassen einreihte, erschien sogleich die Art-Basel-Pressesprecherin Dorothee Dines, die Moiré freundlich, jedoch bestimmt erklärte, dass sie die Messe nicht besuchen könne: «Da es sich bei ihr um eine Performance handelt, können wir sie nicht in die Hallen lassen. Die Art Basel zeigt verschiedene Künstler, die von Galerien vertreten werden. Diese mussten sich mehrere Monate zuvor anmelden und wurden dann in einem Auswahlverfahren ausgesucht. Zudem müssen die Aussteller eine Gebühr zahlen.» Aus diesen Gründen sei ihre spontane Aktion unfair den anderen Künstlern gegenüber, so Dines weiter.

Somit endete die Performance der 31-Jährigen vor dem Eingang der Kunstmesse. Moiré reagierte gelassen auf die Absage und sagte, sie wolle sich danach anziehen und später als Privatperson die Art besuchen.

Kunst mit dem Körper spüren

Die Performance, die sie «The Script System» nennt, sorgte bereits 2013 für Aufsehen. Damals war sie in Düsseldorf nackt im Tram und in der U-Bahn unterwegs.

Der nackte Körper sei das zentrale Element in ihrer Kunst. Sie nennt diese Art der Performance «Embodyment». So legte sie in einer Guerilla-Aktion bereits an der Art Cologne Eier, die sie zuvor ausgeblasen und mit Farbe gefüllt hatte. Diese präparierten Eier führte sie dann in ihre Vagina ein und entledigte sich ihrer über einer Leinwand. So «gebar» sie quasi ein Bild. «Erst durch das körperliche Gefühl entstehen die Bilder in meinem Kopf und erst durch meinen eigenen Körper kann ich dieses Gefühl den anderen begreiflich machen», erklärt die in Deutschland lebende Künstlerin.


(ros, dos, cho, pjz)