Studie

21. September 2017 12:10; Akt: 21.09.2017 12:10 Print

«Das Mobiltelefon ersetzt reale Beziehungen»

Eine Experiment zeigte, dass sich Menschen gestresst fühlen, wenn ihnen das Handy weggenommen wird. Experten raten, sich Alternativen zu überlegen.

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Junge Menschen entwickeln eine Beziehung zu ihrem Smartphone, wie sie es mit Menschen tun. Das zeigt eine Studie der ungarischen Universität Eötvös Lorand. Bei 93 Studenten im Alter zwischen 18 und 26 Jahren wurde gemessen, ob sie Stress empfinden, wenn ihnen das Mobiltelefon abgenommen wird.

Umfrage
Wie stark ist Ihre Beziehung zum Smartphone?

Das Resultat des Experiments ist eindeutig: Wurde den Probanden das Handy weggenommen, fühlten sie sich gestresst. Das äusserte sich in nervösen Handlungen. Die Probanden kratzten sich oder legten ihre Haare zurecht. Wurde den Teilnehmern ein fremdes Handy gegeben, waren sie weniger gestresst.

«Das Handy ist wie ein Tagebuch»

Für ihre Ergebnisse haben die drei Forscher den Begriff «Nomophobie» kreiert. Er setzt sich aus den englischen Wörtern No-Mobile-Phone-Phobia zusammen, was so viel heisst wie «Angst davor, kein Mobiltelefon zu haben».

Grund für dieses Verhalten ist laut Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie, nicht das Gerät selbst, sondern die Bedeutung der Inhalte. «Das Mobiltelefon ist wie ein Tagebuch. Es enthält Erinnerungsspuren, zum Beispiel Fotos und Chatverläufe.» Das sei für die hohe Bindung verantwortlich. Wenn die Daten online gesichert sind, könne diese Bindung niedriger sein.

Zudem sei das Smartphone ein Zugangstor zu potenziellen Kontakten. «Wird dieser Zugang weggenommen, kann die Angst entstehen, etwas zu verpassen.» Das könnte erklären, warum sich der Stress verringert, wenn ein fremdes Telefon zur Hand ist.

Alternative Geräte helfen bei Unwohlsein

Die Beziehung zum Mobiltelefon werde erst dann zum Problem, wenn eine Abhängigkeit entstehe. «Wird das Smartphone zu einem Talisman, ohne den man sich unwohl fühlt, sollte man sein Verhalten anpassen», sagt der Experte.

Fälle, in denen Menschen eine persönliche Beziehung zu ihrem Smartphone aufbauen, sind beim Zentrum für Spielsucht bekannt. «Zum Teil ersetzt das Mobiltelefon reale Beziehungen», sagt Franz Eidenbenz, Leiter Behandlung beim Zentrum. Für viele sei das Smartphone ein Gerät, das sie nie mit anderen tauschen würden. Es gebe Kunden, die kaum auf das Gerät verzichten können.

Wecker statt Weck-App

Die Experten raten nicht nur, ab und zu bewusst auf das Handy zu verzichten und es nachts abzuschalten. Sie sagen, dass man sich Alternativen überlegen solle. «Ein Wecker beim Bett oder eine Armbanduhr hilft uns, das Smartphone nicht zu benutzen, wenn wir nur wissen wollen, wie spät es ist», sagt Michael In Albon, Leiter Jugendmedienschutz bei der Swisscom. Zudem helfe es, die Benachrichtigungssymbole zu deaktivieren.

Das Smartphone nehme heute die Rolle eines für viele wichtigen alltäglichen Werkzeugs ein. In Albon: «Wir gewöhnen uns an die Bedienung und die Handhabung. Das ist vergleichbar mit einem Auto, das man jeden Tag fährt. Wir werden ebenso nervös, wenn wir die Schlüssel verlegt haben.»

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Miley am 21.09.2017 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gestresst auf 2 Arten

    Also ich steh dazu. Muss aber auch sagen dass mir mein Handy das Leben erleichtert hat. Wenn ich mal irgendwo bin und was nachschauen muss (Adresse, Ort etc) dann fühle ich mich gleich sicherer dass ich einen schnelleren Weg habe mich zu informieren. Ebenfalls kann ich im Notfall auch jemanden anrufen. Leute die aber stressen weil sie grad nicht auf Facebook oder Instagram ein Foto über ihr Leben posten können. So was finde ich dann ungesund.

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  • MadChengi am 21.09.2017 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Was heisst da Beziehung?

    Wenn ich die Leute so beobachte, sag ich mal das Handy ersetzt für viele die Reale Welt! Alle auf Asocial Media...

  • Claude am 21.09.2017 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Handy-Zombies

    All die Handy-Zombies die in der Stadt rum rennen. Also mit diesen Leuten kann man nicht mehr "Real" kommunizieren, die sind einfach nicht da. Und der Nick-Name habe ich auch nicht zur Hand, so ist es für mich auch virtuell nicht möglich mit ihnen zu kommunizieren. Was kann ich da machen? (rhetorische Frage)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • werner schneider am 22.09.2017 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Handy, das kleinere Übel

    Noch schlimmer ist Facebook. Man kann dort kein gegenseitiges Gespräch führen. Ich habe den Kontakt mit meinen amerikanischen Freunden verloren, weil ich nicht im Facebook bin. Sie wissen nicht einmal, ob ich noch lebe. Mit einem Handy kann man wenigstens noch mit lebenden Personen reden.

  • suerstudie am 22.09.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bittenocheinestudie

    Na super, schon wieder eine Smartphonestudie:( Ja wir wissen es langsam, die heuteige Jugend hängt gerne am Smartphone rum, in den Zügen schauen alle ins Smartphone... Logo werden über das Smartpohne auch Beziehungen gepflegt und den einen gefällt das so gut, dass sie Beziehungen nur über das Smartphone pflegen möchten. Na und!? Kann uns doch egal sein, ich bin draussen und geniesse die Natur und meine Freunde. Wer lieber vor dem Samrtphone sitzt soll das tun, auf solche langweiler können wir gut verzichten;)

  • Geissenpeter am 21.09.2017 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich hasse FB

    mir hat es schon öfter die Beziehung kaputt gemacht. Aufgrund von Missverständnissen. Lieber Face to Face da sieht man dem Gegenüber in die Augen.

  • playboy am 21.09.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geiles handy!

    Dank Tinder, Lovoo etc. mach ich so viele Frauen klar, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen - ich hab fast jeden Tag ne andere am Start. Meistens sag ich denen nicht mal meinen echten Namen und nenn denen einen falschen Beruf und Wohnort. ich hab 1,2-mal spass mit ihnen, dann antworte ich einfach nicht mehr oder blockier sie. ich könnte nicht mehr ohne handy oder i-net...

  • Ludwig am 21.09.2017 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    krass

    Ich kenne Leute, die kann ich persönlich nicht erreichen. Wenn du ihnen nicht per chat schreibst, existierst du für sie nicht wirklich. Das geht bis in die Familien hinein. Es muss alles über den Server in USA laufen, oder du wirst nicht wahrgenommen.